Nur eins der vielen Resümees

Dezember 19, 2006

Na super, das Entertainment System hier im Flieger scheint nicht zu funktionieren. Die müssen, der Durchsage des Kapitäns nach, das System neu starten – hört sich ganz nach Microsoft Windows an. Aber dafür bleibt mir dann etwas Zeit, um die letzten vier Monate Revue passieren zu lassen.

Eigentlich muss ich die letzten zwölf Monate in meinen Rückblick integrieren, denn ungefähr um diese Zeit vor einem Jahr bekam ich den Bescheid, dass ich für ein Semester an die University of Virginia gehen durfte. Danach verliefen die Monate wie bei jedem Austauschstudenten: Flug buchen, Wohnheimplatz organisieren, Pass erneuern, Visum abholen und los fliegen. Was sich in Retrospektive so einfach anhört, war an sich ganz schön anstrengend, vor allem weil einem immer wieder die immense Bürokratie (auf deutscher, als auch amerikanischer Seite) in die Quere kam.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auch nicht außer Acht lassen, dass meine Freundin Christiane in dieser Zeit mitleiden musste. Zum einen durch den Druck, unter den ich mich gesetzt fühlte, zum anderen natürlich bedingt durch die nicht sehr rosige Aussicht, knapp vier Monate getrennt zu sein – ein Gedanke, an den wir uns beide gewöhnen mussten.

Express-Pass und Visum

Im Februar buchte ich meinen Flug nach Washington, dann verstrich viel Zeit bevor ich mich bequemte einen neuen Reisepass zu beantragen. Im Endeffekt musste ich sogar eine Extragebühr bezahlen, damit mein Pass noch rechtzeitig für den Visumstermin ankam. Im Juni bewarb ich mich dann für einen Visumstermin in Frankfurt, der auf Ende Juli angesetzt war. Unglaublich ist für mich immer noch, wie viele Dokumente ich ausfüllen und/oder mitbringen musste. Anfang August hielt ich dann meinen Pass mitsamt Visum in den Händen. Nachdem der Auszug aus meiner alten Wohnung und die „Verschiffung“ meiner Klamotten in mein altes Zimmer bei meinen Eltern über die Bühne gebracht war, begann die Zeit, die ich als die Zeit „der letzten Ereignisse“ beschreiben würde.

So Ereignisse liefen dann ungefähr so an: „Mein letztes Training, bevor ich fliege“, oder „Unsere letzte gemeinsame Nacht, bevor ich fliege“ – wobei jetzt nicht der Anschein erweckt werden soll, dass beide Ereignisse gleichbedeutend traurig waren, dass waren sie nämlich definitiv nicht.

Abflug

Am 17. August ging es dann los. Christiane brachte mich zu Flughafen, selbstverständlich, jedoch nicht ganz unschmerzhaft. Trennungen sind scheiße, aber Trennungen an Flughäfen sind mitunter die schlimmste Erfahrung für ein Paar. Aber ich denke, dass wir die Zeit gut hinter uns (und nicht zwischen uns) gebracht haben; und das gibt sehr, sehr große Hoffnung für die Zukunft. Diese Zukunft ist es dann auch, die mir half heute Morgen aus Charlottesville aufzubrechen. Als ich während meiner Schulzeit für einige Zeit an einer amerikanischen high school war, gestaltete sich das „Nach-hause-kommen“ nicht ganz so freudig, soweit ich mich erinnere.

Jetzt komme ich aber mit Freude und Liebe in meinem Herzen nach Hause und ich freue mich sehr diese Zeit in den USA verbracht zu haben. Nicht mehr und nicht weniger. Freude überwiegt insgesamt, nicht Wehmut. Ich freue mich, diese Erfahrung (vor allem, wie es sich für ein Auslandssemester gehört) akademisch gemacht zu haben, ich würde sie, gerade aufgrund der hervorragenden Bildungsanstalt, die ich besuchen durfte, nicht missen wollen.

Von Düsseldorf ging es dann unter massiven Sicherheitskontrollen (eine Woche vor meinem Abflug hatte der britische Geheimdienst eine Gruppe festgenommen, die höchstwahrscheinlich eine ganze Reihe Flugzeuge in die Luft sprengen wollten) nach Washington. Glücklicherweise wurden die Bestimmungen für das Handgepäck einen Tag vor meinem Abflug gelockert, was es mir erlaubte, meinen Laptop mit in den Flieger zu nehmen und den Blogeintrag ziemlich aktuell zu schreiben, ungefähr genau so aktuell wie dieser hier.

