Der Präsident am Telefon

Heute sind Midterm-Wahlen in den USA. Die meisten Prognosen sehen die Demokraten vorne, es könnte sein, dass Georg W. Bush heute seine Mehrheit im Congress verliert – was eine Weiterführung seiner Politik in den letzten zwei Amtsjahren sehr erschweren würde.

Der George sitzt also jetzt ins einem ovalen Büro und denkt drüber nach, was er macht, wenn die Demokraten genug Sitze ergattern können, um seiner Politik einen deutlichen Dämpfer geben zu können. Aber was denkt er wirklich? Mit wem redet er über seine Gedanken? Wer hält in dieser schweren Zeit zu ihm, wer spricht deutliche und (da er der Präsident ist) wahrscheinlich weniger deutliche Worte gegen ihn?

Das Präsidentenamt ist ein Kommunikationsjob, vieles läuft über die sicheren und ungesicherten Leitungen dieser Welt, selbst Kriege können am berühmten „roten Telefon“ entschieden werden.

Was George sich heute denken wird, worüber er mit seinen Vertrauten reden wird, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Wenn überhaupt wird es einige Jahrzehnte dauern, bis die Aufnahmen dieser Gespräche deklassifiziert und herausgegeben werden. Außerdem ist unklar, ob die Gespräche im Weißen Haus, sei es am Telefon oder im Oval Office überhaupt aufgezeichnet werden.

Das war nicht immer so. Von Roosevelt über Eisenhower bis hin zu Nixon (wobei Nixon den absoluten Höhepunkt darstellt) wurden die Gespräche des Präsidenten aufgezeichnet. Im Fall Nixon auf seinen Wunsch hin, manchmal aber auch ohne Genehmigung von höchster Stelle. In den letzten Jahren sind diese sogegannten „White House Tapes“ veröffentlicht worden. Vor dem Watergate-Skandal hatte Nixon noch gesagt, dass die Aufnahmen nie die Öffentlichkeit erreichen würden, da sie top secret Informationen beinhalteten – diese ach so geheimen Information (wie wir im Nachhinein wissen) hatten viel mit seiner Verwickelung in den Einbruch in das Watergate Hotel in Washington zu tun, ein Skandal, der ihn letztendlich das Amt kostete.

Hier am Miller Center des University of Virginia ist ein ganzes Team damit beschäftigt die Tapes auszuwerten und sie nach zeitlichen und inhaltlichen Gesichtspunkten zu ordnen. Viele Gespräche gibt es sogar mit Transcripts, da die Tonqualität des White House Tapes leider oft sehr zu wünschen übrig lässt.

Wir können zwar nicht wissen, was George W. Bush heute denkt, wir können aber hören, was Nixon in Gesprächen über den Watergate-Skandal sagte, wie Roosevelt mit hohen Army-Offizieren über den Ausgang des Krieges spekulierte und wie Lydon B. Johnson sich neue Hosen bestellt – und dabei mehr als einmal von seinen Eiern redet und der Notwenigkeit, dass die genug Luft zum „baumeln“ haben.

Das Archiv der „White House Tapes“ ist unglaublich umfangreich und wächst ständig, da immer wieder neue Tapes herausgegeben werden. Wenn man sich aber erst einmal mit dem Suchsystem angefreundet hat, kann man so einiges an Tagespolitik, die die Welt verändert und erschüttert hat, mit erleben und sehen, dass Politik nicht immer das ist, was sie in den Medien vorgibt zu sein.

whitehousetapes.org

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: