Komm flieg mit mir

07:26 – So, dann sitze ich jetzt wohl an Bord von British Airways Flug BA 935 von Düsseldorf nach London Heathrow. Ein halbes Jahr Vorbereitung nimmt sein Ende, vier Monate Auslandssemester stehen in den Startlöchern. Aber es war, wie kann es anders sein, ein Start mit Hindernissen. Christiane und ich sind um drei Uhr aufgestanden, haben getrödelt, sind um kurz vor vier Uhr losgefahren und dachten, wir würden die letzten am Check-In sein. Weit gefehlt; wir waren mit die ersten und unsere Anwesenheit am Check-In Schalter hatten wir zumindest den Angestellten von BA voraus.

Nach einem Minimalfrühstück bei McDonalds stellten wir uns dann wieder an, nur um zu erfahren, dass BA ein Problem mit dem Computersystem zur Erfassung der Fluggastdaten hatte und daher alles handschriftlich abwickeln musste. Ich zog mein elektronisches Ticket und konnte dann mein Gepäck aufgeben. Und dann folgte die härteste Prüfung, die einzige, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Ich musste mich von Christiane verabschieden.

Das will ich nie wieder machen müssen, nie wieder. Es gibt nichts Schlimmeres als auf wieder sehen sagen zu müssen, vor allem einem Menschen, den man so sehr liebt, wie ich Christiane. Sie müsste jetzt auf dem Weg nach Hause, oder zu ihren Eltern, sein und ich hoffe, sie fährt vorsichtig.

In 84 Tagen, ungefähr um 12 Uhr mittags, sehen wir uns wieder. Das könnte mit weitem Abstand die schlimmste Zeit meines Lebens werden. Ich vermisse dich schon jetzt mehr als du dir vorstellen kannst und wäre nirgends lieber, als neben dir im Auto. Ich denke an dich, immer und überall. Nichts wird uns trennen können – schon gar nicht ein Auslandssemester.

Es scheint als würde wir starten wollen, also mit wir meine ich jetzt den Kapitän des Flugzeuges. Aha, da ist die Stewardess, ich muss den Mac ausmachen. Bis später dann, liebes Tagebuch!

10:30 (England) – Neues Flugzeug, neues Glück. Mein Flug von Düsseldorf nach London startete erst mit einstündiger Verspätung, weil das Wetter in der Rhein-„Metropole“ so schlecht war. Die verlorene Zeit konnte der Pilot auch nicht wieder einholen, obwohl er mit einem rasanten Speed zum Einparken an das Gate in Heathrow fuhr. Das hätte ein astreiner Boxenstopp auf Formel 1-Niveau werden können, wenn nicht knapp 130 Leute ausgestiegen und zu den Anschlussflügen, oder nach Hause, oder in den Urlaub, oder sonst wo hin geeilt wäre.

Dann musste man durch eine Kontrolle (wg. Flüssigkeiten), in einen Bus, zehn Minuten von Terminal 1 zu Terminal 4 fahren und noch mal ein paar Kilometer laufen. Dann noch mal durch eine Kontrolle, bei der meine Laptoptasche komplett aus- und wieder eingepackt werden musste – und dann endlich in den Flieger.

Jetzt sitze ich hier – in einem Minisitz mit einer Beinfreiheit über die sich nicht mal ein Zwerg freuen würde; dafür aber mit meinem eigenen kleinen Bildschirm im Vordersessel. Und gleich kommt Mission Impossible III; mal sehen, ob ich den noch erlebe. Werde mich jetzt mit Drogen voll pumpen und schlafen wie ein Stein. Hoffentlich. Acht Stunden Flugzeit liegen vor mir, mein Magen knurrt, ich habe Durst und vor allem vermisse ich meine bessere Hälfte, die zur Zeit möglicherweise zuhause in Dortmund ein kleines Nickerchen macht, weil sie heute mit mir um drei Uhr aufgestanden ist.

12:02 (ich schätze Eastern Standard Time) – Nur noch zwei Stunden Flug trennen mich von meiner neuen Heimat auf Zeit, zwei Stunden noch bis zum Touchdown auf amerikanischem Boden.

