Feldstudie: Walmart

Mai 24, 2007

Ich hab noch einen Artikel in der Mottenkiste gefunden und dachte, dass ich den, mittlerweile knapp fünf Monate nach meinem Auslandsaufenthalt, mal “publizieren” könnte.

Ich habe absolut keine Ahung, warum ich das nicht schon vorher getan habe, aber sei es drum.

Was fährt einen Pick-Up, trinkt selbstgebrannten Schnaps und guckt leidenschaftlich gerne Football? Ein Redneck. Und was macht ein Redneck, wenn er mal nicht fährt, trinkt oder guckt? Natürlich, wie jeder gute Amerikaner, kauft er ein. Und wo macht er das? Bei Walmart natürlich.

Zig Bücher, zig Filme und wahrscheinlich sogar zig Dokumentationen wurden über die Redneck-Kultur geschrieben, nicht nur hier in Amerika. Um etwas aber kennen zu lernen, muss man es gesehen haben, muss in den natürlichen Lebensraum eingedrungen sein und beobachten, beobachten, beobachten. Und nirgends, mal abgesehen von einer Football-Kneipe (in der man nur die Männer sieht), kann man das besser als bei Walmart.

Wie Motten um das Licht schwirren Rednecks und solche, die es werden wollen, um die großen blauen Buchstaben am Superstore hier in Charlottesville. Hast du keinen V8, bist du out. Hast du nen V6 Pick-Up oder Jeep, okay, dann darfst du bleiben.

Gestern abend waren Martin und ich auf großer Shopping-Tour, denn es galt Dekoartikel für die Christiane’s Geburtstag/mein Wiederkommen-Party zu kaufen. Schön amerikanisch sollten sie sein, am besten mit Stars & Stripes, wie es sich für eine gute USA-Motto-Party gehört.

Nachdem Kroeger (Lebensmittelmarkt) und Target (wie Walmart, nur besser) kläglich auf der Patriotismus-Skala versagt hatten, war Walmart die letzte Anlaufstation.

Und das es Samstag abend war, und Samstag abend DER Einkaufstag schlechthin ist, waren entsprechend viele Leute noch gegen 22 Uhr im Laden. Und da sah ich sie dann, die absolut durchschnittliche Redneck-Familie.

Vater: NASCAR T-Shirt und Kappe, Blue Jeans und kariertes Holzfällerhemd, dazu Turnschuhe, nicht zu vergessen die unnachahmliche Frisur (bei uns als Vokuhila bekannt), Handy mit Gürtelclip

Mutter: übergewichtig, Legings in pink, langes T-Shirt mit Mickey Mouse Applikation, weiße Turnschuhe und Pferdeschwanz, außerdem das Handy an einem Band um den Hals hängen

Sohn 1: Lederjacke (mit Footballvereinssymbol hinten drauf), Jeans und ausgewaschenes T-Shirt, Haare kurz rasiert, Handy mit Gürtelclip

Sohn 2: Holzfällerhemd, T-Shirt mit Bierwerbung, Kappe und Jeans, und nicht zu vergessen: Handy mit Gürtelclip

Tochter: ein Bild für die Götter, denn eine 1:1-Kopie ihrer Mutter, nur statt Mickey Mouse ein gestrasstes Herz

Besser hätte ich es mir nicht wünschen können, eine Redneck-Familie, wie sie im Buche steht. Da Martin nach UVa-Klamotten suchte, hatte ich ein paar Minuten Zeit und schlich mich heran, um die Familie in freier Wildbahn beim Jagen zu beobachten.

Schnell zerstreuten sie sich, um es mir schwerer zu machen. Vater mit Sohn 1 in Richtung Technik-Abteilung, Mutter mit Sohn 2 zu den Klamotten und Tochter in Richtung Schuhe. Sohn 1 direkt an die X-Box und losgezockt, Vater sich ein bißchen mit Digitalkameras aufgehalten, dann aber die DVDs unter die Lupe genommen. Mutter mit Sohn 2 war ziemlich schnell zurück, es sah nach Neueinkleidung aus: es gab Jeans, weiße T-Shirts und zwei karierte Hemden – schick. Tochter kam mit abgrundtief hässlichen Turnschuhen zurück. Schien aber keinem Familienmitglied aufgefallen zu sein; und ich wollte nichts sagen, da ich ja nur Beobachter war.

