Hallo, ween interessierts

Oktober 31, 2006

Kein Online-Tagebuch über ein Auslandssemester in den USA wäre komplett ohne diesen Eintrag. Zumindest, wenn man im Wintersemester an einer US-Uni studiert, bei einer Familie Au-Pair macht oder einfach mal in die Staaten gezogen ist, nur so halt.

Heute ist Dienstag, der 31. Oktober 2006. Ein Dienstag ist ja von Natur aus nichts Besonderes. Und als Deutscher sieht man auch im Datum nicht wirklich etwas Spezielles. Wenn man dann aber auf dem Weg zu einer Vorlesung von einem Bekannten mit den Worten „Happy Halloween“ begrüßt wird, erkennt man, was für eine besondere Bedeutung diese Tag hat – und das obwohl es ein Dienstag ist.

Auch Professoren verteilen CandyMittlerweile versuchen wir in Deutschland ja auch Halloween zu feiern. Das funktioniert ungefähr genauso gut, wie Oktoberfeste in Amerika. Die, zumeist amerikanische, Industrie gaukelt dem Deutschen vor, er brauche Halloween, damit die Zeit bis Weihnachten nicht so lange ist und schmückt Einkaufspassagen mit nett-gruseliger Deko in den Traditionsfarben Orange und Schwarz. Nur, zweifarbig dekorieren bringt noch lange nicht das Besondere eines fremden Festes ins eigene Land – auch hier wieder ein Verweis auf die Oktoberfest-Manie in den Staaten, wenn es Bier aus blau-weißen Plastikbechern gibt und überall blau-weiße Girlanden in der Gegend rumhängen.

Zurück zu Halloween:

„Halloween“ hat übrigens nichts mit „Hallo“ zu tun, sondern ist die Kurzform von „All Hallows Eve(ning)“, zu deutsch: der Abend vor Allerheiligen.
(Zwiebelfisch-Kolumne/spiegel.de)

Besser hätte ich das auch nicht erklären können, weil ich es vorher nicht wusste. Wer eine ausführliche Beschreibung haben möchte, dem lege ich wie immer Wikipedia ans Herz. Und ha, ich verlinke den Artikel nicht, damit sich der geneigte Leser selbst die Mühe machen muss, nach dem Halloween-Artikel bei Wikipedia zu suchen. Trick or treat halt.

In einem Blog, von dem man (und ich als USA-Student ganz besonders) viel lernen kann, ist eine sehr schöne Erklärung, warum Halloween eines der schönsten Feste im Jahr ist:

Halloween ist ein reines Kinderfest. Das geht beim Übergang in andere Kulturen oft verloren und auch in den USA und Kanada gibt es immer mehr Teenager- oder Erwachsenen-Partys.

Halloween ist nicht religiös oder politisch. Das folgt eigentlich aus dem ersten Punkt – Kinder sind bekanntlich noch zu nah an Gott, um sich Sorgen um Religion zu machen – sollte aber betont werden.
(usaerklaert.wordpress.com)

Wie der Autor der „USA erklärt“-Blogs schon ganz richtig sagt, wird das Export-Halloween von einem Kinderfest zu einem Fest für alle Altersschichten, die ganz Alten mal ausgenommen. Gerade in Deutschland gibt es in jeder Dorfdisco eine Halloween-Party, von den zahlreichen privaten Mottopartys ganz zu schweigen. Auch hier in den USA werden solche Parties gefeiert, gerade an der Uni wird jede Möglichkeit, sich besinnungslos zu saufen, gerne genutzt. Nur finden die Partys meist an dem Wochenende vor Halloween statt, was den 31. Oktober zu einem (fast) reinen Kinderfest mit extremer Karies-Gefahr für die Jüngsten macht.

The Lawn an HalloweenAn der University of Virginia sind die Studenten noch einen Schritt weiter gegangen. Sie überlassen den Kindern nicht nur den Feiertag, sie helfen auch noch aktiv mit den Zahnärzten volle Terminkalender zu bescheren. Ich hatte heute um 16.45 Uhr Schluss und machte mich auf den Weg nach Hause. Mein Weg führt mich am Lawn vorbei, dem lang gezogenen Rasenstück an dessen Ende die von Thomas Jefferson entworfene Rotunde steht. Auf beiden Seiten des Lawns wohnen Studenten in alt-ehrwürdigen Anbauten, die Jefferson als „akademisches Dorf“ bezeichnete (US-Präsident Wodrow Wilson und Schriftsteller Edgar Allan Poe wohnten auch dort). Damit die Eltern nicht mit ihren Kindern durch die Nachbarschaft ziehen müssen, können alle Kinder ab dem späten Nachmittag auf den Lawn kommen und in ihren Kostümen Runde um Runde drehen und von den Studenten, die vor ihren Zimmern sitzen, Süßigkeiten bekommen.

Das gliedert nicht nur die Studenten in die Gemeinschaft ein, sondern hilft den Eltern, die sich einiges an Zeit ersparen können und durch die intensive Candy-Bewirtung der Studenten die Tüten der Kinder in einem Bruchteil der Zeit voll haben – böse Zungen behaupten, dass die Eltern eher für sich als für die Kinder sammeln.

Mr. Incredible - einer von vielen UnglaublichenLeider haben nur wenige Erwachsene vorher Zeit Kostüme selbst zu machen, weshalb man viele Kinder in 0815-Verkleidungen sieht. Gut, die kosten auch nur zehn Dollar. Für das Geld bekommt man hier nicht mal Nadel und Faden, um selbst ein Kostüm zu schneidern. Daher konnte ich heute zahlreiche Supermänner, Scream-Masken-Träger, Powerranger, Prinzessinen, Engel, Spidermänner und Darth Vaders bewundern. Am besten gefielen mir aber die Kostüme der Kleinsten, die Kinder, die noch nicht mal wissen, dass es Halloween gibt; die aber schon von ihren Eltern in Ganzkörperkostüme gesteckt werden. Topfavorit an diesem Abend war uneinholbar ein kleiner Junge, dem als Löwe verkleidet, immer wieder die Kapuze ins Gesicht fiel bzw. sein Schwanz irgendwo hängen blieb. Beides sorgte für zahlreiche Lacher und Gott-sei-Dank ist es auch nicht so schlimm, wenn man hinfällt, da man ja eh nur 80 Zentimeter groß ist und in einem flauschigen, gepolsterten Löwenkostüm steckt. Ein Foto hab ich davon aber nicht gemacht, weil ich mir dann doch zu sehr wie ein Stalker vorkam.