Eingewöhnungszeit in Charlottesville

Mit dem Mietwagen ging es dann von Washington in das beschauliche Charlottesville, wo ich die erste Nacht bei Sebastian, einem weiteren Austauschstudenten aus Dortmund, verbrachte. Nachdem ich mein Zimmer in einem der Wohnheime bezogen hatte ging der Uni-Alltag ziemlich schnell los. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich an das Tempo in den Vorlesungen (und ja, auch an die Sprache) gewöhnt hatte, aber dann lief alles ziemlich glatt. Meine anfänglichen Schwierigkeiten spiegelten sich auch in meinen Noten wieder. Außer in meiner „German in Translation“-Klasse prangten überall Cs (befriedigend) auf meinen Papern und Tests. Dann ließ ich mir von einem Kommilitonen erklären, was die Profs und Dozenten sehen und hören wollten und schon ging es rapide nach oben mit den Leistungen. In den Midterms schnitt ich durchweg gut bis sehr gut ab. Sehr verwundert war ich über das (bei uns nur aus der Schule bekannte) System der Gesamtnote. In den meisten Kursen flossen (bzw. fließen, da ich die Endnoten noch nicht habe) ein Test, eine Midterm-Klausur, ein Paper, die mündliche Leistung und das Final Exam in die Bewertung mit ein – woraus sich die Notwenigkeit ergab, konstant zu lernen. Nicht gerade stressfrei, aber es lohnt sich.

Kurz vor den Midterms (im November) besuchte mich dann meine Christiane und wir verbrachten unsere kostbare Zeit zusammen in Washington, am Meer, in Charlottesville und in New York. Ich bin dankbar für jede Minute dieser Zeit, denn ohne den Christianes Besuch hier wäre die Zeit schwerer gewesen. Nachdem ich sie dann Ende November zum Flughafen gebracht hatte, wusste ich, dass es nur noch knapp drei Wochen bis zum meinem eigenen Rückflug waren – eine durchaus überschaubare Zeit, aber auch eine der anstrengendsten Zeiten, die ich bis jetzt in meinem Leben erlebt habe.

Stress pur in der Prüfungsphase

Es ist alles wahr, was man von den Elitecolleges in Amerika hört, okay, ab und zu etwas zugespitzt geschrieben, aber deshalb nicht weniger wahr. Amerikanische Studenten müssen in vier Jahren fertig sein mit ihrem Studium. Zum einen weil (im Falle der University of Virginia) sie sonst „gegangen werden“, wenn sie keinen guten Grund für ein fünftes Jahr vorweisen können, zum anderen weil jedes Jahr an so einer Uni die Eltern der Studenten immer weiter dem finanziellen Ruin näher bringt. Schätzungsweise 30.000 Dollar (ca. 22.500 Euro) kostet ein Jahr an der UVa – ein Fakt, dem sich die Studenten hier meist sehr bewusst sind. Von daher arbeiten die meisten Tag und Nacht (vor allem in der unmittelbaren Zeit vor Klausuren), um ihre Prüfungen/Kurse zu bestehen, am besten noch sehr gut zu bestehen. Denn wenn man schlechter als ein C- ist kann man den Anspruch auf einen Platz im neuen Jahr verlieren. Ein Kommilitone von mir zog für eine Woche vor den Midterms in die Bibliothek. Das ist jetzt nicht bildlich, sondern wörtlich, gemeint. Er packte eine Sporttasche und sein Bettzeug und lebte in der Bibliothek, um länger und intensiver lernen zu können.

Das war mir dann doch zuviel des Guten, außerdem war ich einfach zu festgefahren in meiner deutschen Uni-Gewohnheit, um mich so sehr rein zu knien. Die Klausuren bestand ich zwar (bei den Finals weiß ich es noch nicht, bin aber zuversichtlich), bei den Papers (der Art von Prüfung, die ich von zuhause gewöhnt bin) konnte ich hingegen voll überzeugen. Hier bekam ich meine besten Noten.

