Virginia macht es spannend

Ja, es ist spät und ja, ich sollte entweder im Bett liegen und von meinem Schatz träumen, oder zumindest hier am Laptop sitzen und an meinem Paper über die Berliner Luftbrücke arbeiten, aber manchmal ist Aktualität einfach so unglaublich wichtig, dass man alles andere stehen und liegen lassen muss, um etwas kund zu tun: Virginia macht es spannend.

Außerdem macht es auch noch Montana spannend, aber da wohn ich zur Zeit nicht, also erst später dazu mehr. Zurück zum Thema: In Virginia wird sich vielleicht das Rennen um den letzten Platz im Senat und damit eine Mehrheit für eine der beiden Parteien enscheiden.

Im Moment (4:26 Eastern Standard Time) liegt der Demokrat James Webb hauchdünn vor dem Republikaner George Allen. Hauchdünn heißt in diesem Zusammenhang, dass Webb zur Zeit mit knapp 7.847 Stimmen vorne liegt, bzw. (nach CNN-Angaben) mit 50 zu 49%. Das könnte sehr eng werden.

In Montana ist es noch etwas enger, auch dort liegt ein Demokrat namens Jon Tester nur 3.293 Stimmen vor dem GOP-Kandidaten Conrad Burns.

Der Hauptunterschied zwischen den beiden States ist jedoch, dass in Virginia schon 99% der Stimmen ausgezählt sind, in Montana nur 83%. Das sieht jetzt erst mal so aus, als können in Virginia gar nichts mehr passieren, in Montana aber noch eine ganze Menge. Das ist so nicht ganz richtig.

Gehen wir von einer durchschnittlichen Wahlbeteiligung von 50% aus, dann haben im Bundesstaat Virginia (7.2 Millionen Einwohner, also ca. 5 Millionen Wahlberechtigte) 2.5 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben. 99% der Stimmen sind schon ausgezählt, also fehlen noch gut 25.000 Stück.

In Montana hingegen, dem dünnbesiedelsten Bundesstaat der USA, leben 909.000 Menschen. Auch hier ziehen wir ca. 1/3 ab und sind somit bei ca. 600.000 Wahlberechtigten. 50% davon haben ihre Stimme abgegeben. Also 300.000. Von diesen Stimmen sind schon 83% ausgezählt, es fehlen als noch 17% – oder in anderen Worten/Zahlen: 51.000 Stimmen.

Im Endeffekt (wenn meine Rechnung sich mit den eigentlichen Zahlen deckt) sind in Montana noch doppelt so viele Stimmen auszuzählen, als in Virginia. Schon sieht der Unterschied zwischen einem Prozent und 17% nicht mehr ganz so groß aus.

Sollten beide States an die Demokraten gehen (was ich doch schwer hoffen will, schließlich hab ich einen Aufkleber von Webb getragen), würde nicht nur die Mehrheit der Sitze im House of Representatives an die Demokraten fallen, sondern auch der Senat. Und das würde George W. Bush zu einer „lahmen Ente“ machen, wie gestern die „Tagesschau“ und das „heute journal“ verkündeten. Dann wären die letzten zwei Bush-Jahre ziemlich mühseelig für George, weil die Legislative (Senat etc.) immer wieder gegen ihn stimmen könnte (und wahrscheinlich würde). Also ist ein Schmusekurs angesagt, was bei Bush mit ziemlicher Sicherheit eine gewisse Kurskorrektur beinhalten wird.

Die „NY Times“ nennt übrigens die gleichen Zahlen wie cnn.com. Und auch zwanzig Minuten nachdem ich diesen Beitrag angefangen habe, hat sich auf cnn noch nichts an den Zahlen geändert. Es bleibt spannend.

EDIT: Ich lag ja sowas von richtig mit meiner Wahlbeteiligungsprognose. Ich hatte 2.5 Millionen abgegebene Stimmen in Virginia geschätzt. Die „Washington Post“ spricht von 2.3 Millionen, sagt jedoch, dass schon 99.8% der Stimmen ausgezählt sind.

Edit II (11:26 ET): Beide Demokraten führen noch, in Montana sind die Stimmen jetzt auch zu 99% ausgezählt und in Virginia wird schon lautstark von einem „Recount“ der Stimmen gesprochen, den die Verfassung von Virginia dem Verlierer zuschreibt, wenn er/sie mit weniger als einem Prozent Unterschied verloren hat. Siehe hierzu cnn.com (Video).

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