Nach zwanzig Minuten auf dem Lawn war Halloween aber auch schon wieder vorbei, zumindest für mich. Während ich jetzt hier sitze und über einem Paper zum Thema „Kuba Krise“ nachdenke, reiben sich die Zahnärzte überall auf der Welt die Hände – denn nach heute gibt es wieder einiges zu tun.

Zum Schluss aber noch der Tiefpunkt der Halloween-Festivitäten, den man so wahrscheinlich 1:1 in Deutschland finden wird (und von dem ich sehr überrascht war, ihn in den Staaten anzutreffen):

Ein Zimmer verteilte natürlich Zahnbürsten anstatt Kaugummi, Lakritz, Marshmallows, Candy, Lollies und anderer vorzüglicher Süssigkeiten. Mir taten weniger die Kinder leid; diese beachteten den Gesundheits-Stand gar nicht. Eher hatte ich Mitgefühl mit den Studenten, denn sie hatten das Prinzip von Halloween aber mal so gar nicht verstanden. Halloween ist der einzige Tag an dem man Süßigkeiten essen darf, OHNE über die Konsequenzen nachdenken zu müssen und OHNE von den Eltern einen auf den Deckel zu bekommen; da haben Zahnbürsten nun wirklich nichts zu suchen.

Das komplette Fotoset gibt es hier.


Don’t Hassel the Hoff

Oktober 29, 2006

Es ist ja bald Halloween hier in den USA – und wenn man sich nach einem guten Kostüm umschaut, findet man eigentlich außer den üblichen (amerikanischen) Verdächtigen nichts. Sprich Superman, Spiderman, Sumoringer, Polizist, Feuerwehrmann und sämtliche Comicfiguren. Ich werde mich zwar nicht verkleiden, hatte mir aber trotzdem Gedanken gemacht, was für eine Verkleidung ich wählen würde, wenn ich mich denn verkleiden würde.

Und da gab es eigentlich nur eine Wahl, bei der zwei Faktoren mit reinspielen. Zum einen bin ich ein Deutscher – und zum anderen sind die Amerikaner bescheuert. Punkt eins bedarf keiner Erklärung, Punkt zwei seit G.W. Bush (eigentlich) auch nicht mehr, aber hier muss ich einen anderen Ansatz wählen.

Wer schon mal den Film „Dodgeball“ (dt. Titel: „Voll auf die Nüsse“) gesehen hat, wird sich erinnern, dass die Deutschen im Dodgeball-Turnier David Hasselhoff als ihr Idol dabei haben. Ein Bekannter von mir war im vergangenen Jahr in den USA und der Deutsch-Club machte mit einem Bild von Hasselhoff Werbung nach dem Motto: „Ein guter Grund warum Deutschland cool ist!“.

Lange Rede, kurzer Sinn, die Amerikaner denken, dass David Hasselhoff ein Deutscher ist. Warum auch immer. Außerdem denken sie, dass David Hasselhoff in Deutschland ein absoluter Top-Star ist. Das stimmt ja irgendwie beides nicht.

Noch mal lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte mir also überlegt, dass, deutsch wie ich bin, ich mich (wenn überhaupt) als David Hasselhoff verkleiden würde. Auf einer kleinen Recherche-Tour durchs Netz habe ich dann diese Seite gefunden: lovethehoff.com. Und auf dieser Seite habe ich dann auch das neue Video von Michael Knight Mitch Buchannon David Hasselhoff gefunden, mit dem er in England auf Nummer drei in die Charts eingestiegen ist. Unglaublich!

Ich hab es erst für eine gut gemachte Verarsche gehalten, aber weiteres Nachforschen hat ergeben, dass David Hasselhoff doch tatsächlich ein so selbstironisches Lied rausgebracht hat – irgendwie könnte er doch ein Deutscher sein.

Hier das Video (man muss es wirklich ganz gesehen haben):

 


Preis runter, Punkte rauf

Oktober 24, 2006

George W. Bush und seine Regierung scheinen sich noch mal ordentlich ins Zeug zu legen, um die, für die Midterm-Wahlen im November medial erwartete, Niederlage der Republikaner abzuwenden.Und wie macht man das am besten in Amerika? Natürlich, über den Spritpreis. Wenn der runter geht, gehen die Sympathiepunkte für den Präsidenten und seine Partei nach oben – davon profitieren dann auch die Politiker, die sich im November wählen lassen wollen. (Die Wahl ist zwar eine Midterm-Wahl; die Präsidentenwahl steht erst in zwei Jahren an, wird aber schon einen kleinen Trend zeigen können.)

Ich hab also vorhin den Jeep betankt. Nichts ungewöhnliches bei einem 40l-Tank und einem Durchschnittsverbrauch von 16l/100km. Ich hatte nur einen Zehner dabei, aber das macht hier absolut nichts, denn mit einem Zehn-Dollar-Schein kann ich den Jeep halb voll tanken. Als ich den Tankstutzen in die Öffnung schob (pervers, oder?) und auf die Anzeige schaute, wollte ich meinen Augen nicht trauen:

Da stand doch tatsächlich 1.96 Dollar für eine Gallone. Wieviel für wieviel wird sich jetzt das deutsche Publikum fragen. Ich rechne es mal fix um:

1,96 Dollar = 1, 56 Euro
1 Gallone = 3,78 Liter

Und jetzt, haltet euch fest – das macht einen Literpreis von sage und schreibe 41 Cent. Einundvierzig! Für die, die es immer noch nicht glauben: 41, 41, 41, 41, 41…

Wenn die Große Koalition den deutschen Spritpreis auf 41 Cent senken würde, wäre das nächste Wahlergebnis bei uns auch keine Überraschung mehr… Irgendwie sind wir doch alle gleich. Schön ist das. Und für 41 Cent pro Liter tanken ist noch mal doppelt-schön.