Mutter fauchte Sohn 1 an, dass er sich gefälligst von der “scheiß” Konsole fern halten sollte, Vater lachte leise und wurde dann auch angeschissen. Somit waren zwei Männer ruhig gestellt und trotteten beleidigt hinter Mutter, Tochter und Sohn 1 (ich denke: Lieblingssohn der Mutter) her.

Nächste Station war die Möbelabteilung (ja, das gibt es im Walmart, aber nur Kleinmöbel). Ein neuer Couchtisch sollte es sein und Mutter hatte schnell einen gefunden. Ab in den Wagen damit. Sohn 1 schurfte weiter zu den Auto-Artikeln und suchte wahrscheinlich nach einem neuen Luftfilter für seinen (wahlweise) Dodge Ram oder Ford F-150 Pick-Up. Sohn 2 klebte bei Mutter, Tochter langweilte sich nach Schuh-Drama zusehend und Vater hatte nachdem Couchtisch genug gesehen; er wanderte ab in Richtung Ausgang. Dort würde er noch geschlagene 20 Minuten warten müssen.

Danach verlor ich die Truppe aus den Augen und suchte mit Martin nach USA-Patriotismus-Artikeln. Nachdem ich nur eine USA-Flagge (nur noch mit elf anstatt 13 Streifen, da Meterware) für 64 Cent ergattert hatte, war ich kurz davor aufzugeben, denn wir näherten langsam, aber sicher der Kasse. Dann das Paradies zu unserer Rechten:

Patriotismus zum MitnehmenVor uns tat sich ein Meer aus rot, weiß und blau auf. Hier war alles vertreten: Becher, Teller, Servietten, Ketten und Tischdecken in Flaggen-Optik. Außerdem noch kleine Fahnen, große Fahnen, riesige Fahnen, Mini-Fahnen und Auto-Fahnen. So konnte ich den gesamten Einkauf in einem Rutsch erledigen.

An der Kasse stießen wir dann wieder auf die Familie und ich traute meinen Augen nicht. Der vor 20 Minuten leere Einkaufswagen (von ein paar T-Shirts, einem Paar Schuhe und einem Couch-Tisch mal abgesehen) war prall gefüllt und wäre das Ding nicht aus Metall, sondern Holz gewesen, ich glaube, es wäre geborsten. Da ich schon bezahlt hatte, sagte ich der Familie (im Stillen) Lebwohl und nahm beim Amerika-Merchandise mit zum Jeep.

Und da stand er neben uns, ein mächtiger 3500 Dodge Ram mit Doppelkabine, Doppelauspuff und Doppelhinterreifen. Schick in schwarz und komplett mit (leerem) Gunrack hintendrin. Für alle, die nicht wissen, was ein Gunrack ist, hier ein Bild.

Das musste das Auto sein. Ich werde es nie erfahren, denn wir waren weg, bevor Familie Redneck den Laden verließ. Schade, ich hätte sie sonst verfolgen können und hätte live mitbekommen, wie Rednecks einen Walmart-Couchtisch zusammenbauen. Spannend!

 


Frohe Weihnachten

Dezember 24, 2006

Bevor ich mit Christiane in den “Zwei-Familien-Weihnachts”-Stress eintauche, bei dem wir mindestens 500 Autobahnkilometer in drei Tagen hinter uns bringen werden, wollte ich auf dem Weg allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen.

Danke fürs Mitlesen und auch für die Kommentare, die mir gezeigt haben, dass nicht alles umsonst ist, was man im Internet veröffentlicht.

Ich hoffe ihr feiert schön heute abend und lasst auch das Essen schmecken.

Frohe Weihnachten, auch wenn aufgrund des Wetters (zumindest hier in Dortmund) nicht die richtige Stimmung für das Weihnachtsfest aufkommen will.

