Lesen ist das halbe Leben

Mögen wir in Deutschland eigentlich noch Günter Grass? Ich bin da nicht mehr auf dem Laufenden. In den USA mögen wir Günter Grass auf jeden Fall und wir haben wahrscheinlich auch nicht mitbekommen, dass der Günni, wie ihn wahrscheinlich keiner seiner Freunde nennen darf, mal der SA SS-Günni war, wenn auch nur kurz. Wirklich. Und nur am Ende. Und sowieso. Ist doch eh Geschichte. Shit happens. Egal.

Was ich eigentlich sagen wollte, ist das man Günter Grass in den Staaten gerne liest, z.B. sein Buch mit dem Titel „Mein Jahrhundert“ (My Century). Da ich hier einen Deutschkurs belege, musste ich mir das Buch holen. Find ich auch okay, denn das Grassoreske Jahrhundert sollte man gelesen haben.

Amerikanische Studenten lesen aber auch sonst sehr gerne, oder vielleicht denken die Professoren das auch nur. Oder die Professoren wollen einfach ihre Bücher unter das Volk bringen – aber das ist ein globales Problem, gerade in Politikvorlesungen und Seminaren.

Ich habe mir die nette Grass-Lektüre gebraucht gekauft, um ein paar Dollar zu sparen. „Used“ kostete das Buch nur 9,75 Dollar, anstatt regulär 15 Dollar. „Wieso spart der Typ an einem Buch“, werdet ihr euch fragen. Naja, damit ich für die insgesamt 17 Bücher nicht soviel ausgebe.

17 Bücher für vier Kurse. Die spinnen die Amis. Ich habe heute sage und schreibe 322,39 $ im University Bookstore gelassen – und das obwohl ich 15 Bücher gebraucht gekauft habe. Zwei musste ich neu kaufen, da die gebrauchten Exemplare schon weg waren.

Und hier die Spitzenreiten für das teuerste Buch des Jahres:

1. American Foreign Policy von John Ikenberry – 60,15 $*
2. Major Problems in Am. Foreign Relations von Thomas Paterson – 51,60 $
3. American Government von James W. Ceaser – 49,15 $*

*gebrauchtes Exemplar

Nicht nur das meine Kreditkarte ächzte und stöhnte, als sie durch die Kasse gezogen wurde, nicht nur das meine Eltern (I knew it would be expensive, but that expensive…) ächzten und stöhnen werden, wenn sie die Kreditkartenabrechnung bekommen, sondern ich ächzte und stöhne jetzt schon, wenn ich mir überlege, dass ich diese 17 Bücher lesen muss.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht: Man kann die Bücher nachher wieder zurück an den Uni-Buchladen verkaufen. Leider bekommt man dann für jedes Buch nur knapp 1/10 des Originalpreises zurück.

Aber immerhin muss ich sie dann nicht zurück nach Deutschland mitschleppen, oder schicken, oder noch besser, verbrennen. Der letzte musste sein, nur um die Klammer zu schließen, die ich am Anfang geöffnet hatte. Nichts für Ungut, Günni.

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3 Responses to Lesen ist das halbe Leben

  1. Mum sagt:

    Dein Günni war in der Waffen-SS, übrigens, somit will ihm Polen die Ehrenbürgerschaft der Stadt Danzig (Gdansk…) abererkennen – obwohl er „Die Blechtrommel“ schrieb…

  2. Mum sagt:

    und ja, wir ächzen und stöhnen ob der zu erwartenden Rechnung…

  3. Christian sagt:

    Als belesener Student muss ich da einwerfen, dass sich heute der Bürgermeister von Gdansk in der Süddeutschen voll und ganz auf Günnis Seite gestellt hat!

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