Entdecke die Möglichkeiten

Oktober 22, 2006

Ich bin jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten hier an der University of Virginia in Charlottesville. Zwei Monate sind eine lange Zeit, vor allem wenn man seine Freundin nicht dabei hat, seine Familie und Freunde nicht sehen kann.

Glücklicherweise leben wir aber im Kommunikationszeitalter. Kommunikation, wird jetzt mancher sagen, ist ja schön und gut. Da aber mehrer tausend Kilometer zwischen den USA und Deutschland liegen, kann das Ganze ja nicht so günstig sein. Das ist wahr, aber auch wieder nicht wahr.

Ich hab mal eine Liste der Möglichkeiten zusammengestellt, die mir die Kommunikation mit meinen Leuten zuhause ermöglichen. Die Auswahl geht von umsonst bis hin zu ziemlich teuer.

Skype

Ohne Skype wäre das Auslandssemester für mich ungleich schwerer. Ohne Skype wäre es vielleicht sogar ziemlich aussichtslos. Für alle, die noch nichts von Skype gehört haben, hier eine kurze Erklärung: Skype ist eine sogenannte VoIP-Software, die es einem ermöglicht kostenlos mit anderen Sskype.com // all rights with skype.comkype-Teilnehmern zu telefonieren. Die neusten Versionen für PC und Mac bietet zusätzlich die Möglichkeit eine Webcam anzuschließen, damit man sich beim telefonieren sehen kann – und das macht das ganze zu einer der besten Arten mit den Liebsten zuhause zu reden. Denn die Stimme des Gegenübers zu hören ist schon sehr schön. Wenn man dann noch das Gesicht sehen kann, ist es fast, als sei man da. Videotelefonie ist eine der genialsten Erfindungen, wenn man für ein Semester ins Ausland geht.

Zudem bietet Skype die Möglichkeit von seinem Computer aus jedes Handy und jeden normalen Festnetzanschluss anzurufen. Leider ist dies nicht kostenlos (zumindest außerhalb der USA) und man muss sein Konto über die Kreditkarte oder PayPal aufladen. Wenn ich aber von hier aus Christiane auf dem Handy in Deutschland anrufe kostet mich das knapp 20 Cent die Minute. Das würde ich auch zahlen, wenn ich ein Handy mit Prepaid-Karte in Deutschland hätte.

Vorteile: Videotelefonie, Dateien versenden, kostenlos, Anrufe zu normalen Telefonen gegen geringe Gebühr
Nachteile: Mikro/Webcam werden benötigt

ICQ/AIM/MSN etc.

Programme wie ICQ, der AOL Instant Messenger oder MSN sind auch ganz nett, können aber Skype in ihren Funktionen nicht übertreffen, ja noch nicht mal heranreichen. Das heißt nicht, dass man diese Programme nicht haben sollte. Skype hat zwar auch eine Chatfunktion, ICQ eignet sich zu diesem Zweck aber deutlich besser. Aber wer will denn schon chatten, wenn man telefonieren und sich sehen kann? Also ich nicht.

Vorteile: chatten kann Spaß machen; mehrere „Gespräche“ parallel
Nachteile: unpersönlich

Jajah.com

Jajah.com ist eine von vielen Seiten im Netz, die es einem mittlerweile ermöglichen kostenlos von Festnetz zu Festnetz überall auf der Welt zu telefonieren. Bei Jajah muss man sich einmalig anmelden und kann dann mit anderen Jajah-Nutzern kostenlos telefonieren. all rights reserved by jajah.comDer einzige Nachteil ist dabei jedoch, dass man nur eine Stunde am Tag zur Verfügung hat – danach kostet jeder Anruf von Festnetz zu Festnetz 2 Cent. Auch noch ganz günstig eigentlich, oder? Gespräche ins deutsche Handynetz kosten 19,5 Cent. Jajah eignet sich perfekt, um dem Freund/der Freundin gute Nacht zu sagen, wenn er/sie schon im Bett liegt.

Man selbst muss jedoch zumindest noch den Computer angeschaltet und online haben, denn um über Jajah telefonieren zu können, muss man sich unter jajah.com einloggen und die Verbindung herstellen. Sobald man das gemacht hat, schellt das Telefon. Man nimmt ab und hört eine Stimme sagen: „Jajah is connecting your call“, ein paar Sekunden später schellt das Telefon des Freundes/ der Freundin und man kann kostenlos telefonieren – zumindest eine Stunde lang.

Vorteile: kostenlos telefonieren bzw. sehr günstig telefonieren
Nachteile: ein Teilnehmer muss online sein, nur eine Stunde kostenlos

E-Mail

Der Klassiker. Als ich vor 1998 in den USA an der High School war, habe ich mir meine erste E-Mail Adresse zugelegt, meine Gastfamilie hatte einen AOL-Account all rights reserved by thinkquest.orgund ich für kurze Zeit die Adresse coyote5881@aol.com. Wieso coyote? Weil mit absolut nichts einfiel, was ich als Adresse benutzen konnte – das ganze Prinzip einer E-Mail war mir zu dem Zeitpunkt noch schleierhaft. Jetzt, acht Jahre später, ist elektronische Post ein Teil des alltäglichen Lebens geworden, vor allem, wenn man an einer amerikanischen Uni studiert.

Ohne eine E-Mail Adresse würde man hier absolut nichts hin bekommen. E-Mail eignet sich natürlich auch für den Kontakt nach Hause, vor allem, wenn man etwas auf dem Herzen hat und nicht direkt Kontakt aufnehmen kann (bei sechs Stunden Zeitunterschied ist das öfter der Fall). Zudem kann man bei E-Mails auch wieder Anhänge dran packen, z.B. Bilder des letzten Ausflugs. Wobei ich hierfür flickr.com empfehlen würde.