 


Wahrnehmungsschwierigkeiten

Dezember 20, 2006

Nachdem ich seit zwei Tagen wieder in Deutschland bin, muss ich eine Warnung an alle Leute rausgeben, die mit dem Gedanken spielen, für einige Zeit in die USA zu gehen:

Wenn ihr nach einer gewissen Zeit in Amerika zurück kommt, habt ihr absolute Wahrnehmungsschwierigkeiten in Deutschland. Ganz schlimm ist es bei Getränken. Heute haben ich mich im Ikea beschwert, dass die jetzt kleinere Becher für Cola, Fanta etc. haben. Das Problem ist nur, dass die Becher immer noch gleich groß sind. Nur meine Wahrnehmung ist eine andere.

0,3 Liter kommen mir daher wie ein Schnapsgläschen vor, denn in den USA war die kleinste Getränkegröße (bei McDonalds etc.) meist 0,5 Liter, oft bekam man jedoch einen größeren Becher, nicht selten mit einem knappen Liter Fassungsvermögen.

Also, vorsicht. Nicht gleich beschweren, dass man ein zu kleines Getränk zum Essen bekommen hat, sondern einmal kurz auf das Fassungsvermögen gucken und drüber nachdenken, dass ein Liter Cola zum Burger auch irgendwie nicht das Wahre ist, rein kalorientechnisch. Vor allem, wenn es “Free Refills” gibt. Eine Sache, an die man sich hier auch wieder gewöhnen muss – Ikea jetzt mal ausgenommen.


Nur eins der vielen Resümees

Dezember 19, 2006

Na super, das Entertainment System hier im Flieger scheint nicht zu funktionieren. Die müssen, der Durchsage des Kapitäns nach, das System neu starten – hört sich ganz nach Microsoft Windows an. Aber dafür bleibt mir dann etwas Zeit, um die letzten vier Monate Revue passieren zu lassen.

Eigentlich muss ich die letzten zwölf Monate in meinen Rückblick integrieren, denn ungefähr um diese Zeit vor einem Jahr bekam ich den Bescheid, dass ich für ein Semester an die University of Virginia gehen durfte. Danach verliefen die Monate wie bei jedem Austauschstudenten: Flug buchen, Wohnheimplatz organisieren, Pass erneuern, Visum abholen und los fliegen. Was sich in Retrospektive so einfach anhört, war an sich ganz schön anstrengend, vor allem weil einem immer wieder die immense Bürokratie (auf deutscher, als auch amerikanischer Seite) in die Quere kam.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auch nicht außer Acht lassen, dass meine Freundin Christiane in dieser Zeit mitleiden musste. Zum einen durch den Druck, unter den ich mich gesetzt fühlte, zum anderen natürlich bedingt durch die nicht sehr rosige Aussicht, knapp vier Monate getrennt zu sein – ein Gedanke, an den wir uns beide gewöhnen mussten.

Express-Pass und Visum

Im Februar buchte ich meinen Flug nach Washington, dann verstrich viel Zeit bevor ich mich bequemte einen neuen Reisepass zu beantragen. Im Endeffekt musste ich sogar eine Extragebühr bezahlen, damit mein Pass noch rechtzeitig für den Visumstermin ankam. Im Juni bewarb ich mich dann für einen Visumstermin in Frankfurt, der auf Ende Juli angesetzt war. Unglaublich ist für mich immer noch, wie viele Dokumente ich ausfüllen und/oder mitbringen musste. Anfang August hielt ich dann meinen Pass mitsamt Visum in den Händen. Nachdem der Auszug aus meiner alten Wohnung und die „Verschiffung“ meiner Klamotten in mein altes Zimmer bei meinen Eltern über die Bühne gebracht war, begann die Zeit, die ich als die Zeit „der letzten Ereignisse“ beschreiben würde.

So Ereignisse liefen dann ungefähr so an: „Mein letztes Training, bevor ich fliege“, oder „Unsere letzte gemeinsame Nacht, bevor ich fliege“ – wobei jetzt nicht der Anschein erweckt werden soll, dass beide Ereignisse gleichbedeutend traurig waren, dass waren sie nämlich definitiv nicht.

