Schein Abkommen

Ich habe mir ja jetzt mit Martin zusammen ein Auto gekauft, bzw. David hat es für uns gekauft, weil man für den Kauf eines eben solchen Wagens einen gültigen US-Führerschein braucht. Da die Amerikaner nicht ein Dokument ähnlich unserem Personalausweis haben, wird der Führerschein oft als einzige Ausweismöglichkeit akzeptiert. Also ist man auch ohne eigenes Auto gut beraten, sich ein „driver’s liscence“ ausstellen zu lassen.

Das ist einfach gesagt als getan, leider. Denn unser Auto steht fahrbereit am Straßenrand, darf aber nicht bewegt werden, weil es keine Nummernschilder hat. Es hat keine Nummernschilder, weil es nicht auf einen von uns angemeldet ist. Es ist nicht auf einen von uns angemeldet, weil wir noch keinen amerikanischen Führerschein haben. Wir haben noch keinen US-Schein, weil es mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden ist einen zu bekommen.

Martin war gleich am Donnerstag beim DMV (Department of Motor Vehicles), wurde aber nach Hause geschickt, weil er nicht alle nötigen Dokumente dabei hatte. Heute ging es also für ihn (und auch für mich) wieder zum DMV, um heute dann endlich den Führerschein zu bekommen. Doch zu früh gefreut.

Erst einmal vorweg: Deutschland hat, neben ein paar anderen Ländern, ein Abkommen mit den USA, welches es einem erlaubt, seinen deutschen Führerschein gegen eine amerikanische liscence „einzutauschen“, ohne eine Prüfung machen zu müssen. Autofahrer aus allen anderen Ländern müssen auf jeden Fall die Fahrprüfung in den USA machen, um einen hier gültigen Führerschein zu bekommen. Das ist auch alles schön und gut, nur wurde uns beim Auslandsamt der Uni gesagt, dass das ganze direkt vor Ort gemacht würde. O-Ton von denen: „Deutschland hat ein Abkommen. Ihr geht hin, zeigt alles vor, bekommt eine liscence und geht wieder.“

Eines hat mich mein Auslandssemester aber gelehrt: Auslandsämter, egal ob zuhause oder hier, wissen meist selbst nicht wovon sie reden, bringen es aber so gut rüber, so dass man glaubt, sie täten es. Ein weiteres Beispiel folgt gleich.

Als wir heute beim DMV waren wurde uns von der netten Frau am Empfang gesagt, dass es zwar dieses, mittlerweile schon fast ominöse, Abkommen gibt, aber es nicht vor Ort schnell mal geregelt werden kann. Der deutsche Führerschein wird kopiert, weggeschickt, es wird gechecked, ob es sich um einen echten Führerschein handelt und ob man noch in Deutschland berechtigt ist, Fahrzeuge zu führen. Nachdem das alles okay ist, bekommt man ein Schreiben, dass der amerikanische Führerschein zur Abholung bereit liegt. Das ganze dauert dann knapp eine Woche.

Die zweite Möglichkeit wäre noch, dass wir den Führerschein-Test machen, also den amerikanischen Führerschein ganz normal erwerben. Dann könnten wir ihn auch direkt mitnehmen (was bedeuten würde, dass wir auch das gesamte restliche Prozedere sofort vor Ort machen könnten). Dafür entschieden sich dann Martin und ich prompt.

Bei mir war es dann ganz schnell wieder vorbei, weil ich keinen Beweis dafür hatte, dass ich im Moment in Charlottesville wohne. Das Aulandsamt hatte uns zu einem Büro geschickt, dass uns ein Transcript ausstellen sollte, auf dem unsere Adresse steht – als Beweis, dass wir wirklich hier wohnen. Tja, wir hatten das Transcript, aber es war keine Adresse drauf. Ich durfte also Platz nehmen, Martin konnte den Führerscheintest machen, weil er einen anderen Beweis, dass er zur Zeit wirklich in Virginia lebt, dabei hatte.

Der Sehtest war schnell gemacht (nach dem Motto: Nennen sie die Buchstaben. Okay, fertig.), für den Theorietest büffelte martin mindestens eine halbe Stunde, fiel dann aber zwei Fragen vor Schluss durch. Damit war das Projekt „Auto von David übernehmen“ mal wieder verschoben. Martin kann jetzt morgen noch mal den Test machen, wenn er will. Ich werde wohl einfach meinen Führerschein einschicken lassen und abwarten bis ich einen Ami-Schein bekomme. Ich bekomme am Montag dann auch endlich das Transcipt MIT meiner Adresse drauf und kann loslegen. Ich hoffe das Martin dann noch mal den Test macht, damit der Jeep endlich mal Auslauf bekommt.

Zu guter Letzt noch die Dokumente, die man braucht, um als Deutscher einen Ami-Führerschein zu bekommen:

  • Reisepass (mit I-94 und DS-2019 – sprich Visum)
  • Deutschen Führerschein
  • Proof of Residence (Beweis, dass man in dem Land/Staat wohnt)
  • meist noch einen Brief vom Auslandsamt

Noch etwas zum internationalen Führerschein: Für den Urlaub in den USA ist der völlig ausreichende, aber sobald man länger dort ist, sollte man nicht die 15 Euro dafür ausgeben, sondern diese eher (direkt nach der Ankunft) für den Umtausch in eine amerikanische liscence investieren.

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