Vorteile: schneller als ein Brief; man kann schwierige Sachverhalte erklären
Nachteile: keine „Unterhaltung“, unpersönlicher als ein Brief

SMS

Ich als Europäer bin ja so ein SMSer. Auch wenn SMS mittlerweile mehr als doppelt so teuer sind wie als sie eingeführt wurden, versende ich sie weiterhin. Und mit mir ganz Europa, vor allem Deutschland. In Amerika wird darüber gelächelt, ich hab schon öfter die Frage gestellt bekommen, ob wir verlernt hätten, miteinander zu reden – dazu sei gesagt, dass in den USA viel mehr vom Handy telefoniert wird als in Deutschland. SMS werden nur im Ausnahmefall benutzt – eher schon wird das Voicemail-System angewendet, eine Art Anrufbeantworter, bzw. die gute alte Mobilbox.

SMS von meinem deutschen Handy (T-Mobile), welches ich hier in den USA auch benutze, nach Hause zu schicken (auf ein T-Mobil-Handy) kostet mich knapp 70 Cent pro SMS. Daher sollte man das heimische Handy nur in Ausnahmefällen zum SMSen benutzen. Besser sind da web-basierte SMS-Dienste, wie z.B. bei den großen E-Mail-Anbietern web.de oder GMX. Im Fall von web.de kann man (wieder per Kreditkarte) webpointscents aufladen und dann SMS verschicken. Jede Nachricht kostet dann nur 15 Cent und man bekommt eine Bestätigung per E-Mail, dass die SMS versendet wurde. Zudem gibt es verschiedene Tools (für Mac und PC), die es einem ermöglichen direkt vom Desktop aus (oder dem Dashboard beim Mac) die SMS über web.de oder GMX zu verschicken, ein einloggen beim E-Mail-Anbieter entfällt also komplett – solange man mit dem Internet verbunden ist.

Vorteile: SMS überall auf der Welt günstig wie zuhause, Eingabe direkt über Desktop/Dashboard, Adressbuch
Nachteile: Computer mit Internetanschluss wird benötigt

Handy

Internationale Gespräche von Handy zu Handy sollte man vermeiden, egal ob beide beim selben Anbieter sind, oder nicht. Dabei können die Kosten sehr schnell explodieren – Minutenpreise um die 1.50 Euro sind keine Seltenheit. Oft muss man auch (wenn man im Ausland ist) für angenommene Gespräche bezahlen. Also davon lieber die Finger lassen.

Vorteile: mobil erreichbar, weltweit
Nachteile: schweineteuer

Telefonkarten

Da hab ich ehrlich gesagt aufgrund von Skype etc. wenig Erfahrung mit. Ich habe aber gehört, dass es, wenn man die richtige Karte hat, auch sehr günstig sein kann. Tipps zu Telefonkarten in den USA gibt es hier, auch zur Benutzung dieser Karten, die ne Wissenschaft für sich ist.

Vorteile: Telefonieren von jedem Telefon aus; günstig
Nachteile: umständliche Nummerneingabe; Gespräch bricht einfach ab, wenn das Guthaben weg ist

Brief

Was gibt es schöneres als einen Brief zu erhalten. Handgeschrieben, vielleicht sogar parfümiert. Das schöne an Briefen ist Briefkastenzudem, dass sie Kleinigkeiten enthalten können, wie z.B. ein „echtes“ Foto, dass man sich an die Wand hängen kann. Natürlich muss man hier sagen, dass der Brief vom Aufwand her intensiver ist als die E-Mail oder eine SMS, aber genau das ist ja auch das Gute daran.

Wenn man eine E-Mail bekommt, ist man leicht dazu verleitet zu denken: „Ah, Person X hatte also ein paar Minuten nix zu tun und hat mal eben ne Mail geschrieben.“ Wenn man hingegen einen Brief (oder auch nur eine Postkarte) erhält, denk man: „Da hat sich jemand Mühe gegeben, etwas Zeit geopfert und scheint mich zu mögen.“ Ausnahmen – wie Briefe, in denen Schluss gemacht wird -gibt es natürlich immer. Aber selbst da ist es persönlicher als eine E-Mail, oder, Gott bewahre, eine SMS.

Vorteile: man hält etwas in Händen; altmodisch; aufwendiger als E-Mail; günstig (84 Cent USA-D)
Nachteile: dauert lange (oder kostet mehr, wenn Eilpost)

Paket

Pakete sind was tolles, denn sie bieten Dinge, die man anfassen kann. Ein Brief ist ja schön und gut, aber im Endeffekt sind es auch nur Worte. Ein Paket hingegen sind Taten. Jemand hat etwas gekauft, gebastelt, gemalt oder geklaut (soll es auch geben) und es einem zugeschickt – mit einer ganz bestimmten Absicht. Oft ist diese Absicht die Erinnerung an zuhause oder die Erinnerung an eine Person daheim, manchmal aber auch einfach eine Geste, um einem zu zeigen, dass man nicht vergessen worden ist.

Selbst wenn man ein Paket selbst bestellt hat, ist es toll, wenn der Postbote es vorbei bringt – das ist, meiner Meinung nach, auch die Erklärung für die riesigen Erfolge, die eBay seit seiner Gründung verbuchen kann – jeden Tag kann mit eBay Weihnachten sein. Und wenn man im Ausland ist, dann ist es wirklich wie Weihnachten, wenn man ein Paket mit Dingen von zuhause bekommt, z.B. eine Uhr, die auf deutsche Zeit eingestellt ist, oder ein Daumenkino, das einen küsst, wenn man es durchblättert. Natürlich ist das alles nicht kostenlos, vor allem nicht, wenn es sich um internationale Pakete handelt. Aber ein Paket kann manchmal mehr bewegen als 1000 E-Mails.

