Amerikanischer Boden

Gegen 7.45 Uhr weckte mein unbarmherziger Wecker Christiane und mich. Knapp 220 km, oder zweieinhalb Stunden Fahrt lagen vor uns. Das Ziel: Frankfurt am Main, genauer gesagt, die Gießener Straße 30, noch genauer, die US Botschaft.

Heute war der große Tag, das Visums-Interview stand an und ich war nervös wie sau. Gott-sei-Dank hatte ich Christiane dabei, die mir ein bisschen was an fehlender Ruhe zurück gab und zwei Stunden vor der Botschaft und im Auto auf mich wartete.

Die gute Nachricht aber mal vorweg: Ich hab mein Visum bekommen. Es sollte noch diese Woche in der Post sein. Der letzte große Schritt in Richtung Auslandssemester in Virginia ist geschafft.

Um 11.30 Uhr kamen wir in Frankfurt an und fanden die Botschaft sofort, map24 sei Dank. Dann folgte behördliches Schlangestehen, oder besser Schlangesitzen par Excellence:

Noch vor dem ersten Schalter bekam ich einen Zettel mit einem Buchstaben. Nachdem ich meinen Pass am ersten Schalter vorgezeigt hatte, bekam ich einen Zettel mit einem Buchstaben und drei Zahlen (T-252). Damit stellte ich mich in der nächsten Schlange an. Dann wurden wir in einen Raum geführt, der einem internationalen Flughafen in nichts nachstand. Zuerst mussten ich und drei weitere Visums-Kandidaten alles aus unseren Taschen ausleeren, den Gürtel ausziehen und durch eine Sicherheitsschleuse gehen. Unsere Sachen wurden zusätzlich auch noch mal gescannt.

Dann durften wir uns wieder anziehen und ins nächste Gebäude, das eigentliche Visums-Gebäude, wie sich herausstellte. Verdienter Kuss nach bestandenem Visums-InterviewHier musste man sich hinsetzen und warten, bis die Nummer auf dem Display erschien. Als ich rein kam stand gerade T-221 auf einer der Tafeln an der Wand der großen Halle. Also war Warten angesagt.

Nach einer Stunde erschien meine Nummer und ich musste zu einem Schalter gehen und alle meine Dokumente abgeben. Die nette Dame hinter der Glasscheibe guckte sich alles an, riss die Hälfte von meinem Nummern-Zettel ab und meinte, ich solle warten, bis meine Nummer ein zweites Mal aufgerufen würde.

Also wartete ich noch mal knapp 45 Minuten. Wieder leuchtete die T-252 auf, ich ging zu Schalter 9, musste erst den linken, dann den rechten Zeigefinger auf einen Scanner legen. Dann kam das „Interview“.

Aus dem Gedächtnis abgeschrieben sah das ungefähr so aus:

Damen hinter Glas (DHG): Was studieren Sie in Deutschland?
Ich: (mir viel das Wort nicht mehr in deutsch ein) cultural studies.
DHG: What kind of cultures?
Ich: All the cultures of the world.
DHG: What is culture for you?
Ich: Culture is in everything that people create.
DHG: What will you be studying in the US?
Ich: I hope to take a deeper look into cultural studies and also hope to encounter different points of view in the US.
DHG: How long have you been studying here in Germany?
Ich: (leicht überfragt) I think I am in my seventh semester. Or no, my eighth. Yeah, my eighth.
DHG: Ihr Visum wird Ihnen diese Woche zugeschickt. Einen schönen Tag noch.

Das war’s. Das war das Interview. Dann durfte ich gehen. Wieder aus dem Gebäude raus und durch die Security-Halle zurück auf deutschen Boden. Dabei hat Christiane auch das Foto geschossen. Ich finde, es sieht so aus, als käme ich aus dem Knast und wollte mich vor lästigen Papparazzo schützen. In Wirklichkeit regnete es aber nur.

Happy, dass ich mein Visum nun sicher hatte, fuhren Christiane und ich erst in die Stadt, schauten uns Wolkenkratzer und H&M in „Mainhattan“ an, aßen einen kleinen Happen und heizten dann zurück nach Hause. Wir bekamen noch Karten für die Abendvorstellung von „Fluch der Karibik 2“, Christiane bekam das positive Ergebnis einer Klausur, von der sie sich sicher war, dass sie durchgefallen war und alles war gut an diesem anstrengenden Tag, der um 7.45 Uhr in Dortmund begann und nun, um 1.40 Uhr auch wieder in Dortmund endet.

Mein Fazit zum Visum und dem Visums-Interview: Man muss sich vorher gar keine Sorgen machen. Wenn man alle Formulare dabei hat und ein bisschen was erzählt, hat man das Ding ruck zuck in der Tasche (beim Interview muss man übrigens nicht englisch sprechen).

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