Alle Tage wieder

Martin, mein Mitstreiter im „Abenteuer“ Auslandssemester, hat mich auf die Idee zu diesem Eintrag gebracht. Besser als mit den Worten, die er an seine Leser (wie sich das anhört – verrückt!) richtet, kann ich nicht anfangen:

Warum schreibt ihr kein Blog eurer Erlebnisse? Schließlich möchte ich ja auch an jenen Ereignissen teilhaben. Die Antwort ist so einfach, wie einleuchtend. Weil es “nur” der allgemeine Alltag ist. So ist es hier aber auch.

Das soll hier keine Rechtfertigung sein, warum ich lange nichts geschrieben habe. Wobei… irgendwie doch.

Es ist nach jetzt ziemlich genau zwei Monaten in Charlottesville nicht mehr so einfach, etwas Neues, etwas Spannendes auf dem Ärmel zu zaubern, denn die Tage fangen an sich zu gleichen.

Man reißt nicht mehr die Augen auf, wenn ein Auto in der Größe eines Kleinlastwagens vorbeifährt, man ärgert sich nicht mehr über teuren Lebensmittel, man bleibt nicht mehr ehrfürchtig stehen, wenn man über den „Lawn“ geht und die altehrwürdige Jeffersonische Rotunde im Sonnenlicht funkeln sieht. Ebenso regt man sich auch nicht mehr auf, wenn es wieder nur Burger und Pizza in der Mensa gibt, man hat sich damit abgefunden, dass man jede Woche zwei bis drei Bücher lesen muss, man (und hier hab ich jetzt schon Angst vor Deutschland) ärgert sich mit den Amerikanern, dass der Sprit schon wieder teurer geworden ist – 2.11 $ für 3.5 Liter Sprit (unverschämt!) und mittlerweile ist es einem auch ziemlich egal, ob man beim Bierkauf nach dem Ausweis gefragt wird.

Ich bin angekommen und der Montag ist der Montag, an dem ich zwei Kurse habe und dann mit der „Blue Route“ nach Hause fahre. In meinem Zimmer angekommen schmeiße ich meinen Laptop an und versuche meinen Schatz zuhause zu erreichen. Dann irgendwann abends geh ich ins Gym und spiele Basketball oder stemme Gewichte.

Dienstag ist Dienstag, an dem ich erst einen Kurs habe, dann zum Fußball gehe und dann noch einen Kurs habe. Die Zwischenzeit verbringe ich im Gym. Danach nehme ich wieder die „Blue Route“ und fahre nach Hause. Da es schon etwas später ist, bin ich müde, aber froh mit Christiane meinen Tag zu bequatschen und sie dann „ins Bett zu schicken“ (auf eine nette Art und Weise natürlich).

Und so geht es halt weiter. Mittwoch ist eine Kopie von Montag, Donnertag eine Kopie von Dienstag (mit dem Unterschied, dass ich früher aufstehen muss) und Freitag ist dann auch ziemlich monoton – ein ganz normaler Freitag halt. Samstag und Sonntag bieten einem nach zwei Monaten dann auch nicht mehr die Highlights – Charlottesville hat halt nur 40.000 Einwohner und knapp acht Kneipen. Das Football-Team verliert gerne mal, selbst wenn sie noch zur Halbzeit mit 20 Punkten vorne lagen und im Gym trifft man am Wochenende auch die gleichen Leute, die während der Woche da sind.

Wenn ich mir das noch mal durchlese hört sich das ziemlich trist an; ist es aber gar nicht. Es ist halt Alltag. Es ist auf keinen Fall langweilig und man lernt jeden Tag etwas Neues kennen – nur leider ist dieses Neue nicht mehr spannend. Es hat auch etwas Gutes, wenn man angekommen ist, wenn man sich eingelebt hat. Man fühlt sich unter Seinesgleichen, was bei Amerikanern schier unmöglich scheint. Und daraus kann man lernen, dieses Wissen hilft einem auch später im Leben weiter, wenn man wieder zurück ist und sich in Deutschland über den teuren Sprit ärgert. Nur leider gehen mir auch deshalb ein bisschen die Ideen aus, vor allem weil mit im Moment eher politische Theorien und die Geschichte Berlins (gezwungenermaßen) im Kopf rum schwirren. Midterm Madness halt.

Ein Wundermittel gibt es aber, auch wenn es noch knapp drei Wochen weg ist: Christiane landet am 9. November in Washington und wird, da bin ich mir sicher, für Abwechslung Sorgen, in meinem Alltag als auch im Blog (und nein, liebe Eltern, ich werde deshalb nicht Uni schwänzen oder ähnliches). In den knapp drei Wochen, die sie hier ist, haben wir einiges vor und ich kann vielleicht noch mal die Begeisterung auspacken, die ich zu Beginn meines Aufenthaltes hier erlebt habe. Denn es gibt eine Sache, die schöner ist, als Dinge zu entdecken – zumindest für mich; und das ist sie Christiane zu zeigen.

Dann werde ich auch sicherlich wieder über riesige Autos lachen und die Rotunde bewundern, nicht weil es neu für mich ist, sondern weil ich die Freude sehen kann, mit der meine bessere Hälfte die Dinge an meiner Seite wahrnimmt.

Das wird sich auch in der „Berichterstattung“ niederschlagen, davon bin ich fest überzeugt. Und über unseren Aufenthalt in New York werde ich dann ein Buch schreiben – mindestens – versprochen.

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