Entdecke die Möglichkeiten

Ich bin jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten hier an der University of Virginia in Charlottesville. Zwei Monate sind eine lange Zeit, vor allem wenn man seine Freundin nicht dabei hat, seine Familie und Freunde nicht sehen kann.

Glücklicherweise leben wir aber im Kommunikationszeitalter. Kommunikation, wird jetzt mancher sagen, ist ja schön und gut. Da aber mehrer tausend Kilometer zwischen den USA und Deutschland liegen, kann das Ganze ja nicht so günstig sein. Das ist wahr, aber auch wieder nicht wahr.

Ich hab mal eine Liste der Möglichkeiten zusammengestellt, die mir die Kommunikation mit meinen Leuten zuhause ermöglichen. Die Auswahl geht von umsonst bis hin zu ziemlich teuer.

Skype

Ohne Skype wäre das Auslandssemester für mich ungleich schwerer. Ohne Skype wäre es vielleicht sogar ziemlich aussichtslos. Für alle, die noch nichts von Skype gehört haben, hier eine kurze Erklärung: Skype ist eine sogenannte VoIP-Software, die es einem ermöglicht kostenlos mit anderen Sskype.com // all rights with skype.comkype-Teilnehmern zu telefonieren. Die neusten Versionen für PC und Mac bietet zusätzlich die Möglichkeit eine Webcam anzuschließen, damit man sich beim telefonieren sehen kann – und das macht das ganze zu einer der besten Arten mit den Liebsten zuhause zu reden. Denn die Stimme des Gegenübers zu hören ist schon sehr schön. Wenn man dann noch das Gesicht sehen kann, ist es fast, als sei man da. Videotelefonie ist eine der genialsten Erfindungen, wenn man für ein Semester ins Ausland geht.

Zudem bietet Skype die Möglichkeit von seinem Computer aus jedes Handy und jeden normalen Festnetzanschluss anzurufen. Leider ist dies nicht kostenlos (zumindest außerhalb der USA) und man muss sein Konto über die Kreditkarte oder PayPal aufladen. Wenn ich aber von hier aus Christiane auf dem Handy in Deutschland anrufe kostet mich das knapp 20 Cent die Minute. Das würde ich auch zahlen, wenn ich ein Handy mit Prepaid-Karte in Deutschland hätte.

Vorteile: Videotelefonie, Dateien versenden, kostenlos, Anrufe zu normalen Telefonen gegen geringe Gebühr
Nachteile: Mikro/Webcam werden benötigt

ICQ/AIM/MSN etc.

Programme wie ICQ, der AOL Instant Messenger oder MSN sind auch ganz nett, können aber Skype in ihren Funktionen nicht übertreffen, ja noch nicht mal heranreichen. Das heißt nicht, dass man diese Programme nicht haben sollte. Skype hat zwar auch eine Chatfunktion, ICQ eignet sich zu diesem Zweck aber deutlich besser. Aber wer will denn schon chatten, wenn man telefonieren und sich sehen kann? Also ich nicht.

Vorteile: chatten kann Spaß machen; mehrere „Gespräche“ parallel
Nachteile: unpersönlich

Jajah.com

Jajah.com ist eine von vielen Seiten im Netz, die es einem mittlerweile ermöglichen kostenlos von Festnetz zu Festnetz überall auf der Welt zu telefonieren. Bei Jajah muss man sich einmalig anmelden und kann dann mit anderen Jajah-Nutzern kostenlos telefonieren. all rights reserved by jajah.comDer einzige Nachteil ist dabei jedoch, dass man nur eine Stunde am Tag zur Verfügung hat – danach kostet jeder Anruf von Festnetz zu Festnetz 2 Cent. Auch noch ganz günstig eigentlich, oder? Gespräche ins deutsche Handynetz kosten 19,5 Cent. Jajah eignet sich perfekt, um dem Freund/der Freundin gute Nacht zu sagen, wenn er/sie schon im Bett liegt.

Man selbst muss jedoch zumindest noch den Computer angeschaltet und online haben, denn um über Jajah telefonieren zu können, muss man sich unter jajah.com einloggen und die Verbindung herstellen. Sobald man das gemacht hat, schellt das Telefon. Man nimmt ab und hört eine Stimme sagen: „Jajah is connecting your call“, ein paar Sekunden später schellt das Telefon des Freundes/ der Freundin und man kann kostenlos telefonieren – zumindest eine Stunde lang.

