StudiVZ: Kopiert und mit den selben Problemen

Jetzt kann ich mich dem Thema, dass die Blog-Szene im Moment durchgeistert auch nicht mehr wiedersetzen. Es geht um die Internetseite http://www.studivz.net.

StudiVZ ist eine Web 2.0 Plattform aus Deutschland. Als Student (für die es anfänglich gedacht war) und für andere junge Leute ist diese Seite eine tägliche Anlaufstation. Man kann Freunde hinzufügen, Gruppen beitreten und Nachrichten untereinander schreiben. Außerdem gibt es da noch das „Gruscheln“, eine Art und Weise ein nettes Hallo los zu werden, ein Zwitter aus den Worten „Grüßen“ und „Kuscheln“, zumindest meinem Verständnis nach – ich lasse mich gern korrigieren.

Die Idee der StudiVZ-Gründer ist nicht neu, viele gehen sogar davon aus, dass es sich bei StudiVZ.net um eine dreiste Kopie des amerikanischen Vorbilds „Facebook“ handelt, dass sich hier in den US immer größerer Beliebtheit erfreut, aber, ähnlich dem StudiVZ in Deutschland, auch immer mehr in die Kritik gerät.

In den USA benutzen Studenten ihre Uni-Mail-Adressen während ihrer Zeit an der Universität, in Deutschland ist das nicht so. Von daher konnte sich das StudiVZ nie so sehr abgrenzen, wie es Facebook in den USA getan hat. Aber selbst das US-Vorbild kann sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterhin nur den Akademikern dieser Welt öffnen und schaltete vor einem Monat auch alle anderen Adressen für die Anmeldung frei.

Die Idee von Web 2.0 ist das sogenannte „Socializing“, die Interaktion (im Vergleich zum normalen „nur-lesen“). User sollen sich unterhalten, Bilder einstellen, Kommentare schreiben, interagieren. Das diese Interaktion in vielen Fällen auch zu weit geht, zeigt die „Stalker“-Debatte, die um das Facebook-Portal geführt wird. Viele Studenten geben ihre vollen Adressen an und können so sehr leicht ausspioniert werden. Skandale, von denen StudiVZ bis jetzt verschont geblieben ist, gab es in den USA zudem, als heraus kam, dass sich Unis und Firmen Informationen über ihre Studenten/Bewerber aus dem Facebook holten.

Mittlerweile ist StudiVZ soweit, dass der „Stalker“-Ruf auch in Deutschland zu hören ist. Bestes Beispiel hierfür ist eine Gruppe, in der es darum geht, nette weibliche User zu suchen.

„Wer eine wirklich fotogene Frau im Studiverzeichnis gefunden hat, teile uns dies doch bitte mit. Bitte gebt Vor- und Nachnamen sowie die jeweilige Uni an. (link zur Gruppe)“

Viele werden jetzt sagen, dass man sich nicht so anstellen soll. Selbst die Gruppe bemitleidet sich selbst auf ihrer Gruppenseite.

Journalistische Kampagnen gegen das StudiVZ benutzen nun auch die Gruppe ***** als Spielball , um dem Blog ans Leder zu gehen. Beiträge hier wurden aus dem Zusammenhang gerissen und sehr negativ dargestellt, die Autoren wurden so schlecht verschleiert, dass man diese mühelos erkennen kann.

Bei Blogbar kann man die ganze Geschichte nachlesen und ich muss sagen, es ist schon ziemlich krass. Nicht nur, dass die meisten Sprüche tief unter der Gürtellinie platziert waren, Frauen wurden auch ahnungslos zu Miss Wahlen „angemeldet“ und „gemeinschaftlich“ von den Mitgleidern gegruschelt. Eine „Miss“ verließ daraufhin das StudiVZ, was nicht verwunderlich ist.

StudiVZ ist im Vergleich zu Facebook noch sehr jung, muss aber mit einem massiven User-Ansturm klar kommen. Als ich mich im Juli angemeldet habe, waren gerade mal 200.000 Studenten „eingeschrieben“. Mittlerweile hat die Seite die 1.000.000-Grenze geknackt – und kein Ende ist in Sicht.