Abflug

Am 17. August ging es dann los. Christiane brachte mich zu Flughafen, selbstverständlich, jedoch nicht ganz unschmerzhaft. Trennungen sind scheiße, aber Trennungen an Flughäfen sind mitunter die schlimmste Erfahrung für ein Paar. Aber ich denke, dass wir die Zeit gut hinter uns (und nicht zwischen uns) gebracht haben; und das gibt sehr, sehr große Hoffnung für die Zukunft. Diese Zukunft ist es dann auch, die mir half heute Morgen aus Charlottesville aufzubrechen. Als ich während meiner Schulzeit für einige Zeit an einer amerikanischen high school war, gestaltete sich das „Nach-hause-kommen“ nicht ganz so freudig, soweit ich mich erinnere.

Jetzt komme ich aber mit Freude und Liebe in meinem Herzen nach Hause und ich freue mich sehr diese Zeit in den USA verbracht zu haben. Nicht mehr und nicht weniger. Freude überwiegt insgesamt, nicht Wehmut. Ich freue mich, diese Erfahrung (vor allem, wie es sich für ein Auslandssemester gehört) akademisch gemacht zu haben, ich würde sie, gerade aufgrund der hervorragenden Bildungsanstalt, die ich besuchen durfte, nicht missen wollen.

Von Düsseldorf ging es dann unter massiven Sicherheitskontrollen (eine Woche vor meinem Abflug hatte der britische Geheimdienst eine Gruppe festgenommen, die höchstwahrscheinlich eine ganze Reihe Flugzeuge in die Luft sprengen wollten) nach Washington. Glücklicherweise wurden die Bestimmungen für das Handgepäck einen Tag vor meinem Abflug gelockert, was es mir erlaubte, meinen Laptop mit in den Flieger zu nehmen und den Blogeintrag ziemlich aktuell zu schreiben, ungefähr genau so aktuell wie dieser hier.

Eingewöhnungszeit in Charlottesville

Mit dem Mietwagen ging es dann von Washington in das beschauliche Charlottesville, wo ich die erste Nacht bei Sebastian, einem weiteren Austauschstudenten aus Dortmund, verbrachte. Nachdem ich mein Zimmer in einem der Wohnheime bezogen hatte ging der Uni-Alltag ziemlich schnell los. Es dauerte ein bisschen, bis ich mich an das Tempo in den Vorlesungen (und ja, auch an die Sprache) gewöhnt hatte, aber dann lief alles ziemlich glatt. Meine anfänglichen Schwierigkeiten spiegelten sich auch in meinen Noten wieder. Außer in meiner „German in Translation“-Klasse prangten überall Cs (befriedigend) auf meinen Papern und Tests. Dann ließ ich mir von einem Kommilitonen erklären, was die Profs und Dozenten sehen und hören wollten und schon ging es rapide nach oben mit den Leistungen. In den Midterms schnitt ich durchweg gut bis sehr gut ab. Sehr verwundert war ich über das (bei uns nur aus der Schule bekannte) System der Gesamtnote. In den meisten Kursen flossen (bzw. fließen, da ich die Endnoten noch nicht habe) ein Test, eine Midterm-Klausur, ein Paper, die mündliche Leistung und das Final Exam in die Bewertung mit ein – woraus sich die Notwenigkeit ergab, konstant zu lernen. Nicht gerade stressfrei, aber es lohnt sich.

Kurz vor den Midterms (im November) besuchte mich dann meine Christiane und wir verbrachten unsere kostbare Zeit zusammen in Washington, am Meer, in Charlottesville und in New York. Ich bin dankbar für jede Minute dieser Zeit, denn ohne den Christianes Besuch hier wäre die Zeit schwerer gewesen. Nachdem ich sie dann Ende November zum Flughafen gebracht hatte, wusste ich, dass es nur noch knapp drei Wochen bis zum meinem eigenen Rückflug waren – eine durchaus überschaubare Zeit, aber auch eine der anstrengendsten Zeiten, die ich bis jetzt in meinem Leben erlebt habe.