Neben all dem universitären Kram blieb ziemlich wenig Zeit um anderen Aktivitäten nachzugehen. Ich war auf erschreckend wenigen Partys und war (ich bin geneigt, wieder erschreckend zu benutzen) selten betrunken. Die meiste Zeit verbrachte ich in der Uni, vor meinem Rechner oder mit Martin beim einkaufen, trainieren oder Auto fahren. Hört sich jetzt nicht sehr spannend an, aber irgendwie hat es dazu beigetragen (zusammen mit den seltenen Partys) die Zeit sehr schnell rum gehen zu lassen.

Die andere Kraft, die mir half, „in guten wie in schlechten Tagen“ nicht den Kopf hängen zu lassen, war mein Schatz.

Angekommen in London

Jetzt haben wir einen mächtigen Zeitsprung gemacht. Ich konnte knapp drei Stunden schlafen, den Rest hab ich dann doch noch mit dem On-board Entertainment System verbringen können, was nach zig Neustarts endlich funktionierte. Mittlerweile bin ich im internationalen Terminal in London/Heathrow und hab nur kurz Zeit, weil die Einreisekontrolle noch viel massiver ist, als die Ausreisekontrolle in den USA – und das obwohl man nur von einem Flug zum nächsten transferiert. Außerdem durfte man nach England zwei Taschen mit an Bord nehmen, von England in irgendein anderes Land aber nur eine. Also muss ich jetzt alles in der Hand tragen und meine Laptoptasche in meinen kleinen Koffer quetschen. So und jetzt muss ich rennen, weil ich verpeilt habe, dass mein Flug schon auf der Anzeigetafel steht.

So, mehr Beinfreiheit und Ledersitze, so muss das sein. Deshalb mag ich Kurzstrecke lieber als Langstrecke, irgendwie sind die eher Businessman-orientiert. Nicht das ich ein Businessman wäre, aber irgendwie fühlt man sich in solchen Fliegern immer so an. In knapp zwei Stunden bin ich dann endlich wieder in der Heimat. Wenn ich nicht so kaputt wäre, würde ich mich noch mehr freuen.

Charlottesville ist keine große Stadt und bietet von daher auch keine tollen Ausgehmöglichkeiten. Wenn man zum studieren da ist, kommt einem das aber sehr entgegen. Die Amerikaner stehen lieber in Kneipen rum und unterhalten sich, während sie unaufhaltsam Liter um Liter in sich hinein kippen – in Charlottesville ist um zwei Uhr morgens Sperrstunde, bis dahin will man ja schön besoffen sein. Die Kneipenlandschaft ist aber an sich sehr gut, für jeden ist irgendwie was dabei, vom Irish Pub bis hin zur typisch-amerikanischen Pool-Bar – mit Pool meine ich das Spiel mit den Kugeln, nicht den Behälter mit Wasser drin.

Leben im Wohnheim

Wenn man wie ich nur ein Semester ins Ausland geht, ist ein Wohnheimplatz die besten Idee. Ich hab ein paar nette Leute dort kennen gelernt, auch wenn die meisten viel jünger waren als ich, da man meist nur in seinem ersten Jahr an der Uni im „Dorm“ wohnt und sich dann mit Freunden zu einer Off-Campus-WG zusammenschließt. Außerdem hat man dort alles direkt vor Ort, die eigene Klimaanlage, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle, Internetanschluss und eine Küche, für die man sich aber selbst mit Töpfen und Pfannen ausstatten muss. Aber dafür gibt es ja die Dining Hall, die morgens, mittags und abends geöffnet ist und neben Fast Food ab und zu sehr leckere Sachen zu bieten hatte. Manchmal dann auch wieder nicht so Leckeres, näheres dazu kann man von Christiane erfahren.

Der letzte Flug

Nach vier Monaten geht mit dem heutigen Morgen mein Abenteuer Auslandssemester zu Ende. Ob ich traurig bin? Nein, bis jetzt zumindest noch nicht. Ich habe kein „Heimweh“ und auch das weinende Auge (das ich aufgrund oben genannter Faktoren hatte, ist vollständig getrocknet, die letzte Träne weggewischt. Das liegt zu einem sehr, sehr, sehr großen Teil daran, dass akademische Elite schön und gut ist, aber Liebe kann selbst eine Top-Uni nicht ersetzen. Und die ist nun mal in Dortmund und nicht Charlottesville.

Und deshalb schnalle ich mich jetzt an und hoffe, dass der Pilot seinen Job gut macht und ich in einer Stunde und 15 Minuten sicher in Düsseldorf ankomme. Hach und dann is auch scho’ Weihnachten – wie die Zeit vergeht.

