Nur Pfeifen buhen

Auch wenn das Auto im Moment die meiste Zeit in Anspruch nimmt will ich mich nicht lumpen lassen und eine tolle Überleitung vom Automobil zum Rasensport finden.

Tailgating

In den USA gibt es ein seltsames Ritual vor jedem größeren Sportevent – das so genannte „tailgating“. Das Wort „Tailgating“ besteht aus zwei Bausteinen, zum einen „tail“, was in diesem Fall am besten mit „Heck“ zu übersetzen ist – gemeint ist das Heck eines Pick-Ups oder Vans (das war die Überleitung) – und dem Wort „gate (gating)“, wobei hiermit das Gate, also das Einlasstor zum Stadion gemeint ist. Ich wurde von zwei ausgewiesenen Englisch-Kennern darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei einem „tailgate“ einfach nur um die Heckklappe eines Pick-Ups handelt, also der Ausdruck nichts mit dem Einlasstor zum Stadion zu tun hat. Gut, dass diese Seite nicht zitiert wird. Des Weiteren kann „tailgating“ auch zu nahes Auffahren auf den Vordermann bedeuten. Man lernt nie aus.

Das „tailgating“ ist eine amerikanische Institution, regelmäßig versammeln sich zehntausende von Menschen auf den Parkplätzen und Wiesen rund um die Footballstadien, um schon Stunden vor Anpfiff ein ausgelassenes Fest zu feiern, dass perverserweise irgendwo zwischen Kindergeburtstag und Kollektivbesäufnis liegt. Die Grills rauchen, die Steaks und Burger brutzeln, das Bier fließt und ab und zu gibt es sogar mal einen Salat – meist aber nur den obligatorischen Cheeseburger.

Football

Warum ich das erzähle? Nun ja, ich wohne genau 200 Meter Luftlinie vom Stadion entfernt und da kann man dem Hype des Footballs nicht mal entgehen, wenn man wollte. Ich will es ja auch gar nicht, im Gegenteil, ich war begeistert, als ich letzten Samstag das erste Mal in „unserem“ Stadion stand und die 60.000 Menschen sah, die eine College-Mannschaft anfeuerten. Dabei ist die Stimmung im „Scott Stadium“ hier an der University of Virginia nicht im geringsten mit der in einem deutschen Fußballstadion zu vergleichen. Nehmen wir nur einmal das Westfalenstadion den Signal-Iduna-Park. Schon alleine durch die durchgängige Überdachung, die hier in den USA nur selten an Unis verbaut wird, können 60.000 Menschen einen ganz anderen Lärmpegel verursachen. Im Scott Stadium ist es nicht mal annähernd so laut, was auch daran liegen mag, dass die Amis ihrem Ärger nicht durch grelle Pfiffe, sondern durch monotones Buuuuuhen Ausdruck verleihen

Und trotzdem ist es ein Erlebnis, welches ich mitgemacht haben muss und noch ein paar Mal mitmachen werde (an meinen Schatz: du bist übrigens zum absoluten Hammer-Saison-Knaller-Mega-Spiel gegen Miami hier – darauf freu ich mich schon, aber eher weniger wegen dem Spiel selbst).

Also, noch mal zu letztem Wochenende. Wir haben bei David, unserem Amerikaner für alle Fälle ge-tailgated, Bratwürstchen-Hotdogs gegrillt und gutes Bud Light getrunken, wie sich das für eine tailgating-Party gehört. Danach ging es dann zum Stadion. Überall in den Vorgärten standen die typischen US-Geländewagen mit offenen Heckklappen und BBQ-Grills en masse. Tausende von Menschen in orangenen Shirt, Kappen, Hosen, Perücken etc. (die Farbe der Uni-Mannschaften). Der Geruch von Gegrilltem ging einem erst nicht mehr aus der Nase, dann nicht mehr aus dem Kopf.

Als Student an einer amerikanischen Uni hat man überall freien Eintritt zu den Sportevents, sogar zu den Großen, wie einem Footballspiel. Also kurz den Studentenausweis vorzeigen und rein ins Stadion. Die Platzwahl gestaltete sich einfach, denn die Studenten stehen alle zusammen, entweder auf richtigen Stehplätzen, oder auf einer steilen Wiese, die sich um die eine Endzone des Feldes zieht. Wir waren eine halbe Stunde vor Spielbeginn da und konnten so noch zusehen, wie sich das Stadion langsam füllt. An den Panorama-Fotos, die ich gemacht habe, kann man ganz gut sehen, wie die Arena bis fast auf den letzten Platz zugepackt wurde.

Vor dem Spiel - noch nicht soviel los

Dann war es doch noch richtig voll

Das Spiel an sich, also Football, find ich nicht so spannend. Es entstehen einfach zu viele, zu lange Pausen, über die auch keine Blaskapelle oder Cheerleader hinweg helfen können. (Witz verstanden?) Aber um das Spiel ging es auch nicht in erster Linie, also mir nicht. Die Atmosphäre war das entscheidende, denn da die Teams soweit anreisen müssen (der Gegner war aus Wyoming – ca. 3000 km entfernt) sind nur Fans der eigenen Mannschaft im Stadion. Und die Studenten machen einen Lärm, unvorstellbar. Es gibt Schlachtrufe, Fangesänge und natürlich das (in-)offizielle Universitätslied „Good Old Song“…

Das Spiel endete in der OT (Overtime = Verlängerung) 13:12 für UVa, weil der gegnerische Kicker den entscheidenden Kick daneben setzte. Das Team aus Wyoming war schlecht, aber Virginia war teilweise noch schlechter. Aber, wie gesagt, es ging mir nicht um das Spiel.

Morgen steht das nächste Game im „Scott Stadium“ an, diesmal gegen Western Michigan, die schon ne Nummer besser sind. Und ich muss zugeben, obwohl es mir ja eigentlich nicht um das Spiel geht, möchte ich doch, dass meine Mannschaft die Gegner gedemütigt, geschunden und mit gesenktem Haupt nach Hause schickt. Einfach nur der Stimmung wegen.

„Go Cavaliers!“

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4 Responses to Nur Pfeifen buhen

  1. NRG_16 #2 sagt:

    Des Dingen am Truck heißt tailgate, ich glaub mit dem Einlasstor hat das nicht viel zu tun… 🙂 (Wer sonst würde dir so einen Kommentar hinterlassen…!!)

  2. Mum sagt:

    Ist richtig, a tailgate ist die Heckklappe vom Pickup. ‚To tailgate‘ ist dicht auffahren. When in doubt, ask Mum…(bloody know-all!!!).

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