Vorteile: echte Gegenstände können versendet werden; jedesmal wie Weihnachten
Nachteile: teuer; dauert lange

Möglichkeiten zur Kommunikation gibt es also genug. Und egal wo man auf der Welt ist, die Freunde und Bekannten zuhause sind nur einen Anruf, eine Mail, einen Brief entfernt. Das sollte man nie vergessen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Man selbst freut sich ja auch über jede einzelne Aufmerksamkeit, die einem zukommt.

Oh, bevor ich das vergesse: ein Blog ist übrigens auch eine hervorragende Methode „in touch“ zu bleiben. Durch die Kommentar-Funktion kann daraus sogar beidseitige Kommunikation werden – und hier winke ich bewusst mit dem Zaunpfahl.


NYC kurz geblogged

Oktober 22, 2006

Da ich im Moment unseren (Chris und meinen) New York-Aufenthalt plane, hab ich mich ein bißchen im Netz umgeguckt, um mir ein paar Ideen zu holen. Und dabei bin ich über das kürzeste Blog der Welt gestolpert….

http://thost.wordpress.com

Dieses Pärchen, welches für dieses Blog verantwortlich zeichnet, ist für eine Woche in New York und schreibt darüber; einen Eintrag pro Tag (maximal). Das macht dann für eine Woche – kleinen Moment, ich rechne… maximal sieben Beiträge – und damit das kürzeste (ernstgemeinte) Blog der Welt. Im Endeffekt haben sie nicht mal einen Eintrag pro Tag geschrieben…


Amerika hat es gesehen

Oktober 20, 2006

ESPN war da, die Satellitenübertragung war aufgebaut, die Fans strömten ins Stadion und das Wetter spielte auch (halbwegs) mit.

Und selbst die Footballmannschaft der University of Virginia hatte einen guten Tag erwischt und spielte die North Carolina Tarheels mit 23-0 ziemlich an die Wand.

Die Schüssel steht - und ganz Amerika kann zugucken!Nationales Fernsehen lässt die Amis regelrecht durchdrehen. Im Vergleich zu einem normalen Spiel wurden mindestens zehn Mal soviele T-Shirts in Publikum geschossen, die Auszeiten dauerten mindestens zehn Mal so lang, wie bei einem normalen Spiel (da muss ja auch ein ganzer Werbeblock rein passen) und zehn Mal mehr Studenten hatten sich komplett mit orangener und blauer Farbe bemalt, um in einem Zwischenschnitt landesweit ins Fernsehen zu kommen. Schon den ganzen Tag merkte man eine eigenartige Anspannung, ich fragte mich die ganze Zeit, ob das wegen des Spiels oder wegen der Live-Übertragung war – im Endeffekt bin ich schlauer als zuvor; es war definitiv die TV-Ausstrahlung, die die Amis so begeistert hat. Selbst die schwebende Kamera, die an vier Stahlseilen über dem Spielfeld manövriert wird hatte ESPN mitgebracht…

Ich hab leider nicht so viele Bilder gemacht, wie ich erwartet hätte. Dafür aber ein Video vom Einmarsch der „Gladiatoren“. Vor dem eigentlichen Einlaufen prügeln dich die Maskottchen virtuell; man kann sich ja vorstellen, wer im Endeffekt gewinnt. Die Amerikaner finden so eine Show super und buhen und jubeln, je nachdem, wer gerade wem eine verpasst hat. Martin und ich wundern uns meist nur, wer soviel Zeit hat, so sinnlose Videos zu machen – man sieht aber zumindest, wohin die ganzen Millionen gehen, die jährlich an der University of Virginia für das Football-Programm ausgegeben werden.


Letzte Klausur und großes Spiel

Oktober 19, 2006

Gestern hab ich meine letzte Midterm Klausur geschrieben. Ich musste sechs Fragen zu amerikanischer Politik und dem politischen System der USA beantworten. Dafür hatte ich genau 50 Minuten, von denen ich ungefähr 49,5 Minuten benutzen musste – da war dann nichts mehr mit „noch mal drüber gucken“. Aber ich hab ein gutes Gefühl, ich wusste auf alle Fragen eine Antwort und konnte die meisten Antworten auch so gestalten, dass sie einem Politikprofessor gefallen könnten – auf Englisch gar nicht so einfach, selbst für mich als halbwegs „Native Speaker“.

Da ich seit der Schule nicht mehr so eine Streß-Klausuren-Zeit mitgemacht habe (an der Uni Dortmund konnte ich fast immer Hausarbeiten schreiben), bin ich jetzt ziemlich durch und werd wohl ein paar Tage brauchen, um meinen Schlafrhythmus wieder in Normalmodus zurück zu setzen.

Nicht dabei helfen wird wahrscheinlich das Footballspiel heute Abend. Jeder wird jetzt sagen: Es ist doch nur ein Footballspiel, nix besonderes. Es sind doch fast jedes Wochenende Footballspiele. Das ist schon richtig, aber heute Abend ist eines der zwei großen Spiele der Saison.

Im November steht das wirklich große Spiel (gegen Miami) an, dazu aber in einem eigenen Eintrag mehr.

Heute ist das einzige Abendspiel an der University of Virginia und das Stadion wird absolut ausverkauft sein. Zudem wird das Spiel im nationalen Fernsehen übertragen (ESPN), was einen großen Effekt auf die Stimmung im Stadion zu haben scheint. Zumindest war es letztes Mal so. Die Leute scheinen zu denken: „Oh, man könnte uns im Fernsehen sehen… und da sieht es ja scheiße aus, wenn wir nur auf unseren Sitzen rumhängen und ab und zu klatschen.“ Also malen die meisten Leute sich in den Schulfarben an, tragen aberwitzige Kostüme und drehen jedes Mal durch, wenn eine Kamera auch nur in die Nähe kommt.

Das dürfte also einiges an Stimmung mit sich bringen, auch wenn ich nicht der Fan von erzwungener Stimmung bin – aber hey, es ist halt Amerika. Ich werd versuchen viele Fotos zu machen, mal sehen – vielleicht gewinnen wir ja sogar. Ne, wahrscheinlich eher nicht. Aber egal, die Stimmung sollte der Hammer sein. Immerhin.