Stress pur in der Prüfungsphase

Es ist alles wahr, was man von den Elitecolleges in Amerika hört, okay, ab und zu etwas zugespitzt geschrieben, aber deshalb nicht weniger wahr. Amerikanische Studenten müssen in vier Jahren fertig sein mit ihrem Studium. Zum einen weil (im Falle der University of Virginia) sie sonst „gegangen werden“, wenn sie keinen guten Grund für ein fünftes Jahr vorweisen können, zum anderen weil jedes Jahr an so einer Uni die Eltern der Studenten immer weiter dem finanziellen Ruin näher bringt. Schätzungsweise 30.000 Dollar (ca. 22.500 Euro) kostet ein Jahr an der UVa – ein Fakt, dem sich die Studenten hier meist sehr bewusst sind. Von daher arbeiten die meisten Tag und Nacht (vor allem in der unmittelbaren Zeit vor Klausuren), um ihre Prüfungen/Kurse zu bestehen, am besten noch sehr gut zu bestehen. Denn wenn man schlechter als ein C- ist kann man den Anspruch auf einen Platz im neuen Jahr verlieren. Ein Kommilitone von mir zog für eine Woche vor den Midterms in die Bibliothek. Das ist jetzt nicht bildlich, sondern wörtlich, gemeint. Er packte eine Sporttasche und sein Bettzeug und lebte in der Bibliothek, um länger und intensiver lernen zu können.

Das war mir dann doch zuviel des Guten, außerdem war ich einfach zu festgefahren in meiner deutschen Uni-Gewohnheit, um mich so sehr rein zu knien. Die Klausuren bestand ich zwar (bei den Finals weiß ich es noch nicht, bin aber zuversichtlich), bei den Papers (der Art von Prüfung, die ich von zuhause gewöhnt bin) konnte ich hingegen voll überzeugen. Hier bekam ich meine besten Noten.

Neben all dem universitären Kram blieb ziemlich wenig Zeit um anderen Aktivitäten nachzugehen. Ich war auf erschreckend wenigen Partys und war (ich bin geneigt, wieder erschreckend zu benutzen) selten betrunken. Die meiste Zeit verbrachte ich in der Uni, vor meinem Rechner oder mit Martin beim einkaufen, trainieren oder Auto fahren. Hört sich jetzt nicht sehr spannend an, aber irgendwie hat es dazu beigetragen (zusammen mit den seltenen Partys) die Zeit sehr schnell rum gehen zu lassen.

Die andere Kraft, die mir half, „in guten wie in schlechten Tagen“ nicht den Kopf hängen zu lassen, war mein Schatz.

Angekommen in London

Jetzt haben wir einen mächtigen Zeitsprung gemacht. Ich konnte knapp drei Stunden schlafen, den Rest hab ich dann doch noch mit dem On-board Entertainment System verbringen können, was nach zig Neustarts endlich funktionierte. Mittlerweile bin ich im internationalen Terminal in London/Heathrow und hab nur kurz Zeit, weil die Einreisekontrolle noch viel massiver ist, als die Ausreisekontrolle in den USA – und das obwohl man nur von einem Flug zum nächsten transferiert. Außerdem durfte man nach England zwei Taschen mit an Bord nehmen, von England in irgendein anderes Land aber nur eine. Also muss ich jetzt alles in der Hand tragen und meine Laptoptasche in meinen kleinen Koffer quetschen. So und jetzt muss ich rennen, weil ich verpeilt habe, dass mein Flug schon auf der Anzeigetafel steht.

So, mehr Beinfreiheit und Ledersitze, so muss das sein. Deshalb mag ich Kurzstrecke lieber als Langstrecke, irgendwie sind die eher Businessman-orientiert. Nicht das ich ein Businessman wäre, aber irgendwie fühlt man sich in solchen Fliegern immer so an. In knapp zwei Stunden bin ich dann endlich wieder in der Heimat. Wenn ich nicht so kaputt wäre, würde ich mich noch mehr freuen.