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CCICC

Dezember 17, 2006

10.000 Besucher!Wir haben einen Gewinner. Das T-Shirt geht an M. Plitt aus B. in D. Er hat mir ne E-Mail mit Bild geschickt. Meine Expertekommission hat das Foto überprüft und gemeint: „Sollte es gefaked sein, dann ist es sehr gut gemacht, also gib ihm das Shirt.“ Und da ich weiß, dass besagter Herr Plitt ein ehrlicher Zeitgenosse ist, bekommt er auch das T-Shirt, welches ich gleich noch kaufen werde. Unterschreiben werde ich dann erstmal nicht, ich will ja, dass das T-Shirt mitstolz geschwellter Brust getragen wird.

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So, nun aber zum eigentlichen Anlass diese Beitrages: CCICC – Ungefähr so wie 10.000 im römischen Zahlenkatalog geschrieben, bzw. das ist eine der Möglichkeiten, eine so große Zahl darzustellen. Und verdammt noch mal, 10.000 ist eine verdammt große Zahl, nicht nur bei den verdammten Römern.Verdammt.

Eigentlich wird die Zahl so geschrieben –namenlos3.jpg– aber da kriegt man in einer Überschrift einfach nicht hin. Falls jemand weiß, ob man mit einer bestimmten Tastenkombination gespiegelte Buchstaben schreiben kann, würde ich darum bitten, es mir mitzuteilen.

Es soll auch eigentlich gar nicht um die Römer, oder die richtige Schreibweise gehen, sondern um die Zahl an sich. 10.000 Menschen wohnen im gesamten Stadtgebiet meines Heimatortes. Für 10.000 Euro bekommt man einen guten Gebrauchtwagen und 10.000 Stellen sollen demnächst bei der Bahn wegfallen.

Außerdem haben sich 10.000 Leute dieses Blog angeguckt, bzw. einen Artikel gelesen. Ich weiß, viele von euch waren regelmäßige Leser, manche unregelmäßig, manche meiner Freunde haben sich sicherlich auch kein Mal hier hin verirrt. Auf jeden Fall danke ich allen Lesern/Leserinnen dafür, dass sie ab und zu mal vorbeigeschaut haben und den ein oder anderen Kommentar zu meinen Beiträgen abgegeben haben. Es erfüllt mich ein wenig mit Stol, dass so viele Leute mein Blog gelesen haben. Is natürlich jetzt nur scheiße, weil ich dann zuhause nix mehr zu erzählen habe.

Ich denk mir das so:

Bekannter: Und, wie war’s in den Staaten? Erzähl mal.
Ich: Ach ja, war sehr lustig. Was soll ich denn erzählen?
Bekannter: Keine Ahnung, schieß einfach los.
Ich: Ach ja, da war das eine Mal, wo ich beim Football war.
Bekannter: Ah, ne, kenn ich schon.
Ich: Ok, dann war da noch, als ich Christiane vom Flughafen….
Bekannter: Kenn ich schon.
Ich: Kennst du die Geschichte als ich…
Bekannter: … als du beim Fußball ein T-Shirt gefangen hast. Ja.
Ich: Mist. Ja, dann…. man sieht sich.
Bekannter: Bis später. Und schreib ja nix über dieses Gespräch in dein Blog.

So, oder so ähnlich könnte das ablaufen. Wahrscheinlich eher nicht. Und wenn schon, dann muss ich mir wenigstens nicht den Mund fusselig reden.

Jedenfalls, wo war ich. Ach ja. Nach vier Monaten und 113 Beiträge (von denen einige während der Vorbereitungszeit zwischen Februar und August geschrieben wurden) ist dieses Blog schon fast zu seinem verdienten Ende gelangt. Der Flug steht mir noch bevor und die Willkommens-/Christiane’s Geburtstagsparty wird auch noch gefeiert. Aber dann ist mein Auslandssemester und damit dieses Blog zu Ende.

Ohne eine richtiges Finale, bzw. eine Zusammenfassung werde ich jedoch nicht schließen. Deshalb arbeite ich jetzt schon an einem zusammenfassenden Text, der noch mal alles von der Vorbereitung, dem Visum, den ersten Tagen hier bis hin zum letzen Final und der Party mit einschließt. Aber das wird erstmal dauern.

Noch einmal danke an alle meine Freunde und Bekannten, aber auch an die vielen unbekannten Leser, die sich hier hin verirrt haben. Durch euren Zuspruch (und die täglichen Zugriffszahlen) ist mir nie die Motivation ausgegangen. Danke, danke, danke.