Alle Tage wieder

Oktober 17, 2006

Martin, mein Mitstreiter im „Abenteuer“ Auslandssemester, hat mich auf die Idee zu diesem Eintrag gebracht. Besser als mit den Worten, die er an seine Leser (wie sich das anhört – verrückt!) richtet, kann ich nicht anfangen:

Warum schreibt ihr kein Blog eurer Erlebnisse? Schließlich möchte ich ja auch an jenen Ereignissen teilhaben. Die Antwort ist so einfach, wie einleuchtend. Weil es “nur” der allgemeine Alltag ist. So ist es hier aber auch.

Das soll hier keine Rechtfertigung sein, warum ich lange nichts geschrieben habe. Wobei… irgendwie doch.

Es ist nach jetzt ziemlich genau zwei Monaten in Charlottesville nicht mehr so einfach, etwas Neues, etwas Spannendes auf dem Ärmel zu zaubern, denn die Tage fangen an sich zu gleichen.

Man reißt nicht mehr die Augen auf, wenn ein Auto in der Größe eines Kleinlastwagens vorbeifährt, man ärgert sich nicht mehr über teuren Lebensmittel, man bleibt nicht mehr ehrfürchtig stehen, wenn man über den „Lawn“ geht und die altehrwürdige Jeffersonische Rotunde im Sonnenlicht funkeln sieht. Ebenso regt man sich auch nicht mehr auf, wenn es wieder nur Burger und Pizza in der Mensa gibt, man hat sich damit abgefunden, dass man jede Woche zwei bis drei Bücher lesen muss, man (und hier hab ich jetzt schon Angst vor Deutschland) ärgert sich mit den Amerikanern, dass der Sprit schon wieder teurer geworden ist – 2.11 $ für 3.5 Liter Sprit (unverschämt!) und mittlerweile ist es einem auch ziemlich egal, ob man beim Bierkauf nach dem Ausweis gefragt wird.

Ich bin angekommen und der Montag ist der Montag, an dem ich zwei Kurse habe und dann mit der „Blue Route“ nach Hause fahre. In meinem Zimmer angekommen schmeiße ich meinen Laptop an und versuche meinen Schatz zuhause zu erreichen. Dann irgendwann abends geh ich ins Gym und spiele Basketball oder stemme Gewichte.

Dienstag ist Dienstag, an dem ich erst einen Kurs habe, dann zum Fußball gehe und dann noch einen Kurs habe. Die Zwischenzeit verbringe ich im Gym. Danach nehme ich wieder die „Blue Route“ und fahre nach Hause. Da es schon etwas später ist, bin ich müde, aber froh mit Christiane meinen Tag zu bequatschen und sie dann „ins Bett zu schicken“ (auf eine nette Art und Weise natürlich).

Und so geht es halt weiter. Mittwoch ist eine Kopie von Montag, Donnertag eine Kopie von Dienstag (mit dem Unterschied, dass ich früher aufstehen muss) und Freitag ist dann auch ziemlich monoton – ein ganz normaler Freitag halt. Samstag und Sonntag bieten einem nach zwei Monaten dann auch nicht mehr die Highlights – Charlottesville hat halt nur 40.000 Einwohner und knapp acht Kneipen. Das Football-Team verliert gerne mal, selbst wenn sie noch zur Halbzeit mit 20 Punkten vorne lagen und im Gym trifft man am Wochenende auch die gleichen Leute, die während der Woche da sind.

Wenn ich mir das noch mal durchlese hört sich das ziemlich trist an; ist es aber gar nicht. Es ist halt Alltag. Es ist auf keinen Fall langweilig und man lernt jeden Tag etwas Neues kennen – nur leider ist dieses Neue nicht mehr spannend. Es hat auch etwas Gutes, wenn man angekommen ist, wenn man sich eingelebt hat. Man fühlt sich unter Seinesgleichen, was bei Amerikanern schier unmöglich scheint. Und daraus kann man lernen, dieses Wissen hilft einem auch später im Leben weiter, wenn man wieder zurück ist und sich in Deutschland über den teuren Sprit ärgert. Nur leider gehen mir auch deshalb ein bisschen die Ideen aus, vor allem weil mit im Moment eher politische Theorien und die Geschichte Berlins (gezwungenermaßen) im Kopf rum schwirren. Midterm Madness halt.

Ein Wundermittel gibt es aber, auch wenn es noch knapp drei Wochen weg ist: Christiane landet am 9. November in Washington und wird, da bin ich mir sicher, für Abwechslung Sorgen, in meinem Alltag als auch im Blog (und nein, liebe Eltern, ich werde deshalb nicht Uni schwänzen oder ähnliches). In den knapp drei Wochen, die sie hier ist, haben wir einiges vor und ich kann vielleicht noch mal die Begeisterung auspacken, die ich zu Beginn meines Aufenthaltes hier erlebt habe. Denn es gibt eine Sache, die schöner ist, als Dinge zu entdecken – zumindest für mich; und das ist sie Christiane zu zeigen.

Dann werde ich auch sicherlich wieder über riesige Autos lachen und die Rotunde bewundern, nicht weil es neu für mich ist, sondern weil ich die Freude sehen kann, mit der meine bessere Hälfte die Dinge an meiner Seite wahrnimmt.

Das wird sich auch in der „Berichterstattung“ niederschlagen, davon bin ich fest überzeugt. Und über unseren Aufenthalt in New York werde ich dann ein Buch schreiben – mindestens – versprochen.


Land unter vor Überland

Oktober 9, 2006

Ab und zu regnet es. Das ist so. Da kann man nichts machen. Eigentlich ist Regen ja auch gar kein Problem, seitdem die Menschen in regenfesten Häusern wohnen und mit überdachten Autos von A nach B reisen. Blöd ist es dann nur, wenn man ein Cabrio hat, bei dem das Verdeck klemmt, oder, wie in meinem Fall, nur 450 Dollar für ein Auto mit Dach ausgegeben hat.

