Duschen im Flugzeug

Duschen im Flugzeug war ja bis jetzt nicht wirklich möglich. Seit vorgestern ist es absolut unmöglich, da man ja nur noch seinen Pass und ein paar wichtige andere Dokumente mit ins Handgepäck nehmen kann – zumindest auf Flügen aus und nach Amerika. Toll, und ich wollte mir ein richtig heißes Bad irgendwo über dem Atlantik einlaufen lassen…

Das alles hat aber natürlich wieder mal einen ernsten Hintergrund; und ernst heißt im Fluglinien-Business terroristisch. Fünf Jahre war Ruhe, zumindest bekam Otto-Normal-Verbraucher nichts mit. Und prompt, genau eine Woche, bevor ich von Düsseldorf über London-Heathrow nach Washington fliegen will, überlegen sich 24 junge Muslime: „Och, jagen wir mal wieder nen paar Flugzeuge in die Luft.“

Ohne Scheiß, spinnen die? Jetzt kann ich weder meinen iPod, noch meinen Laptop mit ins Handgepäck nehmen und muss das Ganze am Schalter aufgeben – Folgeschäden durch unsachgemäßes Rumschmeißen meiner Koffer inklusive. Ich will ja jetzt keine Feindbilder bestätigen, aber ohne den Laptop würde ich in den Staaten echt nicht klar kommen. Angefangen bei der Kurswahl bis hin zur Mietwagenreservierung – alles läuft über Computer. Und wenn meiner kaputt geht, weil ein paar Fanatiker (ich will jetzt nicht Verrückte sagen, denn ich denke, dass sie genau das leider nicht sind) sich überlegt haben Flugzeuge in „mid-air“ zu sprengen, dann find ich das scheiße.

Sollte ich irgendwo über dem Atlantik sterben, dann kann ich das nicht mehr scheiße finden, aber ich denke und hoffe, dass es andere verdammt scheiße finden werden.

Terrorismus ist unvermeidbar in einer Welt, die trotz globaler Vernetzung immer weiter auseinander treibt und tiefe kulturelle und soziale Gräben hinterlässt. Und für einige wenige ist diese Form der Politik auch die einzig legitime.

Aber mal ehrlich, wollt ihr mich verarschen, meint hier irgendjemand, dass sich etwas ändert, nur weil ein 25-jähriger Student zusammen mit seinem Laptop mitten über dem Meer abstürzt? Oder der 69-jährige Rentner, oder die 23-jährige Stewardess, oder der 5-jährige kleine Junge mit seinem Stoffteddy, oder die 41-jährige Frau, die für ihre Firma unterwegs ist?

Oder der 17-jährige Jude, die 56-jährige Muslime, der 30-jährige Christ, die 15-jährige Buddhistin, der 82-jährige Hindu?

Oder der Soldat, der Hilfsarbeiter, der Professor, der Manager, der Priester, der Anwalt, der Mechaniker, der Schlosser, der Lehrer, der Schüler, der Pilot, der Arbeitslose, der Künstler?

Nein, es ändert sich dadurch nichts. Denn diese Form der Politik stößt nicht auf Verständnis, nicht auf Achtung. Unverständnis, Kopfschütteln, Angst, Hass und Wut sind die Antworten, die man durch eine solche Meinungsäußerung erzielt. Unschuldige sollen für eine Idee sterben, an die sie nicht glauben. Sie werden zu Werkzeugen von Menschen, die alles tun würden für eine Idee, einen Glauben, eine Hand voll Dollar.

Ich habe kein Verständnis für euch – ich verstehe nicht eure Beweggründe – und ich respektiere nicht eure Methoden. Und ich hoffe, dass sehr viele Menschen ähnlich empfinden und wir uns irgendwann einmal zusammen reißen können und aus dem, wie ich es nenne, zweiten Mittelalter heraus zusammen in eine bessere, sichere Zukunft gehen können.

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2 Responses to Duschen im Flugzeug

  1. Mum sagt:

    Dieser Eintrag ist super – du siehst die Sache genau richtig! Heute ist einer der „Gasflaschen-Bomber“ verhaftet worden – er wollte die Bombe auf dem Kölner Bahnhof zurücklassen und das Weite suchen, was besonders mutig ist. Er ist 21 Jahre alt und stammt aus dem Libanon. Ob seine Mama auf ihn stolz sein kann??

  2. Christian sagt:

    Word!

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