Vor- und Nachteile von hier und da

Dezember 15, 2006

Nach knapp vier Monaten, und vier Tage bevor ich wieder in Dortmund eintreffen, wird es Zeit für einen kurzen, verfrühten Rückblick. Aber wenn die ganzen Fernsehshows Jahresrückblicke senden, bevor das Jahr rum ist, darf ich auch schon jetzt zurückblicken.

Es gibt zwei Punkte, die ich hier klar trennen möchte. Zum einen sind das Dinge, die ich hier in Charlottesville vermisst habe und auf die ich mich jetzt freue. Zum anderen, und dadurch sehe ich es als richtige Entscheidung an, hierher gekommen zu sein, sind es Dinge, die ich vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Um es mal vorweg zu nehmen: Bis auf die langen Öffnungszeiten werde ich an dem Land Amerika nicht viel vermissen, jedoch wird mir einiges an dieser Bildungsanstalt in Erinnerung bleiben.

Was ich vermisst habe und worauf ich mich freue:

Primär wäre da mal Christiane zu nennen, die ich ja erst vor kurzem gesehen habe, die ich aber trotzdem sehr vermisse und vermisst habe. Die vier Monate waren ein nicht ganz leichte Zeit und ich freue mich sehr, dass wir die Zeit überstanden haben. Das sieht man auch nicht alle Tage! Natürlich vermiss ich auch meine Eltern und meine Schwester, aber das ist ein etwas anderes Vermissen; ich glaub dass jeder versteht, wie ich das meine.

Dann kommen all die Dinge, ohne die ich leben könnte, aber nicht wollte. Zum einen wären da meine Jungs vom Fußball bzw. das Training, die Spiele und die lustigen Abende zusammen. Leistungsmäßig fehle ich jedoch leider nicht, denn acht Siege in Folge sprechen eine deutliche Sprache – aber darum geht es mir ja auch gar nicht. Außerdem freue ich mich auf all die anderen Leute, die zwar nicht Fußball spielen, aber doch meine Freunde sind – so was aber auch. Die haben hier ganz schön gefehlt. Ich freue mich auf den Westenhellweg und das Kreuzviertel, auf den Westpark und die Poetry-Jams im Subrosa. Ich vermisse Frühstück im Barock oder Schürmann’s, genau genommen vermisse ich einfach nur richtiges Frühstück, so mit Brötchen und allem.

Komischerweise vermisse ich meinen immer-kaputten Renault Megane. Irgendwie wird man faul, wenn man Automatikschaltung fährt, deshalb freut sich meine Hand auf den 1., 2., 3., 4. und 5. Gang, den Rückwärtsgang vermisse ich nicht – den muss man bei ner Automatik ja auch reinhauen. Ich vermisse die deutsche Autobahn und das Fehlen einer Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung – zumindest ab und zu mal. Ich vermisse Borussia und das Westfalenstadion, außerdem vermisse ich die WM, aber das tut wohl jeder irgendwie. Deshalb freu ich mich auch so sehr auf „Deutschland, ein Sommermärchen“. Ihr habt ihn alle schon gesehen, ich nicht. Yeah!

Ich vermisse deutsches Essen, obwohl ich mit dem Fraß hier auch ganz gut klar komme. Aber Christianes Kochkünste wachsen einem schon ans Herz, wenn man sich vier Monate nur von Burger und Pommes ernährt hat.

Ich freue mich auf ein großes Bett mit einem Lattenrost, da meines hier grob geschätzt 95x200cm ist. Außerdem freu ich mich auf eine richtige Wohnung, wo man auch mal aufstehen muss, um etwas zu holen. Hier muss ich mich nur auf meinem Stuhl umdrehen – alles nur eine Armlänge entfernt; hat ja auch irgendwie was.

Ich könnte noch zahllose Dinge aufführen, die ich vermisst habe und auf die ich mich freue. Aber ich bin ja leicht zufrieden zu stellen. Solange mich Christiane am Montag in Düsseldorf am Flughafen abholt, bin ich glücklich. Der Rest ist dann Bonus.

