Die verflixte Sieben

Nach dem ganzen Fußballgeplänkel und iranischen Staatspräsidenten jetzt mal zu einem Thema, dass an amerikanischen Unis ein Teil des Tagesgeschäftes ist, ohne das die Studenten sehr viel darüber wissen:

Nicht erst seit Dan Browns Bestseller „Sakrileg – the Da Vinci Code“ oder dem Blockbuster „Das Vermächtnis der Tempelritter“ mit Nicolas Cage, sind Geheimgesellschaften in aller Munde. Geheimbünde sind so alt die menschliche Zivilisation selbst. Selbst die Christen begannen ihre „Karriere“ als geheime Organisation, mit dem Fisch als ihrem Erkennungsmerkmal. Die Verbindungen wirken bis heute im Verborgenen, oder sind, wie die Freimaurer, den übrigens auch der Gründer der University of Virginia, Thomas Jefferson, angehört haben soll, nicht wirklich geheim und eigentlich auch nicht wirklich eine Geheimverbindung. Gemein haben sie aber alle, dass man bestimmte Voraussetzungen mitbringen muss, um in sie aufgenommen zu werden. Alles in allem sind diese im Versteckten (mal mehr, mal weniger) operierenden Organisationen ein Teil des alltäglichen Lebens, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick merkt – meist auch nicht auf den zweiten oder dritten Blick.

http://www.theinsider.orgDie Pyramide mit dem allsehenden Auge auf der amerikanischen Eindollar-Note soll eines der Zeichen sein, mit denen sich Anhänger alter Verbindungen identifizieren.

Nirgends sind Geheimgesellschaften jedoch so präsent, wie an amerikanischen Universitäten. Mysteriös Zeichen schmücken so ziemlich jedes Bauwerk und jede freie Fläche, ähnlich dem „Tag“ in der Graffiti-Szene.

http://www.cavalierdaily.comAn der University of Virginia gibt es mehrere dieser alten Gemeinschaften, die, je nach Überzeugung und Durchhaltevermögen, mehr oder weniger geheim sind. Ein Zeichen, über das man hier auf dem Campus immer wieder stolpert sind die drei Buchstaben „IMP“ (Incarnate Memories Prevail, deutsch: leibhaftige Erinnerungen siegen), eine Verbindung, die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde und zu den weniger geheimen Bünden zählt. Ursprünglich nannten sie sich Hot Feet – diese Verbindung wurde jedoch 1911 verboten, nachdem sie an „Easters“ (Springbreak) aus dem Naturkundemuseum Tier-Exponate geklaut und überall auf dem Campus verteilt hatten. Nach der Neugründung, diesmal mit dem Namen „IMP“ waren und sind die Mitglieder dieser Organisation dafür bekannt in Teufelskostümen über den Campus zu laufen und sollen, trotz des Verbotes aus dem Jahr 1911, für manch derben Scherz verantwortlich sein.

Yale hat wahrscheinlich die meisten Geheimbünde, dicht gefolgt von eben dieser Universität. An der University of Virginia treiben viele verschiedene Vereine ihr „Unwesen“, unter anderem die IMPs, Zs,  P.U.M.K.I.N, T.I.L.K.A, Raven, Rotunda Burning, Purple Shadow, K.O.T.A. und Eli-Banana; um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Diese Verbindungen haben fast alle gemein, dass ihre Mitglieder nur in symbolischer Geheimhaltung leben, meist tragen alle, oder zumindest die neu aufgenommenen Mitglieder einen Ring als Erkennungszeichen.

The Seven Society (taken from http://www.wikipedia.org/Eine Ausnahme unter den Geheimbünden an der UVa bildet die „Seven Society“, die als absoluter Marktführer in Sachen top-secret Geheimgesellschaften angesehen werden kann. Die Mitgliedschaft eines Bruders (zumeist sind diese Verbindungen reine Männerveranstaltungen) wird erst nach seinem Tod bekannt gegeben – bei seiner Beerdigung wird ein Kranz aus schwarzen Magnolien in Form einer „7“ an seinem Grab abgelegt, außerdem läuten die Glocken der Universitäts-Kapelle für sieben Minuten alle sieben Sekunden. Diese Gesellschaft ist, wie man unschwer erkennen kann, ziemlich auf die Zahl sieben eingeschossen. Diese Zahl, die der Verbindung ihren Namen gibt, zieht sich durch alle Aktionen, für die die „Seven Society“ verantwortlich zeichnet. Angeblich kommt die Zahl aus dem Gründungsjahr 1905, als sich (angeblich) acht Leute treffen wollten, um Karten zu spielen, aber nur sieben von ihnen auftauchten.

Jährlich spendet die Society viel Geld an die Universität, immer beinhalten die Beträge der Schecks die Zahl sieben, oft mehrmals, z.B. bei 77.777 $. Außerdem sind die Schecks mit den sieben astronomischen Symbolen in der Reihenfolge Erde, Jupiter, Merkur, Mars, Neptun, Uranus und Venus (Saturn und Pluto werden ausgelassen) unterschrieben, was aber in den USA für die Einlösung eben dieser Schecks kein Problem zu sein scheint.

Die Verbindung vergibt zudem jedes Jahr eine Auszeichnung für die beste Lehrperson an der Universität, einen Preis, der mit 7.000 $ ausgezeichnet wird, die komplett an die Fakultät des Lehrenden fließen.

Zu Beginn des neuen Schuljahres, genauer gesagt bei der ersten Zusammenkunft der Erstsemester (First-Years) klebt unter dem siebten Platz in der siebten Reihe ein Brief, den der Student, der sich auf diesen Sitz gesetzt hat auf der Bühne vorlesen muss. Die einzige Möglichkeit Kontakt mit dieser streng geheimen Verbindung Kontakt aufzunehmen, soll angeblich das Ablegen eines Briefes unter der Statue Jefferson in der Rotunde sein. Ich werde das mal austesten, bin mir aber noch nicht wirklich sicher, was ich den Jungs der „Seven Society“ schreiben soll.

Die Zeta Society verwenigt sich überallDie Z Society (steht für Zeta Society) ist die älteste Verbindung an der Unversity of Virginia (gegründet 1892) und zählt ebenfalls zu den geheimeren Bünden. Die Mitglieder dieser Organisation spenden ebenfalls viel Geld und Zeit der Universität und sind überzeugt, dass man durch diese anonymen Spenden, philantropisch gesehen, mehr für die Universität und ihre Mitglieder tun kann, als öffentlich. Neben dem Schriftzug „IMP“ sieht man das „Z“, meist überdimensional auf Treppen gemalt, am häufigsten auf dem Campus. Eine Legende besagt, dass eine Frau noch vor ihrem Abschluss schwanger wird, wenn sie direkt über das Z an der Fußgängerbrücke in der Nähe von Ruffner Hall läuft. Regelmäßig sieht man deshalb Frauen erschrocken zur Seite hüpfen, wenn sie diese Fußgängerbrücke betreten.

Da es sich bei all diesen Verbindung um, wie gesagt, mehr oder weniger geheime Gesellschaften handelt, ist es schwer, verlässliche Informationen über diese Organisationen zu sammeln. Selbst der „Guide Service“ an der UVa, der Touristen und zukünftige Studenten über den Campus führt, kann einem nicht wirklich Aufschluss über die Machenschaften dieser Bünde geben. Ob dieses gewollt ist, oder nicht, sei dahin gestellt – auf jeden Fall trägt diese Unwissenheit einen großen Teil dazu bei, den Mythos der geheimen Verbindungen aufrecht zu erhalten – und mit ihm die fragenden Gesichter der Erstsemester Jahr für Jahr.

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