Vor- und Nachteile von hier und da

Nach knapp vier Monaten, und vier Tage bevor ich wieder in Dortmund eintreffen, wird es Zeit für einen kurzen, verfrühten Rückblick. Aber wenn die ganzen Fernsehshows Jahresrückblicke senden, bevor das Jahr rum ist, darf ich auch schon jetzt zurückblicken.

Es gibt zwei Punkte, die ich hier klar trennen möchte. Zum einen sind das Dinge, die ich hier in Charlottesville vermisst habe und auf die ich mich jetzt freue. Zum anderen, und dadurch sehe ich es als richtige Entscheidung an, hierher gekommen zu sein, sind es Dinge, die ich vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Um es mal vorweg zu nehmen: Bis auf die langen Öffnungszeiten werde ich an dem Land Amerika nicht viel vermissen, jedoch wird mir einiges an dieser Bildungsanstalt in Erinnerung bleiben.

Was ich vermisst habe und worauf ich mich freue:

Primär wäre da mal Christiane zu nennen, die ich ja erst vor kurzem gesehen habe, die ich aber trotzdem sehr vermisse und vermisst habe. Die vier Monate waren ein nicht ganz leichte Zeit und ich freue mich sehr, dass wir die Zeit überstanden haben. Das sieht man auch nicht alle Tage! Natürlich vermiss ich auch meine Eltern und meine Schwester, aber das ist ein etwas anderes Vermissen; ich glaub dass jeder versteht, wie ich das meine.

Dann kommen all die Dinge, ohne die ich leben könnte, aber nicht wollte. Zum einen wären da meine Jungs vom Fußball bzw. das Training, die Spiele und die lustigen Abende zusammen. Leistungsmäßig fehle ich jedoch leider nicht, denn acht Siege in Folge sprechen eine deutliche Sprache – aber darum geht es mir ja auch gar nicht. Außerdem freue ich mich auf all die anderen Leute, die zwar nicht Fußball spielen, aber doch meine Freunde sind – so was aber auch. Die haben hier ganz schön gefehlt. Ich freue mich auf den Westenhellweg und das Kreuzviertel, auf den Westpark und die Poetry-Jams im Subrosa. Ich vermisse Frühstück im Barock oder Schürmann’s, genau genommen vermisse ich einfach nur richtiges Frühstück, so mit Brötchen und allem.

Komischerweise vermisse ich meinen immer-kaputten Renault Megane. Irgendwie wird man faul, wenn man Automatikschaltung fährt, deshalb freut sich meine Hand auf den 1., 2., 3., 4. und 5. Gang, den Rückwärtsgang vermisse ich nicht – den muss man bei ner Automatik ja auch reinhauen. Ich vermisse die deutsche Autobahn und das Fehlen einer Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung – zumindest ab und zu mal. Ich vermisse Borussia und das Westfalenstadion, außerdem vermisse ich die WM, aber das tut wohl jeder irgendwie. Deshalb freu ich mich auch so sehr auf „Deutschland, ein Sommermärchen“. Ihr habt ihn alle schon gesehen, ich nicht. Yeah!

Ich vermisse deutsches Essen, obwohl ich mit dem Fraß hier auch ganz gut klar komme. Aber Christianes Kochkünste wachsen einem schon ans Herz, wenn man sich vier Monate nur von Burger und Pommes ernährt hat.

Ich freue mich auf ein großes Bett mit einem Lattenrost, da meines hier grob geschätzt 95x200cm ist. Außerdem freu ich mich auf eine richtige Wohnung, wo man auch mal aufstehen muss, um etwas zu holen. Hier muss ich mich nur auf meinem Stuhl umdrehen – alles nur eine Armlänge entfernt; hat ja auch irgendwie was.

Ich könnte noch zahllose Dinge aufführen, die ich vermisst habe und auf die ich mich freue. Aber ich bin ja leicht zufrieden zu stellen. Solange mich Christiane am Montag in Düsseldorf am Flughafen abholt, bin ich glücklich. Der Rest ist dann Bonus.

Was ich zuhause vermissen werde:

Jetzt sitze ich gerade im „Dome Room“ der Rotunde und kann hab somit Zeit zu zweiten Teil zu kommen. Meine letzte Klausur ist gerade geschrieben und ich bin frei von Lernstreß. Zum Thema: Das Vermissen (im Bezug auf die UVa), muss dazu gesagt werden, ist in diesem Zusammenhang doch etwas anderes, als wenn ich hier an zuhause gedacht habe. Es ist eher ein „Ach Mist auch, das werd ich irgendwie vermissen“, im Gegensatz zu einem „Verdammte scheiße, ich vermisse dich so sehr“. Ich werde ein paar Leute vermissen, die ich hier kennen gelernt habe, die, bis auf Martin (den bavarischen Münsteraner) Amerikaner waren. Die Amis würde ich jedoch als sehr europäisch einstufen. Vielleicht habe ich mich genau deshalb mit ihnen gut verstanden. Der menschliche Part ist aber nicht der alleinige Hauptgrund, warum ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück blicken werde, wenn ich in zwei Tagen Charlottesville verlasse.