Was ich zuhause vermissen werde:

Jetzt sitze ich gerade im „Dome Room“ der Rotunde und kann hab somit Zeit zu zweiten Teil zu kommen. Meine letzte Klausur ist gerade geschrieben und ich bin frei von Lernstreß. Zum Thema: Das Vermissen (im Bezug auf die UVa), muss dazu gesagt werden, ist in diesem Zusammenhang doch etwas anderes, als wenn ich hier an zuhause gedacht habe. Es ist eher ein „Ach Mist auch, das werd ich irgendwie vermissen“, im Gegensatz zu einem „Verdammte scheiße, ich vermisse dich so sehr“. Ich werde ein paar Leute vermissen, die ich hier kennen gelernt habe, die, bis auf Martin (den bavarischen Münsteraner) Amerikaner waren. Die Amis würde ich jedoch als sehr europäisch einstufen. Vielleicht habe ich mich genau deshalb mit ihnen gut verstanden. Der menschliche Part ist aber nicht der alleinige Hauptgrund, warum ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück blicken werde, wenn ich in zwei Tagen Charlottesville verlasse.

Es hört sich komisch an, aber am meisten fehlen wird mir Architektur. Ja, Architektur.

Wenn ich morgens zu einem Kurs ging war es wie ein Eintauchen in die akademische Geschichte. Nachdem ich mir einen Kaffee bei Starbucks geholt hatte ging es vorbei an der von Jefferson (3. Präsident der USA) designten Rotunde über den Lawn, vorbei an Edgar Allan Poe’s (one hell of a poet) Zimmer im akademischen Dorf, vorbei an Wodrow Wilson’s altem Büro (Präsident der USA zwischen den Weltkriegen), bevor ich die Statue von Homer passiere und meine Kursraum aufsuchte. Und all diese Kurse waren in wunderbaren Gebäuden, die nicht nur bei blauem Himmel (aber gerade dann) absolut klassisch aussehen. Der Kontrast von weißem Marmor und rotem Backstein ist ein so einfaches, wie geniales Konzept, um Geschichte lebendig erscheinen zu lassen. Manche Gebäude wurden erst vor dreißig Jahren gebaut (ähnlich wie auf dem Campus der Uni Dortmund), wurden aber den ursprünglichen Gebäuden der Uni nachempfunden und fügen sich daher nahtlos ein und machen das Gesamtkonzept der Uni aus.

Es ist ein tolles Gefühl über diesen Campus zu laufen. Es ist schiere Ehrfurcht, die man für dieser Institution, repräsentiert durch ihre Gebäude, empfindet. Ich glaub ich könnte der dümmste Mensch der Welt sein und ich würde mich trotzdem unglaublich intelligent finden – einfach nur, weil ich mein Butterbrot vor der Rotunde esse. Okay, das könnte vielleicht ein bisschen übertrieben sein, but I guess you get the point.

Des Weiteren werde ich die englische Sprache vermissen, die ich schon immer liebe, aber viel zu wenig spreche. Und Mum, dass heißt jetzt nicht, dass ich zuhause englisch sprechen werde. Da hab ich immer noch keinen Bock drauf. In Deutschland sprech ich deutsch, hier halt (meistens) englisch.

Ich werde auch die Kurse vermissen, die mir sehr viel gegeben haben. Ich fühle mich, als hätte ich etwas aufgenommen; nicht nur geschrieben, sondern wirklich in mein Gehirn aufgenommen. Leider ging das nicht so einfach – im Sinne von Kopf auf, Inhalt rein, Kopf zu. Ich habe viel lernen müssen, viel Arbeit gehabt und viele Kurse. Aber das war (zumindest meistens) nicht so schlimm, wie ich gedacht hätte. Manchmal hat es sogar richtig Spaß gemacht. Und das auf meinem Mund. Gut das ich bald wieder im „altehrwürdigen“ EF50 Gebäude an der Uni Dortmund bin, da kann ich mir dann selbst die Flausen wieder aus dem Kopf treiben.

Nein, mal ehrlich, ich glaube, dass ich etwas mitnehmen kann und werde. Und das macht mich mitunter stolz und glücklich. Denn so hat das Auslandssemester genau das erreicht, was ich schon aufgegeben hatte, als ich vor einem knappen Jahr meinen letzten Kurs an der Uni in Deutschland absolviert hab – zur Info, ich habe vor dem Auslandssemester ein sechsmonatiges Praktikum gemacht – ich habe wieder Lust auf universitäre Bildung. Das wird mein größter Gewinn sein, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Das und die Tatsache, dass meine Beziehung zu Christiane die Zeit hier „überlebt“ hat und wir zusammen weiter gehen können.

Nach dem letzten Final! Yeah, geschafft!Ich werde sicherlich in Deutschland noch ein längeres Resümee schreiben, aber für jetzt soll das reichen.

Das Foto hab ich übrigens direkt nach dem Verlassen des Raumes gemacht, in dem ich meine letzte Klausur geschrieben habe. Deshalb auch das freudige Gesicht.


StudiVZ: Kopiert und mit den selben Problemen

November 29, 2006

Jetzt kann ich mich dem Thema, dass die Blog-Szene im Moment durchgeistert auch nicht mehr wiedersetzen. Es geht um die Internetseite http://www.studivz.net.

StudiVZ ist eine Web 2.0 Plattform aus Deutschland. Als Student (für die es anfänglich gedacht war) und für andere junge Leute ist diese Seite eine tägliche Anlaufstation. Man kann Freunde hinzufügen, Gruppen beitreten und Nachrichten untereinander schreiben. Außerdem gibt es da noch das „Gruscheln“, eine Art und Weise ein nettes Hallo los zu werden, ein Zwitter aus den Worten „Grüßen“ und „Kuscheln“, zumindest meinem Verständnis nach – ich lasse mich gern korrigieren.

Die Idee der StudiVZ-Gründer ist nicht neu, viele gehen sogar davon aus, dass es sich bei StudiVZ.net um eine dreiste Kopie des amerikanischen Vorbilds „Facebook“ handelt, dass sich hier in den US immer größerer Beliebtheit erfreut, aber, ähnlich dem StudiVZ in Deutschland, auch immer mehr in die Kritik gerät.

In den USA benutzen Studenten ihre Uni-Mail-Adressen während ihrer Zeit an der Universität, in Deutschland ist das nicht so. Von daher konnte sich das StudiVZ nie so sehr abgrenzen, wie es Facebook in den USA getan hat. Aber selbst das US-Vorbild kann sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterhin nur den Akademikern dieser Welt öffnen und schaltete vor einem Monat auch alle anderen Adressen für die Anmeldung frei.

Die Idee von Web 2.0 ist das sogenannte „Socializing“, die Interaktion (im Vergleich zum normalen „nur-lesen“). User sollen sich unterhalten, Bilder einstellen, Kommentare schreiben, interagieren. Das diese Interaktion in vielen Fällen auch zu weit geht, zeigt die „Stalker“-Debatte, die um das Facebook-Portal geführt wird. Viele Studenten geben ihre vollen Adressen an und können so sehr leicht ausspioniert werden. Skandale, von denen StudiVZ bis jetzt verschont geblieben ist, gab es in den USA zudem, als heraus kam, dass sich Unis und Firmen Informationen über ihre Studenten/Bewerber aus dem Facebook holten.

Mittlerweile ist StudiVZ soweit, dass der „Stalker“-Ruf auch in Deutschland zu hören ist. Bestes Beispiel hierfür ist eine Gruppe, in der es darum geht, nette weibliche User zu suchen.

„Wer eine wirklich fotogene Frau im Studiverzeichnis gefunden hat, teile uns dies doch bitte mit. Bitte gebt Vor- und Nachnamen sowie die jeweilige Uni an. (link zur Gruppe)“

Viele werden jetzt sagen, dass man sich nicht so anstellen soll. Selbst die Gruppe bemitleidet sich selbst auf ihrer Gruppenseite.

Journalistische Kampagnen gegen das StudiVZ benutzen nun auch die Gruppe ***** als Spielball , um dem Blog ans Leder zu gehen. Beiträge hier wurden aus dem Zusammenhang gerissen und sehr negativ dargestellt, die Autoren wurden so schlecht verschleiert, dass man diese mühelos erkennen kann.

Bei Blogbar kann man die ganze Geschichte nachlesen und ich muss sagen, es ist schon ziemlich krass. Nicht nur, dass die meisten Sprüche tief unter der Gürtellinie platziert waren, Frauen wurden auch ahnungslos zu Miss Wahlen „angemeldet“ und „gemeinschaftlich“ von den Mitgleidern gegruschelt. Eine „Miss“ verließ daraufhin das StudiVZ, was nicht verwunderlich ist.

StudiVZ ist im Vergleich zu Facebook noch sehr jung, muss aber mit einem massiven User-Ansturm klar kommen. Als ich mich im Juli angemeldet habe, waren gerade mal 200.000 Studenten „eingeschrieben“. Mittlerweile hat die Seite die 1.000.000-Grenze geknackt – und kein Ende ist in Sicht.