Am Freitag fing es richtig an zu regnen; und es hörte bis Sonntagabend auch nicht mehr auf. Freitagabend sind Martin und ich einkaufen gefahren – der Himmel ergoss sich über unseren 86er Jeep und der Dachhimmel ergoss sich über uns – um es mal überspitzt zu sagen: unser Auto war zu einem Feuchtbiotop mutiert. Der komplette Dachhimmel war klitschnass und es tropfte von unser der Sonnenblende aufs Lenkrad – nicht schön, wenn man sich überlegt, dass man die richtig schlechte Jahreszeit (Winter genannt) noch vor sich hat.

Da Martin und ich aber über ein geballtes Wissen im Umgang mit Undichtigkeiten unser Eigen nennen können, war das alles halb so wild. Folgendes Gespräch kann diesen Umstand beweisen:

Martin: „Das kommt irgendwo durch.“
Sebastian: „Yo.“
Martin: „Das kriegen wir wieder dicht.“
Sebastian: „Yo.“

Martin silikoniert die FrontscheibeAlso wurde nachgedacht, wie wir es „wieder dicht“ bekommen könnten. Möglichkeit 1, silbernes Gaffa-Klebeband (auch Panzerband oder Ducktape genannt), schied aus, weil es scheiße aussieht, Möglichkeit 2, durchsichtiges Gaffa-Klebeband schied aus, weil wir durch einen Geistesblitz auf Möglichkeit 3, Silikon, kamen. In einem Land wie Amerika kein Wunder; bekommt doch jedes dritte high school girl falsche, emm, nun ja, Titten, zum Abschluss geschenkt.

Wir kauften also Silikon und einen Abzieher, parkten das Auto in einer Tiefgarage und warteten auf besseres Wetter.

Es sah nicht so schön aus, aber vielleicht ist es ja dicht!Heute (Sonntag) war es dann endlich soweit, Mitte 20 Grad und Sonnenschein; und schwups war aller Kummer um „Land unter im Auto“ wie „weggeschwemmt“. Jedes Loch wurde zugemacht - nach der Devise: Nicht kleckern… klotzenIch holte den Jeep von seinem überdachten Parkplatz ab, stellte ihn vor Martins Wohnung in die Sonne und wir silikonierten, was die Tube hergab. Einmal rund um die Frontscheibe, sämtliche Löcher, die uns „spanisch“ vorkamen zu gemacht und zusätzlich noch den Dachgepäckträger abgedichtet. Der Jeep sieht seitdem nicht mehr ganz so schön aus, wie vorher – vielleicht ist aber dicht. Vielleicht. Beim nächsten Schauer wissen wir mehr.

Da, wie gesagt, heute schönstes Oktoberwetter war, mussten wir den Wagen dann auch gleich mal durch die Gegend fahren – ein erster Test also, der uns weiter als bis zum Supermarkt und zurück führte. Also packte ich meinen Fotoapparat und was zu trinken und ab ging es zum „Skyline Drive“.

Was zum Teufel ist ein „Skyline Drive“?

Der „Skyline Drive“ (nachfolgend SD genannt) ist eine Scenic Route, eine von tausenden in den USA – eine Straße also, an der es viele Aussichtspunkte und/oder Attraktionen gibt. Die Scenic Routes wurden in den 50ern und 60ern angelegt, damit die Amerikaner ihre Sonntagsausflüge machen konnten. Der SD führt von Norden nach Süden durch den Shenandoah Nationalpark und ist insgesamt 150 km lang. Die Straße windet sich dabei über die Bergrücken der Blue Ridge Mountains, die wiederum einen Teil der Appalachen bilden. Klar soweit.

Nachdem wir die Interstate 64 genommen und der Jeep 65 mph locker geschafft hatte Die Sicht von oben auf unten(zumindest die 20 Minuten lang), konnten die Berge kommen. Obwohl ich ein wenig Angst um den 20 Jahre alten Geländewagen, zahlten wir die 15 Dollar Eintritt und fuhren auf den SD. Man muss dazu wissen, dass der SD besonders im Oktober/November gut besucht ist, weil zu dieser Zeit das Land in ein Meer aus Rot-Gold getaucht wird; schuld daran ist der so genannte „Indian Summer„.

Wir mühten uns also von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, Martin als Fahrer, ich als Fotograf. Teilweise zogen die Wolken direkt vor uns, hinter und um uns herum über die Berge, teilweise blendete die Sonne so sehr, das meine Kamera den Dienst quittierte – trotzdem konnte ich ein paar, wie ich finde, sehr schöne Panorama-Fotos (und auch Bilder im normalen Format) machen, die ihr euch hier anschauen könnt. Nicht zuletzt die exquisite Musikauswahl des iPod-DJs (also mir) sorgte für gute Laune „all along the way“, wie man in nachfolgendem Video gut beobachten kann.

 

Der Jeep machte seine Sache sehr gut, der Dachhimmel und der Teppich trockneten durch den Fahrtwind und wir spulten Meile um Meile ab.Der Jeep imposant wie immer! Irgendwann wurde es dann zu dunkel um noch zu fotografieren und so ging es über diverse Highways wieder zurück nach Charlottesville. Der Jeep war immer noch in Top-Verfassung – und das nach knapp drei Stunden Berg- und Tal-Tour. Um das zu feiern gab es noch einen Burger bei Wendy’s – der Jeep bekam seine Belohnung in Form einer Vollbetankung (was bei 2.13 Dollar pro Gallone (ca. 3,5 Liter) nur doppelt so teuer war, wie unsere Burger).

Fazit: Ob es rein regnet oder nicht können wir erst sagen, wenn es reingeregnet hat; oder auch nicht. Was ich jetzt aber definitiv weiß, ist das der Jeep auch längere Strecken bewältigen kann. Und das ist gut zu wissen, denn in genau einem Monat hole ich meinen Schatz aus Washington vom Flughafen (110 Meilen entfernt) ab. Und wenn der Jeep das schafft (also hin und zurück), dann können Christiane und ich auch den etwas längeren Trip in Angriff nehmen. New York (ca. 550 Meilen) ruft und wir werden in zwei Tagesetappen folgen. Und wenn der Jeep uns beide dann nach einer Woche sicher nach Hause gebracht hat, bin ich mir sicher, dass Martin ihn irgendwann im neuen Jahr an die Westküste fahren wird – damit er dort in Ruhe sterben kann – also der Jeep. Naja, vielleicht auch nicht – das Bild gefiel mir nur ganz gut.

Auf jeden Fall heißt es jetzt erst mal Daumen drücken – vielleicht macht sich Silikon am Auto ja genauso gut, wie am weiblichen Körper.


Mid-Term Madness

Oktober 7, 2006

Mid-Terms hatte ich das letzte Mal in der Schule, als man noch mehrer Klausuren im Halbjahr schreiben musste. Hier in den USA, wo man, um einen Schein bzw. Credits zu bekommen, mehr machen muss als in Deutschland, gibt es diese Halb-Semester-Klausuren auch an der Uni – und die meisten davon haben sich gewaschen, bzw. bieten einen guten Ausblick auf die Klausuren, die Mitte Dezember auf mich zu kommen.

Ich schreibe nächste Woche zwei Mid-Term Exams, eine ganz normale Klausur in meiner History-Vorlesung (also eine, bei der man eine Stunde in einem Raum sitzt und Fragen beantwortet oder kurze Texte schreibt) und ein Take-Home Exam. Die Klausur, die ich mit nach Hause nehmen darf ist mir dabei lieber, denn auswendig lernen war noch nie so meine Stärke.

Bei den Take-Home Klausuren gibt es aber große Unterschiede, die es so eigentlich nur an einer Bildungsanstalt wie der University of Virginia geben kann, an der ein Honor-Code-System besteht. Zum einen sind da die ganz normalen Klausuren, die man mit nach Hause nimmt und dann mit Hilfe der vorgegebenen Literatur versucht zu schreiben – ähnlich einer Hausarbeit also, jedoch mit nur einer Woche Zeit bis zur Abgabe. So ein Mid-Term, „Open Book“ genannt, muss ich in meinem „International Relations“-Kurs schreiben.

Dann gibt es aber auch den Gegenpart zu dieser Art Klausur – ein Take-Home Exam bei dem man nicht das Buch benutzen darf, sondern, ähnlich wie bei Klausuren im Klassenraum, nur auf seinen Kopf und das darin gespeicherte Wissen zurückgreifen soll. Auch hierbei hat man eine Woche Zeit – durch den „Honor Code“ wird gewährleistet, dass man nicht Bücher zur Hand nimmt, sondern sein Wissen vor dem Test angelesen hat. Ich versuche mir das gerade mal vorzustellen: Man sitzt zuhause und schreibt – man hat gerade absolut keine Ahnung wie man weiter machen soll, irgendwie kommt man nicht weiter – der Blick schweift durch das Zimmer und bleibt an den Büchern kleben, die man für diesen Kurs lesen musste. Und da will mir einer erzählen, dass in einem Raum, in dem man nicht überwacht wird, nicht der Gedanke und danach die Handlung kommt und man sich einfach mal das Buch zur Hand nimmt, obwohl es verboten ist? Mir kann doch keiner erzählen, dass man sich da noch an irgendwelche Vereinbarungen hält. Honor-Code hin oder her. Über die Wichtigkeit von guten Noten, damit man sein Stipendium weiterhin bekommt, muss ich erst gar nicht anfangen.

Ich habe mich allerdings genau über diese Problematik mit mehreren amerikanischen Studenten unterhalten und alle meinten, dass sich fast jeder daran halten würde; denn ein aufgedeckter Verstoß gegen diese goldenen Regeln würde einen Rausschmiss aus der Uni nach sich ziehen – zumindest bei den etwas härteren Fällen. Und der Rauswurf wäre dabei noch nicht mal das Schlimmste, so die einstimmige Meinung – viel schwerwiegender Wäre die Schande, den Freunden und der eigenen Familie gegenüber.

Gut, ich darf eh meine Bücher benutzen, treu dem Motto: „Und führe uns nicht in Versuchung… .“

Zum Lernen haben wir dann auch den kommenden Montag frei bekommen (ein so genannter „Reading Day“). Und dieser Tag ist auch bitter nötig, denn um mit dem Lesen der Bücher nachzukommen, muss man schon mal ein Wochenende komplett „über den Büchern hocken“. Und genau das ist auch mein Wochenende – mein langes Wochenende. Glücklicherweise regnet es draußen in Strömen; eine naturgegebene Lernerleichterung. Zudem ist das Universitäts-Gelände wie ausgestorben, denn die meisten Studenten nutzen die paar Tage, um zu ihren Eltern oder zu ihrer Freundin zu fahren – ein Luxus, der mir leider nicht gegeben ist. Wobei ich mir nicht vorstellen könnte, dass ich viel lesen würde, wenn ich das Wochenende bei meiner Christiane verbringen würde – da gäbe es ja andere Dinge, die man lieber macht.

So kämpfe ich mich aber durch insgesamt drei 400-Seiten Bücher, um am Dienstag meinen ersten Mid-Term zu überstehen. Da ich, wie gesagt, den Take-Home Exam erst am Donnerstag bekomme, habe ich nach Dienstag noch zwei Tage Zeit um wenigstens ein bisschen Stoff in meinen Kopf zu bekommen – denn auch wenn wir eine Woche Zeit haben, um das Paper für „International Relations“ zu schreiben, wäre es besser, nicht alles immer nachlesen zu müssen.

Ich mutiere hier noch zum Bücherwurm – gezwungenermaßen.

PS: Ich entschuldige mich jetzt schon mal für die wenigen Beiträge, die ich in der nächsten Woche schreiben werde, wenn ich zwischendurch ne Minute habe werde ich aber versuchen euch auf de Laufenden zu halten.