Apfelernte

Äpfel sind gesunde Biester – meistens. Die einen mögen die grünen lieber, die anderen schwören auf den knackigen Biss der roten Exemplare. Viele finden auch Karamel-Äpfel gut, wobei die dann nicht mehr gesund sind. Dann wiederum – und hier zähle ich mich dazu – gibt es Leute, die auf die weißen, die schwarzen, und bei ausreichendem Budget, auch auf die silbernen Äpfel stehen.

Also ich bin absoluter Verfechter der weißen Äpfel, egal ob tragbar oder auf dem Schreibtisch, egal ob in der Hosentasche oder am Oberarm. Nun ist es aber so, dass man manchmal einfach über seinen Schatten springen muss; mal fünfe gerade sein lassen muss; sich mal aus dem Fenster lehnen sollte, um zu sehen, was es noch so anderes gibt. Also bin ich seit gestern stolzer Besitzer eines kleinen silbernen Apfels. Ich muss sagen, dass das Ding wirklich der mit Abstand kleinste Apfel ist, den es je gab und trotzdem kann man bis zu zwölf Stunden Spaß damit haben.

Das diese Äpfel nicht an Bäumen wachsen, sollte jedem mittlerweile klar sein, allein schon der Preis gibt genug Auskunft darüber. Aber das es einige (z. B. den neusten und kleinsten) nicht in Charlottesville gibt, ist schon ein Ding. Die anderen Äpfel findet man so ziemlich überall, in jedem spezialisierten Laden hängen sie in zig Ausführungen – nur leider nicht in der kleinsten.

Im Endeffekt hielten Martin und ich aber dann doch unsere beiden Äpfel in Händen – nicht ohne vorher 100 Kilometer gefahren zu sein, um sie zu kaufen. Aber was sind schon 100 Kilometer in Amerika? Ein Katzensprung.

Aber mal von vorne: Martin wollte sich einen iPod kaufen (für die ältere Generation, die noch über die weißen Äpfel nachdenkt: Apple ist der Hersteller von iPods und Computern, die es meist in weiß, schwarz oder silber gibt). Und so kaufte sich Martin einen iPod, genauer gesagt einen 80 Gigabyte fassenden iPod für knapp 375 Dollar (ca. 312 Euro, der selbe iPod kostet in Deutschland 379 Euro). Auf diesen Player passt eine gesamte Musiksammlung, aber er ist ziemlich klobig und nicht allzu leicht. Daher entschloss sich Martin gleich noch einen zweiten, kleineren iPod zu kaufen. Wenn schon, denn schon.

Wie gesagt gab es in Charlottesville keinen Laden, der den neuen „iPod shuffle“ schon im Programm hatte – nicht verwunderlich, denn der MP3-Player war am selben Tag auf den Markt gebracht worden. Nachdem wir in vier verschiedenen Elektronik-Geschäften nachgefragt hatten, waren wir uns sicher, dass es nur eine Lösung für unser Problem gab: einen Apple-Store.

Um es kurz zu machen: Charlottesville ist einfach nicht groß genug um einen eigenen Apple-Store zu haben, also mussten wir kurzerhand nach Richmond fahren – 100 Kilometer eine Das Tour-PlakatStrecke, aber was macht man nicht alles, um als einer der ersten den neusten iPod zu besitzen. Nach dem Rudertraining (also Martin’s Training) ging es dann auch prompt los, der Jeep wurde über die Interstate gejagt und offenbarte plötzlich Schwächen. Im höchsten Gang begann der Motor bei mehr als 3.500 Umdrehungen pro Minute zu stottern und man fiel wieder unter die 3.500-Marke. Komisch, dachten wir uns, aber egal, 65 mph waren trotzdem locker drin. Außerdem ging es nicht um den Jeep (der uns übrigens weniger hat als Martins zwei iPods), sondern um die Äpfel.

Short Pump MallNach ungefähr einer Stunde kamen wir in Richmond an (übrigens die Landeshauptstadt von Virginia) und fuhren von der Interstate an der „Short Pump Mall“ ab, einem riesigen Einkaufszentrum, in dem wir fünfmal auf den Lageplan gucken mussten, um uns zurecht zu finden. Wir irrten also zwischen den ganzen Geschäften umher und plötzlich leuchtete in einiger Entfernung unser ganz persönlicher „Stern zu Bethlehem“ auf – das weiße Apple-Logo über dem Eingang zum Apple-Store.

Apple Store innenWie die heiligen drei Könige (minus Weihrauch und minus den dritten Mann) zogen wir in die heiligen Hallen ein und waren erschlagen von Macbooks, Mac minis, iMacs, iPods und allem erdenklichen Zubehör. Es ist für Aussenstehende schwer nachvollziehbar, wie wir uns gefühlt haben. Nur um eine Vorstellung unserer Verzückung zu bekommen, kann man gleich bei den drei Königen bleiben: die haben sich wahrscheinlich so gefühlt, als sie Jesus zum ersten Mal sahen.

Ich hab mal gelesen, dass Apple-Stores fast schon wie Touristen-Atrraktionen Apple Store in der Short Pump Mall in Richmond, Va.gehandhabt werden, Leute machen Fotos, gucken sich die Ausstellungsstücke an und kaufen dann was im Gift-Shop (engl. für Museums-Laden). Martin kaufte sich also den neuen „iPod shuffle“ und irgendwie muss mir auch Geld aus der Tasche in die Hände des Verkäufers gerutscht sein, denn plötzlich hielt auch ich einen kleinen shuffle in der Hand. Und was ein süßes Teil diese Winzling doch ist:

 

www.apple.com // all rights reserved

Ein Gigabyte Speicher, zwölf Stunden Batterie und einen Clip zum Tragen am Hemdkragen oder sonst wo. Und das alles nur für 79 Dollar, wovon Martin 25 bezahlte, weil er die mir noch schuldete, da ich ihm meinen gewonnenen Gutschein für den großen iPod überlassen hatte.

Und so ging es dann wieder mit 65 mph zurück auf die Interstate Richtung Charlottesville – nicht ohne den obligatorischen Starbucks-Chai-Tea-Latte im Pappbecher.

Zwei Bekloppte mit der ErnteResümee des Tages: Apple hat sich an uns (vor allem an Martin) eine goldene Nase verdient. Insgesamt gingen für drei MP3-Player knapp 550 Dollar drauf, Sprit nicht eingerechnet. Aber wir haben nicht nur Geld ausgegeben, sondern auch was gelernt. Jawoll, gelernt.

 

In einem Land, in dem man von Küste zu Küste mindestens zwei Wochen mit dem Auto fährt sind 100 Kilometer wirklich ein Katzensprung. Kein Wunder also, dass wenn Amerikaner sagen, etwas sei „in der Nähe“, dass man mindestens eine Stunde Fahrt einkalkulieren muss. Aber eine Stunde auf der Interstate in den Ledersitzen eines Jeep Wagoneers mit der Musik vom iPod ist fast wie im Wohnzimmer – nur schneller.

Alle Fotos des Tages wie immer im Flickr-Album.

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2 Responses to Apfelernte

  1. Mum sagt:

    And where do they sell SELF-CONTROL and CONTROL OVER ONE’S FINANCES in the land of limitless shopping possibilities???

  2. Katze sagt:

    THAT store is about 300 Miles away. It´s still nearby, but compared to 100 miles, to big an effort 😉

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