Es hört sich komisch an, aber am meisten fehlen wird mir Architektur. Ja, Architektur.

Wenn ich morgens zu einem Kurs ging war es wie ein Eintauchen in die akademische Geschichte. Nachdem ich mir einen Kaffee bei Starbucks geholt hatte ging es vorbei an der von Jefferson (3. Präsident der USA) designten Rotunde über den Lawn, vorbei an Edgar Allan Poe’s (one hell of a poet) Zimmer im akademischen Dorf, vorbei an Wodrow Wilson’s altem Büro (Präsident der USA zwischen den Weltkriegen), bevor ich die Statue von Homer passiere und meine Kursraum aufsuchte. Und all diese Kurse waren in wunderbaren Gebäuden, die nicht nur bei blauem Himmel (aber gerade dann) absolut klassisch aussehen. Der Kontrast von weißem Marmor und rotem Backstein ist ein so einfaches, wie geniales Konzept, um Geschichte lebendig erscheinen zu lassen. Manche Gebäude wurden erst vor dreißig Jahren gebaut (ähnlich wie auf dem Campus der Uni Dortmund), wurden aber den ursprünglichen Gebäuden der Uni nachempfunden und fügen sich daher nahtlos ein und machen das Gesamtkonzept der Uni aus.

Es ist ein tolles Gefühl über diesen Campus zu laufen. Es ist schiere Ehrfurcht, die man für dieser Institution, repräsentiert durch ihre Gebäude, empfindet. Ich glaub ich könnte der dümmste Mensch der Welt sein und ich würde mich trotzdem unglaublich intelligent finden – einfach nur, weil ich mein Butterbrot vor der Rotunde esse. Okay, das könnte vielleicht ein bisschen übertrieben sein, but I guess you get the point.

Des Weiteren werde ich die englische Sprache vermissen, die ich schon immer liebe, aber viel zu wenig spreche. Und Mum, dass heißt jetzt nicht, dass ich zuhause englisch sprechen werde. Da hab ich immer noch keinen Bock drauf. In Deutschland sprech ich deutsch, hier halt (meistens) englisch.

Ich werde auch die Kurse vermissen, die mir sehr viel gegeben haben. Ich fühle mich, als hätte ich etwas aufgenommen; nicht nur geschrieben, sondern wirklich in mein Gehirn aufgenommen. Leider ging das nicht so einfach – im Sinne von Kopf auf, Inhalt rein, Kopf zu. Ich habe viel lernen müssen, viel Arbeit gehabt und viele Kurse. Aber das war (zumindest meistens) nicht so schlimm, wie ich gedacht hätte. Manchmal hat es sogar richtig Spaß gemacht. Und das auf meinem Mund. Gut das ich bald wieder im „altehrwürdigen“ EF50 Gebäude an der Uni Dortmund bin, da kann ich mir dann selbst die Flausen wieder aus dem Kopf treiben.

Nein, mal ehrlich, ich glaube, dass ich etwas mitnehmen kann und werde. Und das macht mich mitunter stolz und glücklich. Denn so hat das Auslandssemester genau das erreicht, was ich schon aufgegeben hatte, als ich vor einem knappen Jahr meinen letzten Kurs an der Uni in Deutschland absolviert hab – zur Info, ich habe vor dem Auslandssemester ein sechsmonatiges Praktikum gemacht – ich habe wieder Lust auf universitäre Bildung. Das wird mein größter Gewinn sein, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Das und die Tatsache, dass meine Beziehung zu Christiane die Zeit hier „überlebt“ hat und wir zusammen weiter gehen können.

Nach dem letzten Final! Yeah, geschafft!Ich werde sicherlich in Deutschland noch ein längeres Resümee schreiben, aber für jetzt soll das reichen.

Das Foto hab ich übrigens direkt nach dem Verlassen des Raumes gemacht, in dem ich meine letzte Klausur geschrieben habe. Deshalb auch das freudige Gesicht.

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One Response to Vor- und Nachteile von hier und da

  1. Christian sagt:

    Ey. Der City-Grill hat zugemacht. Gerade entsetzt festgestellt.

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