Vorteile: kostenlos telefonieren bzw. sehr günstig telefonieren
Nachteile: ein Teilnehmer muss online sein, nur eine Stunde kostenlos

E-Mail

Der Klassiker. Als ich vor 1998 in den USA an der High School war, habe ich mir meine erste E-Mail Adresse zugelegt, meine Gastfamilie hatte einen AOL-Account all rights reserved by thinkquest.orgund ich für kurze Zeit die Adresse coyote5881@aol.com. Wieso coyote? Weil mit absolut nichts einfiel, was ich als Adresse benutzen konnte – das ganze Prinzip einer E-Mail war mir zu dem Zeitpunkt noch schleierhaft. Jetzt, acht Jahre später, ist elektronische Post ein Teil des alltäglichen Lebens geworden, vor allem, wenn man an einer amerikanischen Uni studiert.

Ohne eine E-Mail Adresse würde man hier absolut nichts hin bekommen. E-Mail eignet sich natürlich auch für den Kontakt nach Hause, vor allem, wenn man etwas auf dem Herzen hat und nicht direkt Kontakt aufnehmen kann (bei sechs Stunden Zeitunterschied ist das öfter der Fall). Zudem kann man bei E-Mails auch wieder Anhänge dran packen, z.B. Bilder des letzten Ausflugs. Wobei ich hierfür flickr.com empfehlen würde.

Vorteile: schneller als ein Brief; man kann schwierige Sachverhalte erklären
Nachteile: keine „Unterhaltung“, unpersönlicher als ein Brief

SMS

Ich als Europäer bin ja so ein SMSer. Auch wenn SMS mittlerweile mehr als doppelt so teuer sind wie als sie eingeführt wurden, versende ich sie weiterhin. Und mit mir ganz Europa, vor allem Deutschland. In Amerika wird darüber gelächelt, ich hab schon öfter die Frage gestellt bekommen, ob wir verlernt hätten, miteinander zu reden – dazu sei gesagt, dass in den USA viel mehr vom Handy telefoniert wird als in Deutschland. SMS werden nur im Ausnahmefall benutzt – eher schon wird das Voicemail-System angewendet, eine Art Anrufbeantworter, bzw. die gute alte Mobilbox.

SMS von meinem deutschen Handy (T-Mobile), welches ich hier in den USA auch benutze, nach Hause zu schicken (auf ein T-Mobil-Handy) kostet mich knapp 70 Cent pro SMS. Daher sollte man das heimische Handy nur in Ausnahmefällen zum SMSen benutzen. Besser sind da web-basierte SMS-Dienste, wie z.B. bei den großen E-Mail-Anbietern web.de oder GMX. Im Fall von web.de kann man (wieder per Kreditkarte) webpointscents aufladen und dann SMS verschicken. Jede Nachricht kostet dann nur 15 Cent und man bekommt eine Bestätigung per E-Mail, dass die SMS versendet wurde. Zudem gibt es verschiedene Tools (für Mac und PC), die es einem ermöglichen direkt vom Desktop aus (oder dem Dashboard beim Mac) die SMS über web.de oder GMX zu verschicken, ein einloggen beim E-Mail-Anbieter entfällt also komplett – solange man mit dem Internet verbunden ist.

Vorteile: SMS überall auf der Welt günstig wie zuhause, Eingabe direkt über Desktop/Dashboard, Adressbuch
Nachteile: Computer mit Internetanschluss wird benötigt

Handy

Internationale Gespräche von Handy zu Handy sollte man vermeiden, egal ob beide beim selben Anbieter sind, oder nicht. Dabei können die Kosten sehr schnell explodieren – Minutenpreise um die 1.50 Euro sind keine Seltenheit. Oft muss man auch (wenn man im Ausland ist) für angenommene Gespräche bezahlen. Also davon lieber die Finger lassen.

Vorteile: mobil erreichbar, weltweit
Nachteile: schweineteuer

Telefonkarten

Da hab ich ehrlich gesagt aufgrund von Skype etc. wenig Erfahrung mit. Ich habe aber gehört, dass es, wenn man die richtige Karte hat, auch sehr günstig sein kann. Tipps zu Telefonkarten in den USA gibt es hier, auch zur Benutzung dieser Karten, die ne Wissenschaft für sich ist.

Vorteile: Telefonieren von jedem Telefon aus; günstig
Nachteile: umständliche Nummerneingabe; Gespräch bricht einfach ab, wenn das Guthaben weg ist

Brief

Was gibt es schöneres als einen Brief zu erhalten. Handgeschrieben, vielleicht sogar parfümiert. Das schöne an Briefen ist Briefkastenzudem, dass sie Kleinigkeiten enthalten können, wie z.B. ein „echtes“ Foto, dass man sich an die Wand hängen kann. Natürlich muss man hier sagen, dass der Brief vom Aufwand her intensiver ist als die E-Mail oder eine SMS, aber genau das ist ja auch das Gute daran.