Charlottesville ist keine große Stadt und bietet von daher auch keine tollen Ausgehmöglichkeiten. Wenn man zum studieren da ist, kommt einem das aber sehr entgegen. Die Amerikaner stehen lieber in Kneipen rum und unterhalten sich, während sie unaufhaltsam Liter um Liter in sich hinein kippen – in Charlottesville ist um zwei Uhr morgens Sperrstunde, bis dahin will man ja schön besoffen sein. Die Kneipenlandschaft ist aber an sich sehr gut, für jeden ist irgendwie was dabei, vom Irish Pub bis hin zur typisch-amerikanischen Pool-Bar – mit Pool meine ich das Spiel mit den Kugeln, nicht den Behälter mit Wasser drin.

Leben im Wohnheim

Wenn man wie ich nur ein Semester ins Ausland geht, ist ein Wohnheimplatz die besten Idee. Ich hab ein paar nette Leute dort kennen gelernt, auch wenn die meisten viel jünger waren als ich, da man meist nur in seinem ersten Jahr an der Uni im „Dorm“ wohnt und sich dann mit Freunden zu einer Off-Campus-WG zusammenschließt. Außerdem hat man dort alles direkt vor Ort, die eigene Klimaanlage, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle, Internetanschluss und eine Küche, für die man sich aber selbst mit Töpfen und Pfannen ausstatten muss. Aber dafür gibt es ja die Dining Hall, die morgens, mittags und abends geöffnet ist und neben Fast Food ab und zu sehr leckere Sachen zu bieten hatte. Manchmal dann auch wieder nicht so Leckeres, näheres dazu kann man von Christiane erfahren.

Der letzte Flug

Nach vier Monaten geht mit dem heutigen Morgen mein Abenteuer Auslandssemester zu Ende. Ob ich traurig bin? Nein, bis jetzt zumindest noch nicht. Ich habe kein „Heimweh“ und auch das weinende Auge (das ich aufgrund oben genannter Faktoren hatte, ist vollständig getrocknet, die letzte Träne weggewischt. Das liegt zu einem sehr, sehr, sehr großen Teil daran, dass akademische Elite schön und gut ist, aber Liebe kann selbst eine Top-Uni nicht ersetzen. Und die ist nun mal in Dortmund und nicht Charlottesville.

Und deshalb schnalle ich mich jetzt an und hoffe, dass der Pilot seinen Job gut macht und ich in einer Stunde und 15 Minuten sicher in Düsseldorf ankomme. Hach und dann is auch scho’ Weihnachten – wie die Zeit vergeht.


CCICC

Dezember 17, 2006

10.000 Besucher!Wir haben einen Gewinner. Das T-Shirt geht an M. Plitt aus B. in D. Er hat mir ne E-Mail mit Bild geschickt. Meine Expertekommission hat das Foto überprüft und gemeint: “Sollte es gefaked sein, dann ist es sehr gut gemacht, also gib ihm das Shirt.” Und da ich weiß, dass besagter Herr Plitt ein ehrlicher Zeitgenosse ist, bekommt er auch das T-Shirt, welches ich gleich noch kaufen werde. Unterschreiben werde ich dann erstmal nicht, ich will ja, dass das T-Shirt mitstolz geschwellter Brust getragen wird.

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So, nun aber zum eigentlichen Anlass diese Beitrages: CCICC – Ungefähr so wie 10.000 im römischen Zahlenkatalog geschrieben, bzw. das ist eine der Möglichkeiten, eine so große Zahl darzustellen. Und verdammt noch mal, 10.000 ist eine verdammt große Zahl, nicht nur bei den verdammten Römern.Verdammt.

Eigentlich wird die Zahl so geschrieben -namenlos3.jpg- aber da kriegt man in einer Überschrift einfach nicht hin. Falls jemand weiß, ob man mit einer bestimmten Tastenkombination gespiegelte Buchstaben schreiben kann, würde ich darum bitten, es mir mitzuteilen.

