Waschtag

Wer mich kennt, weiß dass ich ein großer Fan von Waschanlagen bin, in denen man selbst zum Hochdruckreiniger und zur Bürste greifen kann, um sein Auto sauber zu machen. Für manche ist es entspannend ein gutes Buch zu lesen, wobei dahin gestellt sei, was man unter einem guten Buch versteht, andere wiederum lieben den Latte Macchiato im Café um die Seele baumeln lassen zu können. Ich gehöre zu der Fraktion, die, zugegeben wahrscheinlich sehr klein ist, welche sich bei der Autowäsche hervorragend entspannen kann.

Auf dem Weg zur Waschanlage - Daumen hochWenn mein Auto besonders dreckig ist, macht es natürlich auch gleich umso mehr Spaß, da sich das Endergebnis deutlich vom Anfangszustand unterscheidet. Ich wasche mein Auto in Deutschland ziemlich regelmäßig, bedingt dadurch ist meist kein großer Unterschied zwischen vor und nach der Wäsche zu erkennen.

Man kann sich also vorstellen, dass ich multiple, lang anhaltende Autowasch-Orgasamen durchlebe, wenn das zu säubernde Auto so aussieht, als habe der Vorbesitzer schon seit Jahren eine Phobie gegen Wasser und sämtliche Reinigungsmittel.

Vorweg: Gestern haben wir es endlich, nach einer Woche rum fahren, Führerschein organisieren und frustrierenden Erlebnissen beim DMV, geschafft unseren 86er Jeep Wagoneer anzumelden.

Ein Mittelchen für jeden FleckDa weder Martin, noch ich, einen Tag warten wollten, um unser Auto in neuem Glanz erstrahlen zu sehen, ging es direkt weiter zu einem Autozubehörladen, in dem wir knapp 50 Dollar für Reinigungsmittel ausgaben. Dazu sei bemerkt, dass es in den USA für jeden Fleck ein passendes Mittel gibt – unsere Einkaufsliste war, entsprechend dem Zustand des Wagens, ziemlich lang und umfasste folgende Artikel:

Außen

  • Schwämme (hart und weich)
  • Autoshampoo
  • Felgenreiniger
  • Allesreiniger
  • Reifenreiniger (aufgesprüht und schon sieht der Reifen aus wie neu)

Innen

  • Teppichreiniger
  • Lederreiniger (Polsterreiniger)
  • Armaturenbrettpolitur
  • Glassreiniger
  • Bürste zum Auftragen des Teppichreinigers
  • Sprühkleber (der Stoff des Dachhimmels hing nur noch schlaff herunter)
  • Duftbäume bzw. 8-Balls mit Duft

Martin kümmert sich um die AußenhautMit dem ganzen Equipment ging es dann zur nächsten Waschstation und nachdem ich die „Vorher“-Fotos gemacht hatte, ging es los. Erst einmal wurde die Lanze geschwungen um den groben Schmutz abzubekommen. Im Endeffekt stellte sich dieser Hochdruckreiniger als einzig adäquate Möglichkeit heraus, den verwitterten Lack halbwegs wieder hin zu bekommen. Die Farbe der Motorhaube wechselte wie von Geisterhand von einem dreckigen Weiß zu einem stumpfen Weiß, mehr war einfach nicht drin. Der Rest der Außenhaut sah (abgesehen von einigen Roststellen) nach dem Wasch-Marathon aus wie fast neu, also so neu, wie ein 20 Jahre altes Auto aussehen kann.

Streifenfreier Glanz wurde erst spät in der Nacht erreichtDer Innenraum sah, um es in Wasch-Enthusiasten-Deutsch zu sagen, nach dem Putzen aus wie geleckt. Hier wurden sämtliche Mittelchen verwendet, die wir gekauft hatten, der Lederreiniger machte seinem Namen alle Ehre und verhalf dem abgenutzten Gestühl zu neuem Glanz (ganz nebenbei bemerkten wir dann auch den Schriftzug „Limited“ auf der Rücksitzbank). Mit dem Sauger und später mit dem Reiniger wurde dem Teppich zu Leibe gerückt, auch hier mit großem Erfolg, auch wenn der ein oder andere Ölfleck einfach nicht weichen wollte. Das Cockpitspray stellte sich als absolute Allzweckwaffe heraus. Auch wenn es sich, wie Martin und ich feststellten, hierbei scheinbar nur um Fett zum Sprühen handelte, sahen das Armaturenbrett und die restlichen Innenverkleidungen nachher fabrikneu aus.

Der Dachhimmel wurde mühevoll und bei geöffneten Fenstern mit Sprühkleber fixiert. Da wir beide keine Sattler sind waren Falten nicht zu vermeiden, was aber nicht weiter stört. Immer noch besser als eine Deckenhöhe von 50 Zentimetern.

Insgesamt waren wir wohl knapp fünf Stunde in der Waschanlage (wobei noch mal eine halbe Stunde hinzukam, in der wir mittelmäßig erfolglos versuchten, die Felgen zu polieren. Hier hatte der Bremsstaub über die Fahre ganze Arbeit geleistet. Wir haben uns aber vorgenommen, dass wenn einer von uns in der nächsten Zeit Millionär wird, neue Felgen an erster Stelle stehen. Oder ein neues Auto.

Die ganze Arbeit hatte sich im Endeffekt aber gelohnt, denn aus einem 450 Dollar teuren Auto haben wir durch unser unglaubliches Putztalent mindestens ein 1000 Dollar Auto gemacht. Wenn jetzt noch die Heckklappe abschließbar wäre, würde das Ding für 5000 Dollar weggehen – vielleicht.Zwei Typen und ihr Auto - ihr sauberes Auto

Danach war dann erstmal cruisen angesagt. Es ging erst zu Walmart, wo wir eine Halterung (natürlich in weiß) für den iPod kauften, den wir an das Radio anschließen können. Außerdem musste noch ein Getränkehalter her, denn der darf in keinem Ami-Schlitten fehlen. Dann nahmen wir das Teil auf einen Ausflug durch die Stadt und fuhren zu David, dem wir in Verbindung mit dem Jeep eigentlich alles zu verdanken hatten.

Weiter ging es dann noch amerikanischer, nämlich mit einem Abstecher zu Wendy’s (einem, DEM Burgerladen schlechthin), wo wir noch viel amerikanischer am Drive-In bestellten und dann, am amerikanischsten überhaupt, nach Hause fuhren.JJJetzt wird der Jeep erstmal beweisen müssen, was er im Alltagsbetrieb drauf hat, bevor ich ihn, zusammen mit meiner Christiane, auf große Fahrt nehmen werde, um auch mal die Freiheitsstatue „in Echt“ zu sehen. Auf dem Tacho steht eine Maximalgeschwindigkeit von 85 mph (ca. 135 km/h), also sollte er die 65 mph auf der Interstate ja locker schaffen. Fragt sich nur, wie langer dieses 20 Jahre alte Monstrum das aushält.

Ach, übrigens: Noch haben wir ein Übergangsnummernschild aus Pappe. In zwei Wochen ist dann aber unser echtes Schild da. Und zwar mit der Buchstabenkombination: GRMAN… seit der WM sind wir ja wieder Deutschland, also „Du bist Deutschland“ halt!

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One Response to Waschtag

  1. Christian sagt:

    Öööh… sauber! Höhö 🙂 Grüße nach Virginia!!

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