Wenn man eine E-Mail bekommt, ist man leicht dazu verleitet zu denken: „Ah, Person X hatte also ein paar Minuten nix zu tun und hat mal eben ne Mail geschrieben.“ Wenn man hingegen einen Brief (oder auch nur eine Postkarte) erhält, denk man: „Da hat sich jemand Mühe gegeben, etwas Zeit geopfert und scheint mich zu mögen.“ Ausnahmen – wie Briefe, in denen Schluss gemacht wird -gibt es natürlich immer. Aber selbst da ist es persönlicher als eine E-Mail, oder, Gott bewahre, eine SMS.

Vorteile: man hält etwas in Händen; altmodisch; aufwendiger als E-Mail; günstig (84 Cent USA-D)
Nachteile: dauert lange (oder kostet mehr, wenn Eilpost)

Paket

Pakete sind was tolles, denn sie bieten Dinge, die man anfassen kann. Ein Brief ist ja schön und gut, aber im Endeffekt sind es auch nur Worte. Ein Paket hingegen sind Taten. Jemand hat etwas gekauft, gebastelt, gemalt oder geklaut (soll es auch geben) und es einem zugeschickt – mit einer ganz bestimmten Absicht. Oft ist diese Absicht die Erinnerung an zuhause oder die Erinnerung an eine Person daheim, manchmal aber auch einfach eine Geste, um einem zu zeigen, dass man nicht vergessen worden ist.

Selbst wenn man ein Paket selbst bestellt hat, ist es toll, wenn der Postbote es vorbei bringt – das ist, meiner Meinung nach, auch die Erklärung für die riesigen Erfolge, die eBay seit seiner Gründung verbuchen kann – jeden Tag kann mit eBay Weihnachten sein. Und wenn man im Ausland ist, dann ist es wirklich wie Weihnachten, wenn man ein Paket mit Dingen von zuhause bekommt, z.B. eine Uhr, die auf deutsche Zeit eingestellt ist, oder ein Daumenkino, das einen küsst, wenn man es durchblättert. Natürlich ist das alles nicht kostenlos, vor allem nicht, wenn es sich um internationale Pakete handelt. Aber ein Paket kann manchmal mehr bewegen als 1000 E-Mails.

Vorteile: echte Gegenstände können versendet werden; jedesmal wie Weihnachten
Nachteile: teuer; dauert lange

Möglichkeiten zur Kommunikation gibt es also genug. Und egal wo man auf der Welt ist, die Freunde und Bekannten zuhause sind nur einen Anruf, eine Mail, einen Brief entfernt. Das sollte man nie vergessen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Man selbst freut sich ja auch über jede einzelne Aufmerksamkeit, die einem zukommt.

Oh, bevor ich das vergesse: ein Blog ist übrigens auch eine hervorragende Methode „in touch“ zu bleiben. Durch die Kommentar-Funktion kann daraus sogar beidseitige Kommunikation werden – und hier winke ich bewusst mit dem Zaunpfahl.

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2 Responses to Entdecke die Möglichkeiten

  1. Christian sagt:

    Das hab ich nicht verstanden, mit dem Zaunpfahl, was meinst du denn?

    Geiler Protokoll-Witz, übrigens…

  2. Jan sagt:

    Ach, Komander:
    Ich liebe deine Seite.
    Du brauchst mir später in Dortmund nichts mehr zu erzählen.
    Mein Problem ist nur: Je mehr ich lese, desto mehr habe ich ebenfalls Bock auf’s Ausland. Ich hab‘ leider nicht mehr die Möglichkeit eines Auslandssemesters.
    Ich hätte es das Studium dahingehend besser nutzen sollen. Oder zumindest ein paar Wochen Urlaub am Stück, wie der feine Herr Zett.

    Also, liebe Studi-Kollegen: Nutzt das schöne Studium nicht nur zum Saufen. Seht zu, dass ihr mal für mehrere Wochen das Land verlasst.

    Sonst seit ihr Medien-Leute, Städtebauer, Ingenieure oder Lehrer, habt nix von der Welt gesehen und bekommt ab Mitte 30 mit Frau und Kind nichts mehr gebacken.

    Höchstens noch ein schönes Häuschen. Und das ist ja auch nicht zu verachten.

    Ball hoi
    Jan

    P.S.:
    Ich hab’s: Ich beantrage ich ein Sabbatjahr: 7 Jahre bei 6/7tel-Gehalt und das 7. Jahr frei (geht auch mit drei Jahren)! Super! Ich bin wieder am Leben!

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