Als die Deutschen Pearl Harbour bombadierten

Mit diesem Post eröffne ich die neue Kategorie „Typisch Amerika“, in der ich sicherlich noch einiges zu berichten haben werden, wenn man mal von der derzeitigen Geschwindigkeit der Geschehnisse ausgeht, die einem Europäer mehr als merkwürdig vorkommen.

Wir hier im Hereford Residential College sind gut ausgestattet. So steht den kochenden Studenten eine voll ausgestattete Küche zur Verfügung, die Reinlichen unter uns können sich über saubere Duschen freuen (was nicht in allen Wohnheimen auf dem Campus der Fall ist) und der Fernseh-Junkie kann seiner Abhängigkeit in einer netten Lounge frönen, welche einen großen Fernseher mit Kabelanschluss beherbergt.

In der Küche wasche ich täglich mein Geschirr (das eine Besteck, was ich habe), in der Dusche wasche ich mich täglich mindestens einmal(bis heute nur kalt, weil ich das System der Warmwasserregulierung nicht ganz kapiert hatte), nur in die TV-Lounge hat es mich, bis auf während der „Was darf ich und was darf ich nicht“-Meetings, noch nicht verschlagen.

Heute dann die Premiere, ich setze mich gepflegt auf einen der gemütlichen Lounge-Stühle, nehme die Fernbedienung zur Hand und drücke den Power-On-Knopf. Und zack, Wrestling! Ich war nie, ich bin es nicht und ich werde nie ein Fan dieses „Sports“ sein ich habe es auch aufgegeben darüber zu diskutieren, ob die Kämpfe echt oder nur inszeniert sind, weil ich mir dann irgendwann dachte: „Junge, mach was Vernünftiges in deinem Leben!“. Aber ich bin in Amerika und hier gehört Wrestling nun mal dazu – und da ich alles in mich aufsaugen soll als guter Exchange-Student, tat ich mir dann auch für eine kurze Zeit dieses Kampf-Ballett der breiten Typen an.

Nur eine Minute später guckte ich den Discovery Channel. Was mich zu dieser schnellen Abkehr vom Wrestling bewogen hatte? Also, dass ist keine lange Geschichte; um genau zu sein dauert sie nur knapp eine Minute:

Auf der Mattscheibe sieht man zwei Typen, die sich, ihren T-Shirts nach zu urteilen, „DX“ nennen. Ein paar Sekunden später finde ich heraus, dass man diese beiden netten jungen Herren in der Wrestling-Welt „De Generation X“ nennt. „De“ ist in diesem Fall ein verkümmertes „the“. Schwamm drüber, trotz dieses, für einen Literaturwissenschaftler, schlimmen Missstandes bleibe ich am Apparat und höre mir an, was die Leute zu sagen haben, die normalerweise vornehmlich ihren Bizeps sprechen lassen. Ich erkenne, dass die beiden Top-Athleten jemanden beleidigen, der per Videoschalte das Gelaber verfolgen kann und missmutig drei schaut. Die beiden Typen stehen auf irgendeinem hohen Gebäude und (aus dem Gedächtnis) geht ihr Gespräch ungefähr so:

Typ 1: Als Columbus Amerika entdeckte, hat er sicherlich seine Fahne irgendwo hingeplatzt.
Typ 2: Yeahhh!
Typ 1: Und als Armstrong den Mond betreten hat, da hat er auch seine Fahne da oben gehisst.
Typ 2: Yeahhhhhhhhhhhh!

Es folgen noch zwei Beispiele von Leuten die Fahnen aufgestellt haben, als sie irgendwo ankamen oder einfielen. Und dann kommt der Grund für mein plötzlichen, unterbewußtes Abschalten und dem daraus folgenden Umschalten auf den Discovery Channel. Immer noch sieht man Typ 1 und Typ 2 auf dem Dach stehen.

TYP 1: Und als die Deutschen Pearl Harbour bombardiert haben, da haben die sicherlich auch irgendwo danach ne Fahne gehisst.
TYP 2 (exstatisch): YEEEEEEEEEAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHH!

Erst glaubte ich mich verhört zu haben, dann war ich beschämt, dass ich Wrestling geguckt hatte, dann sah ich zwei Giraffen Liebe machen (Discovery Channel) und dann, als Finale, wurde mir mal wieder klar, in was für einem Land ich zur Zeit bin.

Irgendjemand, wahrscheinlich ein Amerikaner, hatte diese Zeilen für die beiden Schauspieler/Wrestler geschrieben, irgendjemand muss sich darüber Gedanken gemacht haben. Und dieser Irgendjemand muss in Geschichte gepennt haben.

Oder er war gerade bei Wrestling Training, als der Zweite Weltkrieg durchgenommen wurde.

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