StudiVZ ist in letzter Zeit immer wieder in die Schlagzeilen gekommen. So sehr, dass sich schon Spiegel Online dem Thema angenommen hat – und das will was heißen. Mitgründer Ehssan Dariani tut sich immer mal wieder durch seine „lustige“ Art hervor, wenn er privates und geschäftliches verbindet – meist in Form von kleinen Videos im StudiVZ angegliederten Blog. Diese Videos haben an sich nichts mit der Plattform zu tun, sondern werden von Dariani benutzt, um seine Person in den Vordergrund zu stellen.

Das Watchblog der FU Berlin sagt dazu:

StudiVZ kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Nachdem der Betreiber des Online-Studentennetzes, Ehssan Dariani, erst vor kurzem wegen seiner “Nazi-Satire” und Spanner-Handy-Foto-Shots in die Kritik geraten war, walzt sich nun ein weiterer Skandal um StudiVZ von der Blogosphäre ausgehend bis in die Mainstreammedien. (FUwatch)

Die Sicherheitslücken sind jedoch das eigentliche Problem der schnell wachsenden Seite. Über pubertierende Betreiber kann man ja noch hinweg sehen (man muss schließlich nicht das Blog lesen), wenn es aber um die Geheimhaltung persönlicher Daten geht, ist Vorsicht geboten. Blogs quer durch die Republik beschäftigen sich seit ein paar Tagen mit dem Thema, nachdem bekannt wurde, dass StudiVZ einem „Phishing“-Angriff zum Opfer gefallen war, scheinbar ohne großartige Abwehrmechanismen eingeleitet zu haben, oder haben zu können.

Parallel dazu schwelt ein “Dauer-Skandal” um die fragwürdige Datenschutzpolitik von StudiVZ. Sicherheitsmängel erlauben den Zugriff auf private Daten der Benutzer (…). Wie heise Security (…) berichtete war StudiVZ am 27.11. offenbar von 12 Uhr bis zum Abend komplett offline. Grund war eine Phishing-Attacke, mit der die Angreifer sich Zugriff auf die Daten der StudiVZ-Nutzer zu verschaffen versuchten. Laut StudiVZ waren 32 Nutzer direkt betroffen. Um weiteren Datenklau zu vermeiden, wurde die Seite dann einfach komplett offline geschaltet. (FUwatch)

Für Leute, die noch weiter lesen wollen, hier einige Links zu den Blog-Artikeln und Spiegel online:

StudiVZ – Der Hitler-Screenshot und der Käufer Facebook (Blogbar)

StudiVZ gruschelt sich immer tiefer in den Sumpf (FUwatch)

StudiVZ: 700 Stalker und der Datenschutz (Blogbar)

StudiVZ: Heise Online mit diversen Updates (Beta2)

StudiVZ: Sicherheitsbedenken sind mehr als begründet (Beta2)

StudiVZ: Home of Stalking? (Customer of Hell)

Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf (Spiegel online)

Sex-Stalker im Studentennetz (Spiegel online)

UPDATE: Wie Deutschlands heißestes Start-Up vor die Wand fährt. (Die Welt)

DerGerechtigkeit halber sollen aber auch die Gründer von StudiVZ zu Wort kommen:

StudiVZ Blog

Interview bei Spiegel online

Mein Tipp wäre zudem, nicht zuviele persönliche Details im StudiVZ bekannt zu geben, gerade sensible Informationen wie die E-Mail Adresse oder Handynummer haben dort wirklich nichts zu suchen. Und auch ICQ und Skype werden gerne mal benutzt, um Leute zu belästigen. Da StudiVZ eine Nachrichtenfunktion und die allseits beliebte Pinnwand besitzt, sollten keine weiteren Kommunikationswege von Nöten sein.

Für Leute, die ganz sicher gehen wollen, dass ihre Daten nicht missbraucht werden, wäre noch zu empfehlen, den StudiVZ-Account zu löschen.

Aber selbst da gibt es mittlerweile Zweifel, ob der Account dann wirklich „weg“ ist, oder nur irgendwo auf Halde liegt und nur darauf wartet, in irgendeiner Weise ausspioniert oder missbraucht zu werden.

Es bleibt spannend im Web 2.0! Mal sehen was noch kommt.