Mid-Term Madness

Mid-Terms hatte ich das letzte Mal in der Schule, als man noch mehrer Klausuren im Halbjahr schreiben musste. Hier in den USA, wo man, um einen Schein bzw. Credits zu bekommen, mehr machen muss als in Deutschland, gibt es diese Halb-Semester-Klausuren auch an der Uni – und die meisten davon haben sich gewaschen, bzw. bieten einen guten Ausblick auf die Klausuren, die Mitte Dezember auf mich zu kommen.

Ich schreibe nächste Woche zwei Mid-Term Exams, eine ganz normale Klausur in meiner History-Vorlesung (also eine, bei der man eine Stunde in einem Raum sitzt und Fragen beantwortet oder kurze Texte schreibt) und ein Take-Home Exam. Die Klausur, die ich mit nach Hause nehmen darf ist mir dabei lieber, denn auswendig lernen war noch nie so meine Stärke.

Bei den Take-Home Klausuren gibt es aber große Unterschiede, die es so eigentlich nur an einer Bildungsanstalt wie der University of Virginia geben kann, an der ein Honor-Code-System besteht. Zum einen sind da die ganz normalen Klausuren, die man mit nach Hause nimmt und dann mit Hilfe der vorgegebenen Literatur versucht zu schreiben – ähnlich einer Hausarbeit also, jedoch mit nur einer Woche Zeit bis zur Abgabe. So ein Mid-Term, „Open Book“ genannt, muss ich in meinem „International Relations“-Kurs schreiben.

Dann gibt es aber auch den Gegenpart zu dieser Art Klausur – ein Take-Home Exam bei dem man nicht das Buch benutzen darf, sondern, ähnlich wie bei Klausuren im Klassenraum, nur auf seinen Kopf und das darin gespeicherte Wissen zurückgreifen soll. Auch hierbei hat man eine Woche Zeit – durch den „Honor Code“ wird gewährleistet, dass man nicht Bücher zur Hand nimmt, sondern sein Wissen vor dem Test angelesen hat. Ich versuche mir das gerade mal vorzustellen: Man sitzt zuhause und schreibt – man hat gerade absolut keine Ahnung wie man weiter machen soll, irgendwie kommt man nicht weiter – der Blick schweift durch das Zimmer und bleibt an den Büchern kleben, die man für diesen Kurs lesen musste. Und da will mir einer erzählen, dass in einem Raum, in dem man nicht überwacht wird, nicht der Gedanke und danach die Handlung kommt und man sich einfach mal das Buch zur Hand nimmt, obwohl es verboten ist? Mir kann doch keiner erzählen, dass man sich da noch an irgendwelche Vereinbarungen hält. Honor-Code hin oder her. Über die Wichtigkeit von guten Noten, damit man sein Stipendium weiterhin bekommt, muss ich erst gar nicht anfangen.

Ich habe mich allerdings genau über diese Problematik mit mehreren amerikanischen Studenten unterhalten und alle meinten, dass sich fast jeder daran halten würde; denn ein aufgedeckter Verstoß gegen diese goldenen Regeln würde einen Rausschmiss aus der Uni nach sich ziehen – zumindest bei den etwas härteren Fällen. Und der Rauswurf wäre dabei noch nicht mal das Schlimmste, so die einstimmige Meinung – viel schwerwiegender Wäre die Schande, den Freunden und der eigenen Familie gegenüber.

Gut, ich darf eh meine Bücher benutzen, treu dem Motto: „Und führe uns nicht in Versuchung… .“

Zum Lernen haben wir dann auch den kommenden Montag frei bekommen (ein so genannter „Reading Day“). Und dieser Tag ist auch bitter nötig, denn um mit dem Lesen der Bücher nachzukommen, muss man schon mal ein Wochenende komplett „über den Büchern hocken“. Und genau das ist auch mein Wochenende – mein langes Wochenende. Glücklicherweise regnet es draußen in Strömen; eine naturgegebene Lernerleichterung. Zudem ist das Universitäts-Gelände wie ausgestorben, denn die meisten Studenten nutzen die paar Tage, um zu ihren Eltern oder zu ihrer Freundin zu fahren – ein Luxus, der mir leider nicht gegeben ist. Wobei ich mir nicht vorstellen könnte, dass ich viel lesen würde, wenn ich das Wochenende bei meiner Christiane verbringen würde – da gäbe es ja andere Dinge, die man lieber macht.

So kämpfe ich mich aber durch insgesamt drei 400-Seiten Bücher, um am Dienstag meinen ersten Mid-Term zu überstehen. Da ich, wie gesagt, den Take-Home Exam erst am Donnerstag bekomme, habe ich nach Dienstag noch zwei Tage Zeit um wenigstens ein bisschen Stoff in meinen Kopf zu bekommen – denn auch wenn wir eine Woche Zeit haben, um das Paper für „International Relations“ zu schreiben, wäre es besser, nicht alles immer nachlesen zu müssen.

Ich mutiere hier noch zum Bücherwurm – gezwungenermaßen.

PS: Ich entschuldige mich jetzt schon mal für die wenigen Beiträge, die ich in der nächsten Woche schreiben werde, wenn ich zwischendurch ne Minute habe werde ich aber versuchen euch auf de Laufenden zu halten.

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2 Responses to Mid-Term Madness

  1. […] Wenn ich mir das noch mal durchlese hört sich das ziemlich trist an; ist es aber gar nicht. Es ist halt Alltag. Es ist auf keinen Fall langweilig und man lernt jeden Tag etwas Neues kennen – nur leider ist dieses Neue nicht mehr spannend. Es hat auch etwas Gutes, wenn man angekommen ist, wenn man sich eingelebt hat. Man fühlt sich unter Seinesgleichen, was bei Amerikanern schier unmöglich scheint. Und daraus kann man lernen, dieses Wissen hilft einem auch später im Leben weiter, wenn man wieder zurück ist und sich in Deutschland über den teuren Sprit ärgert. Nur leider gehen mir auch deshalb ein bisschen die Ideen aus, vor allem weil mit im Moment eher politische Theorien und die Geschichte Berlins (gezwungenermaßen) im Kopf rum schwirren. Midterm Madness halt. […]

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