Es soll auch eigentlich gar nicht um die Römer, oder die richtige Schreibweise gehen, sondern um die Zahl an sich. 10.000 Menschen wohnen im gesamten Stadtgebiet meines Heimatortes. Für 10.000 Euro bekommt man einen guten Gebrauchtwagen und 10.000 Stellen sollen demnächst bei der Bahn wegfallen.

Außerdem haben sich 10.000 Leute dieses Blog angeguckt, bzw. einen Artikel gelesen. Ich weiß, viele von euch waren regelmäßige Leser, manche unregelmäßig, manche meiner Freunde haben sich sicherlich auch kein Mal hier hin verirrt. Auf jeden Fall danke ich allen Lesern/Leserinnen dafür, dass sie ab und zu mal vorbeigeschaut haben und den ein oder anderen Kommentar zu meinen Beiträgen abgegeben haben. Es erfüllt mich ein wenig mit Stol, dass so viele Leute mein Blog gelesen haben. Is natürlich jetzt nur scheiße, weil ich dann zuhause nix mehr zu erzählen habe.

Ich denk mir das so:

Bekannter: Und, wie war’s in den Staaten? Erzähl mal.
Ich: Ach ja, war sehr lustig. Was soll ich denn erzählen?
Bekannter: Keine Ahnung, schieß einfach los.
Ich: Ach ja, da war das eine Mal, wo ich beim Football war.
Bekannter: Ah, ne, kenn ich schon.
Ich: Ok, dann war da noch, als ich Christiane vom Flughafen….
Bekannter: Kenn ich schon.
Ich: Kennst du die Geschichte als ich…
Bekannter: … als du beim Fußball ein T-Shirt gefangen hast. Ja.
Ich: Mist. Ja, dann…. man sieht sich.
Bekannter: Bis später. Und schreib ja nix über dieses Gespräch in dein Blog.

So, oder so ähnlich könnte das ablaufen. Wahrscheinlich eher nicht. Und wenn schon, dann muss ich mir wenigstens nicht den Mund fusselig reden.

Jedenfalls, wo war ich. Ach ja. Nach vier Monaten und 113 Beiträge (von denen einige während der Vorbereitungszeit zwischen Februar und August geschrieben wurden) ist dieses Blog schon fast zu seinem verdienten Ende gelangt. Der Flug steht mir noch bevor und die Willkommens-/Christiane’s Geburtstagsparty wird auch noch gefeiert. Aber dann ist mein Auslandssemester und damit dieses Blog zu Ende.

Ohne eine richtiges Finale, bzw. eine Zusammenfassung werde ich jedoch nicht schließen. Deshalb arbeite ich jetzt schon an einem zusammenfassenden Text, der noch mal alles von der Vorbereitung, dem Visum, den ersten Tagen hier bis hin zum letzen Final und der Party mit einschließt. Aber das wird erstmal dauern.

Noch einmal danke an alle meine Freunde und Bekannten, aber auch an die vielen unbekannten Leser, die sich hier hin verirrt haben. Durch euren Zuspruch (und die täglichen Zugriffszahlen) ist mir nie die Motivation ausgegangen. Danke, danke, danke.


Gewinne, Gewinne, Gewinne

Dezember 17, 2006

So ungefähr wird das 10.000ster Besucher-Shirt aussehen. Toll, oder? (Sebastian nicht im Angebot enthalten)Der Besucherzähler für mein Blog läuft unaufhaltsam Richtung 10.000er Marke. Gerade steht er bei 9.933. Und um mal so richtig Kommerz in die Bude zu bringen, hier ein kleiner Anreiz, der 10.000ste Besucher auf “Auslandssemester – dein Tagebuch” zu sein:

Der 10.000ste Besucher* bekommt von mir ein original Virginia Cavaliers T-Shirt** in der Modefarbe Orange. Egal wo auf der Welt du wohnst, oder wie du auf diese Seite gekommen bist. Wenn du Nummer 10.000 bist, dann schick ne E-Mail mit Beweisfoto* an mich und erhalte ein absolut funkiges, trendiges und stylisches T-Shirt (mit Unterschrift, falls gewünscht. Falls nicht gewünscht, kann ich das gut verstehen).