StudiVZ ist in letzter Zeit immer wieder in die Schlagzeilen gekommen. So sehr, dass sich schon Spiegel Online dem Thema angenommen hat – und das will was heißen. Mitgründer Ehssan Dariani tut sich immer mal wieder durch seine „lustige“ Art hervor, wenn er privates und geschäftliches verbindet – meist in Form von kleinen Videos im StudiVZ angegliederten Blog. Diese Videos haben an sich nichts mit der Plattform zu tun, sondern werden von Dariani benutzt, um seine Person in den Vordergrund zu stellen.

Das Watchblog der FU Berlin sagt dazu:

StudiVZ kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Nachdem der Betreiber des Online-Studentennetzes, Ehssan Dariani, erst vor kurzem wegen seiner “Nazi-Satire” und Spanner-Handy-Foto-Shots in die Kritik geraten war, walzt sich nun ein weiterer Skandal um StudiVZ von der Blogosphäre ausgehend bis in die Mainstreammedien. (FUwatch)

Die Sicherheitslücken sind jedoch das eigentliche Problem der schnell wachsenden Seite. Über pubertierende Betreiber kann man ja noch hinweg sehen (man muss schließlich nicht das Blog lesen), wenn es aber um die Geheimhaltung persönlicher Daten geht, ist Vorsicht geboten. Blogs quer durch die Republik beschäftigen sich seit ein paar Tagen mit dem Thema, nachdem bekannt wurde, dass StudiVZ einem „Phishing“-Angriff zum Opfer gefallen war, scheinbar ohne großartige Abwehrmechanismen eingeleitet zu haben, oder haben zu können.

Parallel dazu schwelt ein “Dauer-Skandal” um die fragwürdige Datenschutzpolitik von StudiVZ. Sicherheitsmängel erlauben den Zugriff auf private Daten der Benutzer (…). Wie heise Security (…) berichtete war StudiVZ am 27.11. offenbar von 12 Uhr bis zum Abend komplett offline. Grund war eine Phishing-Attacke, mit der die Angreifer sich Zugriff auf die Daten der StudiVZ-Nutzer zu verschaffen versuchten. Laut StudiVZ waren 32 Nutzer direkt betroffen. Um weiteren Datenklau zu vermeiden, wurde die Seite dann einfach komplett offline geschaltet. (FUwatch)

Für Leute, die noch weiter lesen wollen, hier einige Links zu den Blog-Artikeln und Spiegel online:

StudiVZ – Der Hitler-Screenshot und der Käufer Facebook (Blogbar)

StudiVZ gruschelt sich immer tiefer in den Sumpf (FUwatch)

StudiVZ: 700 Stalker und der Datenschutz (Blogbar)

StudiVZ: Heise Online mit diversen Updates (Beta2)

StudiVZ: Sicherheitsbedenken sind mehr als begründet (Beta2)

StudiVZ: Home of Stalking? (Customer of Hell)

Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf (Spiegel online)

Sex-Stalker im Studentennetz (Spiegel online)

UPDATE: Wie Deutschlands heißestes Start-Up vor die Wand fährt. (Die Welt)

DerGerechtigkeit halber sollen aber auch die Gründer von StudiVZ zu Wort kommen:

StudiVZ Blog

Interview bei Spiegel online

Mein Tipp wäre zudem, nicht zuviele persönliche Details im StudiVZ bekannt zu geben, gerade sensible Informationen wie die E-Mail Adresse oder Handynummer haben dort wirklich nichts zu suchen. Und auch ICQ und Skype werden gerne mal benutzt, um Leute zu belästigen. Da StudiVZ eine Nachrichtenfunktion und die allseits beliebte Pinnwand besitzt, sollten keine weiteren Kommunikationswege von Nöten sein.

Für Leute, die ganz sicher gehen wollen, dass ihre Daten nicht missbraucht werden, wäre noch zu empfehlen, den StudiVZ-Account zu löschen.

Aber selbst da gibt es mittlerweile Zweifel, ob der Account dann wirklich „weg“ ist, oder nur irgendwo auf Halde liegt und nur darauf wartet, in irgendeiner Weise ausspioniert oder missbraucht zu werden.

Es bleibt spannend im Web 2.0! Mal sehen was noch kommt.

Advertisements

One Response to StudiVZ: Kopiert und mit den selben Problemen

  1. calendario 2005

    studivz: kopiert und mit den selben problemen « auslandssemester …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: