Hoher Besuch

Heute morgen musste ich früh zur Uni und da ich nur wenig Schlaf abbekommen hat brauchte ich einen „Guten Morgen“-Kaffee. Also bin ich kurz vor neun fix zu „Bodo’s Bagels“ gedüst und hab mir den schlechtesten Kaffee der Welt und zusätzlich noch ein Bagel mit Ei und Bacon geholt.

Als ich dann mit meinem mit Abstand schlechtesten Kaffee der Welt zu meinem ersten Kurs schlenderte, merkte ich, dass heute morgen etwas anders war, als an den vorangegangen Tagen und Wochen, die ich jetzt schon hier bin. Rund um die Rotunde, an der auf dem Weg zu meiner Class vorbei kam, standen Polizisten, alle zehn Meter einer. Und als ich mich dann etwas abseits des Jeffersonischen Gebäudes auf eine Bank setzte, wurde ich von zwei breitschultrigen Anzugträgern aufgefordert, mich irgendwo anders hinzusetzen.

Die beiden Kopfhörer-Stecker, die sie in ihren Ohren hatten, zeugten definitiv von CIA oder FBI, oder was auch immer, auf jeden Fall sahen sie mit ihren identischen Anzügen, Krawatten und Sonnenbrillen wichtig aus – ein guter Grund ihrer „Bitte“ Folge zu leisten und mich nach einem anderen Frühstücksplatz umzusehen.Mohammed Khatami (image taken from the Wikipedia Commons)

Etwas später, während meiner Soccer-Klasse, fuhren ca. 10 Polizeimotorräder am Spielfeld vorbei, gefolgt von drei Polizeiwagen und fünf schwarzen Riesen-SUVs. Dann wieder Polizeiwagen und -motorräder.

Grund für diesen massiven Polizeieinsatz war eine Rede des ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammad Khatami, die er heute morgen in der Rotunde vor geladenen Gästen gehalten hatte. Khatami wurde vom „Institute for Advanced Studies in Culture“ eingeladen und ist der erste ranghohe Iraner, der die USA in den letzten 30 Jahren besucht hat.

Protest-Zettel gegen den KhatmanibesuchDie Studenten der Uni waren mit seinem Besuch scheinbar nicht einverstanden, denn überall hingen Plakate mit Slogans wie: „Im Iran werden Frauen getötet, weil sie ihren Kopf nicht bedeckt halten“ und anderen anti-iranischen Sprüchen (s. Plakat rechts). Mit Kreide hatten zudem Studenten (oder Professoren?) weitere Sprüche auf den Asphalt gemalt. Einer ist mir in Erinnerung geblieben: „Seit wann unterstützt die UVa den internationalen Terror!“

Ich will ja nicht sagen, dass das eine absoute Verallgemeinerung der weltpolitischen Lage und ihrer Akteure ist, aber irgendwie ist die Protesthaltung der Studenten genau das. Die Amerikaner hören „Iran“ und sind sofort dagegen, dabei wird Khatami als ein sehr gemäßigter Präsident beschieben.

Wikipedia schreibt dazu:

Seinen Sieg in der Präsidentenwahl Mai 1997 verdankte Chātamī (Khatami) zu einem großen Teil den weiblichen und jungen Wählern, da er vor der Wahl versprach, deren Rechte deutlich zu stärken. (…) Chātamī stieß mit seinen Reformbestrebungen auf großen Widerstand der Religiöskonservativen und enttäuschte manche seiner Wähler. Dennoch wurde er im Juni 2001 mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Chātamī gilt als erster Reformer im Amt des Staatspräsidenten, da er seine Wahlkampagne auf Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Gleichberechtigung aufbaute.

Wenn ich mich recht erinnere, sind diese drei Grundbedürfnisse nach Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Gleichbereichtigung genau die Pfeiler, auf die die USA ihre Verfassung aufgebaut hat, allen voran der Architekt der Stätte, in der Khatami heute morgen reden durfte, nämlich Thomas Jefferson.

Der einzig erfreuliche Aspekt dabei ist, dass die Studenten wenigsten noch eine politische Meinung haben – etwas, dass ihnen von manch älterer Generation gerne abgesprochen wird.

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