Viel Glück!

*Teilnahmebedingungen: Du musst alt genug sein, um schreiben zu können, sonst klappt das mit der E-Mail nicht, woll. Außerdem musst du der 10.000ste Besucher auf dieser Seite sein, logisch. Wie erkennst du, dass du der 10.000ste Besucher bist? Ganz einfach: In der rechten Spalte steht über den Flickr-Bildern der Eintrag “Blog Stats”. Wenn du auf die Seite gehst und da steht 10.000, dann hast du gewonnen. Aber nur, wenn du mir eine E-Mail schickst. Und jetzt kommt der Haken, denn wie soll ich wissen, dass du wirklich Nr. 10.000 bist? Easy; du machst ein Foto vom Bildschirm mit dem Zähler drauf, entweder fotografierst du den Bildschirm mit dem Handy oder der Digicam, oder benutzt die “Screenshot-Funktion” (beim Mac Apfel-Shift-3 drücken, beim PC einfach die Taste “Drucken” drücken, dann meist mit einem Zeichenprogramm öffnen). Und dann schickst du mir das Bild mit der E-Mail und gewinnst das Shirt. (Ach und von vorn herein mache ich klar, dass ich bearbeitete Bilder sofort erkenne, weil ich das selbst mal gemacht habe. Ich weiß jetzt, nachdem ich den Preis damals gewonnen habe, dass es sich lohnt. ABER: Unehrlichkeit ist nicht gut. Und ich möchte sie nicht unterstützen. Also lasst das lieber gleich bleiben. Sonst bekommt niemand das Shirt und ich hab was, um Christianes und meine Wohnung zu streichen. Okay, genug in Klammern geschrieben.) Tja, da war dann ja mal das Kleingedruckte länger als der normale Text. Aber so ist das mit dem Kleingedruckten. Viel Glück noch mal!

** Abbildung ähnlich oder auch nicht. Hab das T-Shirt noch nicht gekauft. Steht aber für heute vor dem Abflug ganz oben auf meiner Liste, die Farbe stimmt aber haargenau, egal was für ein Motiv letztendlich auf dem Shirt ist. Kaufe Größe L, damit große Leute es tragen können und kleine wenigstens was zum schlafen und/oder Wohnung streichen haben.

EDIT: Es ist 3:18 EST (9:18 MEZ) und es sind nur noch 25 Hits bis zur 10.000. Ich hoffe, dass ich eine E-Mail von einem Gewinner (oder einer Gewinnerin) habe, wenn ich aufstehe in ein paar Stunden wieder aufstehe.


Der Teufel steckt im Detail

Dezember 16, 2006

Es ist kaum zu glaube, wie sehr der Teufel im Detail steckt – vor allem in den Details, die etwas mit meinem Auslandssemester hier zu tun haben. Ganz zu Anfang war da mein Flug, der mich meine Eltern insgesamt 666 Euro gekostet hat. Dann war da noch das Datum, an dem mir meiner deutscher Pass ausgestellt wurde, dem 06.06.06.

Und jetzt, an meinem letzen Abend hier in Charlottesville gibt sich der Teufel wieder ein Stell-dich-ein. Nachdem ich den Tag über shoppend den Highway 29 (die Ausfallstraße von Charlottesville an der die ganzen Malls und Shoppingcenter liegen) hoch und runter gefahren bin, hab ich mir abschließend zwei DVDs bei Blockbuster geholt, um den letzten Abend nicht gelangweilt rumzusitzen, oder, noch viel schlimmer, amerikanisches Fernsehen über mich ergehen lassen zu müssen.

Blockbuster RechnungZwei DVDs (die man hier vor der Ausleihe bezahlen muss) kosteten zusammen, na ratet mal, genau: $ 6,66.

Jetzt frage ich mich, ob ich vom Teufel verdammt bin, oder aber ob er total hinter mir steht und mich unterstützt. Ich denke letzteres, da hier eigentlich – bis jetzt – alle ganz gut gelaufen ist. Merkwürdig is es aber trotzdem.


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