Der Flug ging bis jetzt recht gut vorbei, ich hab sogar knapp zwei Stunden schlafen können; eine Premiere auf einem Langstreckenflug. Über das Essen in 10.000 Metern Höhe muss man eigentlich keine Worte verlieren – es ist halt Airline-Essen. Nur der Bananen-Sahne-Kuchen zum Nachtisch war der Hammer, nicht mal eine hübsche Frau im Schokoladenmuseum kann so scheiß süß sein.

Die letzten zwei Stunden Flug werde ich jetzt auch noch rum bekommen, dann geht’s durch die Einreisekontrollen und den Zoll, dann werde ich mein Gepäck holen können und hoffentlich ab 16.30 Uhr im Mietwagen auf dem Weg nach Charlottesville sein, so Gott, oder in diesem Fall wohl auch Allah und der Rest der Passagiere, wollen. Noch herrscht hier zumindest keine Bombenstimmung an Bord.

14:15 – Anschnallen, Anflug, Landung – zack, zack, zack. Butterweich setzte der werte Herr Pilot die Maschine auf amerikanischen Boden. Dann ging es durch die Einreise-Kontrolle, durch die ich ohne Probleme durchkam. Mein Gepäck war schon vor mir angekommen und so konnte ich direkt zum erstbesten Telefon rennen, um Deutschland anzurufen.

Danach (und jetzt mach ich das im Schnelldurchlauf, sonst komm ich nicht mehr hinterher) holte ich meinen Mietwagen ab, spulte die knapp 100 Meilen von D.C. nach Charlottesville in meinem riesigen SUV ab, fand das Zimmer der anderen Dortmunder Sebastians im IRC (International Residential College) und zog kurzerhand dort ein, weil mein Zimmer erst am nächsten Tag bezugsfertig sein sollte. War es dann auch…

Nach einigem „rumgecruise“ durch die verschiedenen Malls (Einkaufszentren) und Abstechern zu Wal- und K-Mart, nur um zu merken, dass vier Äpfel fünf Dollar kosten, fiel ich ins Bett und schlief den Schlaf der Gerechten. Zumindest bis kurz vor acht Uhr morgens, als mich meine innere Deutschland-Uhr aus eben diesem Schlaf riss. Um acht Uhr aufstehen hat was für sich, dass muss ich sagen. Ich war um kurz nach 12 Uhr mit allem fertig, was ich für den Tag geplant hatte. Dann kam das erste große Problem: was soll man mit der restlichen Zeit machen? Na, was wohl, einkaufen halt, wie jeder gute Amerikaner es tun würde. Also wieder rein in den Truck und wieder durch die Malls und Marts. Das wurde dann auch irgendwann langweilig und teuer, also fuhr ich nach Hause und räumte mein Zimmer(chen) ein, was aber auch irgendwie so gar nicht spannend war. Da ist man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – und einem fällt nichts Spannendes ein. Sachen gibt’s.

So, dass war der Flug und die ersten beiden Tage im Schnelldurchlauf. Ich komm einfach noch nicht ganz hinterher. Nicht das es hier viel zu tun gibt, aber irgendwie ist der Tag trotzdem „packed“.

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One Response to Komm flieg mit mir

  1. Marius sagt:

    Lese ja seit einer Weile regelmäßig deine Seite und muss sagen, dass es ganz interessant ist, da ich nämlich in ca. einem Jahr ein ganz ähnliches Vorhaben realisieren muss. Ob es wirlich die USA werden, oder doch eher was spanisches steht zwar nicht fest, aber trotzdem gut zu wissen, was man dabei alles bedenken muss. Also eigentlich könnte ich mal Danke sagen für all die Tipps und Anregungen.
    Achja, und Kopf hoch wegen des Abschieds. Ich bin damals für en Jahr ins Austauschjahr und auch das geht vorbei. Und wenn ich mich recht erinner, wllte sie dich doch eh besuchen kommen?

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