Erlaubnis erteilt

Das DMV (Department of Motor Vehicles, also Straßenverkehrsamt, Zulassungs- und Führerscheinstelle in einem) hier in Charlottesville ist mittlerweile zu einem guten Bekannten geworden. Ich war bis heute nur einmal da gewesen, Martin aber fuhr heute, als wir um acht Uhr das Auto abholten, schon zum fünften Mal zum DMV.

Das erste Mal letzten Donnerstag, aber da hatte er ein wichtiges Dokument nicht dabei. Das zweite Mal am Freitag, aber da fiel er durch die theoretische Prüfung durch. Das dritte Mal Samstag, doch auch hier kein Glück; wegen Computerproblemen konnten am Wochenende keine theoretischen Prüfungen abgenommen werden. Montag schaffte er dann die Theorie, hielt aber nicht, wie von der Prüferin gewünscht, an einer Ausfahrt an, sondern rollte durch und musste also erneut die praktische Prüfung machen. Ein modernes Martyrium also.

Heute morgen holten wir uns also den Wagen vom spanischen German (das ist der Name des Spaniers, komisch oder?), sammelten den Peruaner Miguel mit Louisiana-Führerschein ein und ruckelten in einem 1993er Ford Taurus zum DMV. Unser internationales Trio erreichte wohlbehalten die Führerscheinstelle, reihte sich ein, bekam eine Nummer und setzte sich – für eine lange Zeit, wie sich später herausstellte. Eine so lange Zeit, um genau zu sein, dass ich zwei Dollar an Martin verlor, als er zwei Mal nacheinander den nächsten Buchstaben erriet, der auf der Aufruf-Tafel angezeigt wurde.

Miguel hatte sich schon mit seinem Laptop ins Abseits gesetzt – er hatte, wie schon Martin am vergangenen Donnerstag, ein wichtiges Dokument nicht dabei und konnte von daher seinen Führerschein nicht eintauschen.

Nach knapp einer Warte-Stunde kamen Martin und ich gleichzeitig dran. Dann der Schock an meinem Fenster – selbst wenn ich die Prüfung machen würde, wäre nicht mehr als ein „Learner’s Permit“ drin, ich müsste also noch zusätzlich Kurse nehmen. Martin, der am Schalter neben mit stand, und ich schickten darauf hin die beiden netten Damen zur Besprechung nach hinten. Mit der Information, das, wenn ich ganz normal den theoretischen und praktischen Teil bestehen würde, ich einen ganz normalen US-Führerschein bekommen würde, waren die Sachbearbeiterinnen schnell wieder zurück. Puh, eine Hürde geschafft. Folgen noch zwei – Theorie und Praxis.

Der Theorieteil war machbar, ich schaffte es aber trotzdem nur knapp. Die zehn „Schilder“-Fragen beantwortete ich alle richtig, musste ich auch, denn sonst wäre da die Prüfung schon zu Ende gewesen. Die 25 allgemeinen Fragen waren schon etwas heikler. Beim fünften Fehler war man raus.

Fehler Nummer vier war dann bei Frage 24 (In welcher Größe eines Bierglases ist der gleiche Alkohol wie in einen Schnaps(glas)?). Das hieß, ich musste die letzte Frage richtig beantworten, um den Test zu bestehen.

Wie schnell darf man in einem Schulgebiet fahren? Ich klickte 35 mph an, war mir sicher, zögerte, klickte 25 mph an, war mir unsicher, nahm es trotzdem – und bestand. Schwein gehabt. Noch eine Hürde.

Martin fuhr vor mir. Um 11.49 verließ er das Gebäude mit der ausladenden Prüferin. Um 11.58 war er wieder da – und stolzer Besitzer eines US-Führerscheins. Dann war ich an der Reihe.

Erst einmal einsteigen, Spiegel justieren. Dann Licht an, blinken, Warnblinker, hupen, Rückwärtsgang rein, anschnallen und langsam rückwärts aus der Parklücke raus. Ganz wichtig bei der ganzen Fahrt (die einmal um den Block ging): immer schön den Schulterblick machen und in die Spiegel schauen, ob auch alles okay ist. Und immer an Stoppschildern halten. Ein Stoppchild wäre mir dann fast zu Verhängnis geworden – ich hielt ca. 20 cm zu spät an. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass mich die knapp 120-kg-Frau mochte, da sie mir die ganze Fahrt über erzählte, dass sie Single und neu in der Stadt war und das ihre Kolleginnen sie immer zu verkuppeln versuchten.

Mein FührerscheinDeshalb verzieh sie mir wahrscheinlich auch meine minimale Stoppschild-Überfahrung und auch ich bekam den Führerschein. Endlich, eine Odysee geht zu Ende. Nicht für die Prüferin – sie ist immer noch Single; und so traurig das auch ist – wird es sicherlich noch ein Weilchen bleiben.

So, mal zurück zu den wesentlichen Dingen. Morgen wird das Auto angemeldet, übermorgen wird es geputzt und geschrubbt und gebohnert – und Freitag fahren wir damit das erste Mal einkaufen. Das wird das Highlight. Lebensmittel einkaufen als Highlight – das hättet ich von mir auch nicht erwartet. Wobei Lebensmittel hier eigentlich schon eine Übertreibung sind. Eher Genussmittel.

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